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Buchtipp: Calvin und Hobbes

Vorsicht bissig! Bill Wattersons Comic-Abenteuer über einen kleinen Rabauken und seinen getigerten Freund haben es in sich


"Ich finde, wer am Ende des Tages keine grünen Knie hat, sollte sein Leben ernsthaft überdenken." - Erkenntnisse wie sie nur in einem Bollerwagen oder Schlitten gewonnen werden können! Im freien Fall grübelt der sechsjährige Calvin mit großer Vorliebe über die ernsten Seiten seines Daseins nach. Doch sobald er wieder festen Boden unter den Füßen hat, gilt Calvins Leitsatz "dass Wissen nichts wert ist, wenn es nicht innerhalb von zehn Sekunden erklärt werden kann."


Calvin und sein Tiger Hobbes sinnieren selbst beim Schlittenfahren über die großen Fragen des Lebens. Die Comics über die Beiden sind Klassiker (Foto von: Carlsen)
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Calvin und sein Tiger Hobbes sinnieren selbst beim Schlittenfahren über die großen Fragen des Lebens. Die Comics über die Beiden sind Klassiker

Tiger trifft Teufelskerl

Leider gibt Lehrerin Wurmholz wenig auf Calvins Leitsätze. Vermutlich fährt sie nicht einmal gerne Bollerwagen. Und so rauft sich der kleine Junge regelmäßig auf der Schulbank die Haare und stöhnt, dass die Realität sein Leben ruiniere. Wie tröstend, dass ihn zu Hause wenigstens sein bester Freund Hobbes erwartet. Hobbes ist ein leibhaftiger wilder Tiger mit der seltenen Gabe, sich als Kuscheltier zu tarnen. Das macht er immer dann, wenn andere Menschen dabei sind. Aber kaum ist er mit Calvin alleine, bestehen die Beiden aufregende Abenteuer. An Feinden mangelt es nicht: Calvin und Hobbes behaupten sich tapfer gegen unliebsame Babysitter, Schneemutanten, Spinatgerichte, Nachbarstöchter, Urzeitmonster oder Calvins Eltern.


In Calvins Wirklichkeit prallen zwei Welten aufeinander: der reglementierte Erwachsenenalltag einer kleinbürgerlichen amerikanischen Vorstadt und seine eigene überbordende kindliche Fantasie. Die Grenzen auszutesten ist für Calvin der Ausgangspunkt immer neuer Abenteuer. So zum Beispiel wenn er sich in einem selbst gebastelten "Zellumwandler" (einem Pappkarton nicht unähnlich) zum Dickhäuter aufbläht. Dank seines neuen Elefantenhirns muss Calvin nun nie wieder Vokabeln lernen. Ein Glück! Denn wie sagt der kluge Hobbes immer? - "Es ist nie genug Zeit, so viel nichts zu tun, wie man eigentlich vorhat."


Die Geschichten des kleinen Rabauken Calvin und seines getigerten Freundes Hobbes haben auf der ganzen Welt viele begeisterte Leser gefunden. Seit 1985 wurden sie zehn Jahre lang regelmäßig in verschiedenen Tageszeitungen abgedruckt. Dabei ging es ihrem Erfinder, dem Amerikaner Bill Watterson, jedoch nicht um billigen Klamauk: "Nichts deprimiert mich so wie der Gedanke, eine Witzfabrik zum Ausfüllen von Druckfläche zu sein. Wann immer es möglich ist, benutze ich daher den Comicstrip, um über Themen zu sprechen, die mir wichtig sind", so der erfolgreiche Autor und Zeichner.


Fazit

Ähnlich wie bei seinen großen Vorbildern, den "Peanuts", karikiert Bill Watterson das menschliche Zusammenleben aus Sicht eines Kindes. Dabei unterscheiden sich jedoch der zynische Calvin und der eher lakonische Charlie Brown gewaltig voneinander. Ihr unterschiedliches Temperament tritt stilistisch in Calvins lebendigem Minenspiel zutage. In den zehn Jahren seines Comic-Helden-Daseins entwickelte der Tausendsassa eine wahre Meisterschaft im Fratzenschneiden. Doch auf der Höhe von Calvins Erfolg im Jahr 1995 legte Bill Watterson seine Arbeit als Comiczeichner ebenso überraschend wie endgültig nieder. So wurden Calvin und Hobbes noch zu Lebzeiten ihres Schöpfers zu einem Klassiker der Comicliteratur!

Bill Watterson: "Calvin und Hobbes. Von Tigern, Teufelskerlen und nervigen Vätern", Carlsen Verlag, ab 12 Jahren, € 19,90


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