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Burger ohne Heimat

"Na klar, der Hamburger kommt aus Hamburg", werdet ihr sagen. So klar ist das aber gar nicht. Vier verschiedene Orte auf dem deutschen und dem nordamerikanischen Kontinent streiten sich darum, Geburtsort des beliebten Fastfood-Gerichts zu sein. Welcher ihrer Geschichten glaubt ihr am ehesten?


Ein saftiger Hamburger. Aber wer hat ihn erfunden? (Foto von: Sheer Photo Inc/Digital Vision/Getty Images)
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Ein saftiger Hamburger. Aber wer hat ihn erfunden?

Ein helles Brötchen, eine saftige Frikadelle, ein knackiges Blatt Salat und eine große Portion Ketchup - fertig ist der klassische Hamburger! Manche Schätzungen gehen davon aus, dass ein durchschnittlicher Amerikaner jährlich 150 Stück verdrückt, also rund drei in der Woche. Hochgerechnet auf alle Einwohner der USA macht das pro Jahr etwa 45 Milliarden Burger! Wie der ursprüngliche Hamburger wirklich aussah, wann er auftauchte und ob er aus Deutschland oder doch aus Amerika stammt, darüber streiten sich jedoch die Experten. Ganze vier Orte nennen sich die "Heimat des Hamburgers".


1. Geschichte: Bloß kein Ketchup!

Über ganz Amerika ist die Imbissbude "Louis' Lunch" in New Haven an der Ostküste der Vereinigten Staaten bekannt. Ihr deutschstämmiger Besitzer Louis Lassen soll dort einem Gast im Jahr 1900 den allerersten Hamburger serviert haben. Der Reisende hatte es sehr eilig und keine Zeit, sich zum Essen in Louis Imbiss zu setzen. Also bereitete der Wirt aus nicht verkauften Steaks schnell eine Frikadelle zu, klemmte sie mit Käse, Zwiebeln und Tomaten zwischen zwei Toastscheiben und gab sie seinem Gast mit auf den Weg. Der war begeistert!

Jeff Lassen, der Urgroßenkel von Louis und heutige Besitzer der Imbissbude, wehrt sich standhaft gegen jeden, der ihm eine andere Geschichte über die Erfindung des Hamburgers erzählen will. Für ihn ist der Burger ohne Zweifel Teil seiner Familiengeschichte. Aus diesem Grund werden die Hamburger auch heute noch wie im Jahr 1900 in Louis' Lunch serviert. Mit Toast, Frikadelle, Zwiebeln, Käse und Tomaten. Wer dort hingegen nach Ketchup fragt, wird strafend angesehen, denn den gab es bei Louis vor 100 Jahren auch noch nicht.


2. Geschichte: Klapp-Burger auf hoher See

Im 18. Jahrhundert lebten in Europa viele enttäuschte Menschen, die keine Arbeit fanden, oft hungern mussten und von einem besseren Leben in der neuen Welt träumten. Neue Welt - so nannten die Menschen damals den amerikanischen Kontinent im Gegensatz zu der alten, bekannten Welt mit Europa, Asien und Afrika. Über Jahrzehnte siedelten Millionen von Europäer nach Amerika über, um dort ein neues Leben beginnen. Jeder Auswanderer, der aus Nordeuropa ausreiste, musste dafür den Hamburger Hafen passieren. Er gehörte schon im 18. Jahrhundert zu den größten Häfen Europas. Jeden Tag liefen dort Schiffe aus alle Welt ein und aus um Waren und Menschen in die Ferne zu transportierten.


Die Verpflegung auf den häufig hoffnungslos überfüllten Schiffen war oft karg und reichte kaum für alle Passagiere aus. Meist gab es das, was im letzten Hafen aufgeladen worden war, und so kamen die Amerika-Reisenden in den Genuss der Hamburger Hausmannskost, zu der auch das Gericht "Rundstück warm" zählt, das ihr noch heute in Hamburgs Restaurants finden könnt. Dafür wird ein Stück Schweinebraten auf zwei Brötchenhälften gelegt und mit Soße übergossen. Ganz schön unpraktisch auf einem wankenden Schiff, das sich durch die tobenden Wellen des Nordatlantiks kämpft! Deshalb wurde das "Rundstück warm" auf den Überfahrten einfach zusammengeklappt, um es aus der Hand essen zu können. Ganz klar also: Der Hamburger ist eine Idee von ein paar waschechten Hamburger Jungs auf hoher See!



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