Weltveränderer Stephen Hawking

Er war der bekannteste lebende Physiker, wenn nicht gar Wissenschaftler überhaupt: Stephen Hawking. Wenn er die Entstehung des Universums erklärte, kamen so viele Menschen wie sonst nur zu Popkonzerten. Ob seine wissenschaftlichen Leistungen wirklich so genial sind, ist umstritten. Unumstritten ist seine Lebensleistung. Denn Hawking war fast vollkommen gelähmt
Stephen Hawking

Stephen Hawking im Juli 1992 in London

Weltveränderer: Stephen Hawking

  • Geboren: 8. Januar 1942 in der englischen Universitäts-Stadt Oxford
  • Gestorben: 14. März 2018 in Cambridge
  • Nationalität: britisch

Wie Stephen Hawking die Welt veränderte

Als Stephen Hawking noch Schüler ist, tüftelt er Brettspiele aus. Tage und Nächte quält er seine Kumpel damit. Denn die Regeln sind oft so kompliziert, dass er für die Erklärung eines  einzigen Spielzugs Stunden braucht. Aber Stephen Hawking ist glücklich. Für ihn ist es das Schönste, die Gesetze ersonnen zu haben, die in der Spielewelt herrschen.

Fast 60 Jahre später möchte er die Regeln formulieren, nach denen unser Universum funktioniert, wie es entstand und vergeht. Manchen gilt er mit dem, was er darüber herausgefunden hat, als der genialste Physiker seit Albert Einstein. Den meisten aber ist er nur als dieser Professor im Rollstuhl bekannt.

Wer war Stephen Hawking?

Stephen Hawking kommt am 8. Januar 1942 in der englischen Universitäts-Stadt Oxford zur Welt. Als Schüler ist er allenfalls mittelmäßig. Statt mit guten Noten und klugen Fragen fällt er mit seinen sonderbaren Spielen auf und mit den Samtjacken, die er trägt. Auch später im Physik-Studium bummelt er mehr, als dass er büffelt. Viel lieber als im Hörsaal sitzt er als Steuermann im Ruderboot. Bis zu jenem Novembertag 1963.

Hawking ist unterwegs in die Oper, da knicken seine Beine unter ihm ein. Als er in den folgenden Wochen noch ein paar Mal solche Schwächeanfälle erleidet, geht er zum Arzt - und bekommt einen fürchterlichen Befund: Amyotrophe Lateralsklerose, kurz: ALS. Eine Erkrankung, von der niemand weiß, wo sie herkommt. Nur, wie sie verläuft. Nach und nach sterben jene Nerven ab, die die Muskeln steuern. Die etwa die Hand beauftragen, eine Tasse zu halten.

Nur das Gehirn bleibt, wie es ist. ALS-Kranke können darum komplizierteste Matheaufgaben lösen, aber nicht mal mehr einen Schluck Tee trinken. Sie sind gefangen in einem gelähmten Körper. In drei, vier, spätestens fünf Jahren werde Hawking an dieser Krankheit sterben, sagen die Ärzte außerdem. Was für eine erschütternde Aussicht, erst recht für einen Menschen von gerade einmal 21 Jahren!

Stephen Hawkings Theorie zu den Schwarzen Löchern

Hawking stürzt in eine tiefe Traurigkeit. Aber dann wandelt sich plötzlich etwas in ihm. Jetzt, da er weiß, dass die eigene Lebenszeit extrem begrenzt ist, will er jede Minute nutzen.  Wie besessen stürzt er sich in die Erforschung der Schwarzen Löcher. Stephen Hawking ist fasziniert von diesen "sterbenden Sternen", die zusammenschrumpfen, bis sie so dicht und so schwer sind, dass darin ein Teilchen von der Größe eines Stecknadelkopfes das Gewicht eines Flugzeugträgers haben kann.

