Brasilien Brasilien im Fussballfieber

Volltreffer! Im Sommer 2014 spielen 32 Mannschaften um den Weltmeistertitel in Brasilien. Dort ist Fußball eine ziemlich große Sache. Hier erfahrt ihr mehr über das Land und die fussballbegeisterten Brasilianer
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Das Leben in den Favelas
Die WM kostet viel Geld
Brasilien im Fussballfieber

Fußballspieler am berühmten Impanema Strand in Brasilien

Das Leben in den Favelas

Der Ball zischt ins Netz, João reißt die Arme in die Luft und stürmt über den Sandplatz in den Hügeln von Rio de Janeiro: „Gol!“, jubelt er. Tor! Seine Kumpel umarmen ihn, sie feiern den Achtjährigen, wie Profi-Spieler das wenige Kilometer entfernt im Maracanã-Stadion machen. Knapp 79 000 Fans passen in diese größte Arena Brasiliens. Und am 13. Juli wird sie sicher voll sein. Denn dann stehen sich die beiden besten Mannschaften im Finale der Fußballweltmeisterschaft (WM) gegenüber. Auch João kann das WM-Turnier kaum erwarten. Im Stadion wird er zwar nicht dabei sein – zu teuer sind die Tickets. Aber am Bildschirm verfolgen wird er die Spiele, klar! Denn Fußball ist sein Sport. Brasilien ist sein Land. Rio ist seine Stadt.

Das Leben in den Favelas

João lebt in Vidigal. Von hier kann der Junge weit über den Atlantischen Ozean blicken. In den Gassen seines Viertels ist es dagegen eng, wie in den meistens Favelas von Rio de Janeiro. Favelas – so nennt man in Brasilien die Bezirke, in denen sich die Menschen ihre Hütten aus Holz und Wellblech zusammengezimmert haben, ohne Genehmigung der Behörden. Mittlerweile gibt es zwar auch Steinhäuser, Wasser- und Stromanschlüsse – und sogar ein paar breitere Durchgangsstraßen. Reiseführer warnen Touristen dennoch davor, durch Favelas wie Vidigal zu schlendern; immer wieder werden Menschen dort überfallen. Für die einen ist es eine Gefahrenzone, für João sein Zuhause.

Land der Gegensätze

In Brasilien sind die wirtschaftlichen Gegensätze groß: Die wenigen Reichen sind sehr reich. Die vielen Armen oft sehr arm. Allein in Rio de Janeiro leben von 6,3 Millionen Einwohnern über 1,5 Millionen in Favelas. Wie João, seine Eltern und die drei Brüder. Zwar geht er regelmäßig zur Schule, aber die Schulen in den Favelas sind meistens nicht besonders gut. Es gibt nur wenige Lehrer, vielerorts muss der Unterricht in mehreren Schichten stattfinden. Immerhin besucht João seit einem Jahr dreimal in der Woche die Organisation „SER – Alzira de Aleluia“. Die Mädchen und Jungen können dort Sprachen lernen, Ballett tanzen, Tischtennis oder eben Fußball spielen wie João. Hauptsache, sie hängen nicht nur auf den Straßen herum. 70 bis 80 Kinder kommen regelmäßig in das Projekt. Es gibt unzählige ähnliche Jugendzentren in Brasilien, viele konzentrieren sich auf Fußball. Überall jagen Jungen und Mädchen den Bällen hinterher, dribbeln, tricksen, schießen. Vielleicht ist das eines der Geheimnisse, warum Brasilien einige der besten Fußballer der Welt hervorbringt: weil immer und überall im Land Fußball gespielt wird. Auch für João steht fest: „Eines Tages möchte ich Fußballprofi werden.“

Die WM kostet viel Geld

Die brasilianische Nationalmannschaft hat bereits fünfmal den Weltpokal gewonnen, öfter als jede andere Nation. Die „Seleção“ (auf Deutsch: „Auswahl“) ist der Stolz aller Brasilianer. Und natürlich wollen sie, dass die auch dieses Jahr den Titel erringt – bei der WM im eigenen Land! Dabei soll sich Brasilien als bunter, moderner und sicherer Staat präsentieren. Die Regierung stellt dafür eine Menge auf die Beine. Zwölf WM-Stadien hat sie entweder neu bauen oder vollständig renovieren, außerdem Straßen neu teeren und Flughäfen erweitern lassen. Es kann losgehen! Im Juli treffen mit den 31 Gast-Mannschaften auch rund 600 000 Touristen ein, dazu mehrere Tausend Journalisten.

Proteste auf der Straße

Vielen Brasilianern geht es jedoch gegen den Strich, dass die Regierung Milliarden für die WM ausgibt. Sie wollen, dass die Probleme im Land nicht vor den ausländischen Gästen unter den Teppich gekehrt werden. Das viele Geld hätten sie lieber in bessere Schulen, einen funktionierenden Nahverkehr oder mehr Krankenhäuser gesteckt. Deshalb demonstrieren schon seit Monaten immer mehr Leute gegen die WM-Organisatoren. Bei den Protesten hat es bereits Verletzte gegeben. Die meisten brasilianischen Fußballstars bekommen das nur im Fernsehen mit. Viele von ihnen spielen bei Vereinen in Europa, wo sie mehr Geld verdienen als in ihrer Heimat. So wie Joãos Lieblingsspieler, Superdribbler Neymar, der für den FC Barcelona in der spanischen Liga Tore schießt. Trotz aller Probleme: Etwas Besonderes ist die WM dennoch für den Großteil der Brasilianer. Und wer wird Weltmeister? „Ich glaube an Brasilien“, sagt João. Aber auch: „Es wird nicht leicht. Der Druck ist sehr groß.“ Ein ganzes Land will gewinnen.

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