Dabei entwickeln die Schwarzen Löcher eine unglaubliche Anziehungskraft, sodass sie alles, was sie umgibt, einsaugen und nie wieder freigeben. Oder vielleicht doch? Ohne Pause geht Stephen Hawking fortan dieser Frage nach. Von früh bis spät sitzt er am Schreibtisch.

Selten nur, dass er den Weltraum durch Teleskope erforscht. Diese Dinger, sagt er einmal, brächten ihm keine Erkenntnis. Er will die kosmischen Rätsel allein mit Mathematik lösen.  1974 rechnet er so vor, dass Schwarze Löcher nicht nur Riesen-Staubsauger sind. Aus seinen gewaltigen Gleichungen liest Stephen Hawking ab, dass sie auch energiereiche Strahlen aussenden. Mit der Beschreibung dieser nach ihm benannten Hawking-Strahlung zählt der Physiker zur ersten Riege seiner Zunft.

"Sprechen" ist für Hawking Schwerstarbeit

Er wird 1979 Professor an der berühmten Universität von Cambridge. Stephen Hawking erinnert sich bis heute genau an seine erste Vorlesung dort: Es ist der letzte Tag, an dem er seinen Namen schreiben kann. Mit Mühe bringt der 37-Jährige die Buchstaben zu Papier. Ein Wunder, trotzdem! Denn er lebt nun - entgegen allen Erwartungen - schon 16 Jahre mit der Krankheit.

Aber diese hat tiefe Spuren an seinem Körper hinterlassen. Hawking sitzt zu dieser Zeit längst im Rollstuhl; seine Arme und Beine hängen schlaff herab. Er muss gefüttert werden. 1985 bekommt er eine Lungenentzündung. Eine Operation rettet ihm das Leben, kostet aber seine Stimme.

Seither kann er sich nur noch mittels eines Sprach-Computers verständigen. Lange bedient er den mit einem Finger seiner rechten Hand. Inzwischen wählt er die Wörter und Zeichen gar mit der Bewegung seiner Pupillen aus. Ein winziges Messgerät an seiner Brille nimmt wahr, wenn seine Augen über den Bildschirm an seinem Rollstuhl wandern.

Darauf flimmern Buchstaben, aus denen er Wörter und Sätze zusammenbaut. H: Blinzeln. I: Blinzeln. "Hi!", liest dann eine blecherne Stimme.

"Sprechen" ist Schwerstarbeit. Und trotzdem arbeitet Stephen Hawking weiter, gibt Interviews, hält Vorträge. Und wo immer er auftritt, strömen Massen in die Säle. "Can you hear me?" - "Könnt ihr mich hören?", tönt dann seine Kunststimme in die Menge hinaus. Das erinnert mehr an ein Popkonzert als an eine wissenschaftliche Vorlesung. Ohnehin vergisst man bei seinen Auftritten schnell, dass es eigentlich um Schwarze Löcher und die Geschichte unseres Uni versums geht.

Vorn auf der Bühne sitzt dieses Bündel Mensch in einem Hightech-Rollstuhl. Der kluge Kopf, den er selbst nicht mehr halten kann, liegt in einer gepolsterten Stütze. Es ist unglaublich, mit welcher Kraft Stephen Hawking sein Schicksal meistert. Niemand zweifelt daran. Doch gerade in Expertenkreisen fragen sich immer mehr, ob auch seine wissenschaftlichen Leistungen so bewundernswert sind. Es gibt kaum noch jemanden, der seinen ultrakomplizierten Rechnungen folgen kann. Und bis heute vermochte niemand letztgültig zu beweisen, dass die Hawking-Strahlung tatsächlich existiert. Ihr Namensgeber aber gibt nicht klein bei. Es passt nicht zu ihm.

Stephen Hawking wurde schließlich 76 Jahre alt. Sein vorausgesagtes Lebensende hat er um fast ein halbes Jahrhundert überlebt. Und zumindest die Regeln der Medizin damit ganz neu formuliert.

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