Rom Hannibal - der Mann, der beinahe Rom besiegte

Im Jahr 218 vor Christus kommt es - mal wieder - zum Krieg der Großmächte Rom und Karthago. Dessen Heerführer Hannibal überrascht den Feind: Auf seinem halsbrecherischen Feldzug überquert er die Alpen und marschiert durch Italien, mit einer riesigen Armee und einer den Römern bis dahin kaum bekannten Waffe: Elefanten!
Hannibal

Hannibal

Hannibals Armee

Es ist ein Anblick zum Fürchten: Riesige Geschöpfe trampeln über den engen Pfad. Zweieinhalb Meter hoch, mit enormen Ohren und einem Schwanz, der ihnen aus dem Gesicht wächst.

Mit gekrümmten Hauern räumen sie Felsbrocken mühelos aus dem Weg. Und auf ihren Köpfen sitzen Männer, die die Ungeheuer mit eisernen Stangen lenken! Die Menschen, die 218 v. Chr. im Süden Galliens – also im heutigen Frankreich – leben, haben nie zuvor Elefanten gesehen. Ungläubig bestaunen sie die Armee des fremden Feldherrn. Sein Name? Hannibal Barkas, Karthager und genialer Stratege. Sein Ziel? Italien, wo er gegen die Römer kämpfen will.

37 Elefanten hat Hannibal in seinem Heer, geschätzte 8000 Reiter auf Pferden und 38.000 Fußsoldaten, die in ihren Rüstungen bergan steigen. Fünf Monate zuvor ist die mächtige Armee in Spanien aufgebrochen. Sie hat die Gipfel der Pyrenäen überwunden, Südfrankreich durchquert und die reißenden Fluten der Rhône durchschritten. Jetzt steuert das Heer direkt auf die Alpen zu, Europas höchstes Gebirge. Ein gigantisches Hindernis …

Zweiter Punischer Krieg

Rund um das Mittelmeer herrschen zu Beginn des Zweiten Punischen Krieges im Wesentlichen zwei Mächte: Karthago im Westen, Rom im Osten. Der gebürtige Karthager Hannibal beginnt seinen Feldzug in Saguntum, dem heutigen Sagunto in Spanien. Er endet 17 Jahre später nahe seiner Geburtsstadt im nordafrikanischen Zama

Wer war Hannibal?

Fast alles, was man heute über Hannibal weiß, stammt aus zwei Büchern. Eines davon schrieb der griechische Gelehrte Polybios, das andere der römische Geschichtsschreiber Titus Livius. Doch keiner war bei Hannibals Feldzügen dabei. So konnten beide nur aufschreiben, was ihnen erzählt wurde oder was sie gelesen haben, weshalb man sich auf ihre Berichte nicht hundertprozentig verlassen kann.

Fest steht, dass Hannibal etwa 247 v. Chr. in Karthago geboren wird, einer Stadt an der afrikanischen Mittelmeerküste im heutigen Tunesien. Noch einige Jahrzehnte zuvor beherrschten die Karthager das Mittelmeer: Sie hatten die stärkste Flotte, betrieben regen Handel und lebten in einer der reichsten Städte der damaligen Welt. Doch seit 264 v. Chr. führen sie Krieg gegen die Römer (siehe Kasten unten).

Als sie den 241 v. Chr. verlieren, müssen sie eine fette Entschädigung an Rom zahlen. Kurz darauf machen auch noch die Söldner Stunk, die im Heer für Karthago gekämpft haben: Kelten, Ligurer, Griechen, Iberer und Lybier fordern Geld für ihre Dienste. Aber Karthago ist pleite und kann nicht zahlen. Im folgenden Söldnerkrieg (241–238 v. Chr.) schlägt der Oberbefehlshaber der karthagischen Armee, Hannibals Vater Hamilcar Barkas, den Aufstand schließlich nieder.

Die Punischen Kriege - 118 Jahre Zoff

Im 3. Jahrhundert vor Christus streckt Rom die Finger nach dem Mittelmeerraum aus. Doch da herrschen bisher die Karthager – oder Punier, wie die Römer sie nennen. Die folgenden Konflikte zwischen den Mächten gehen als Punische Kriege in die Geschichtsbücher ein.

Erster Punischer Krieg (264 bis 241 v. Chr.)

264 v. Chr. beherrscht Karthago nicht nur das Mittelmeer, sondern auch Inseln wie Korsika, Sardinien und große Teile Siziliens. Die möchte sich Rom gern unter den Nagel
reißen – und schickt ein Heer ins heutige Messina auf Sizilien. Mehr als 20 Jahre dauert der Krieg, ehe Karthago unterliegt. Es verliert die Mittelmeerinseln und den Großteil seiner Flotte. Außerdem muss es Rom eine fette Entschädigung zahlen.

Zweiter Punischer Krieg (218 bis 201 v. Chr.)

Die Karthager haben sich im heutigen Südspanien breitgemacht – was den Römern nicht gefällt: 218 v. Chr. erklären sie abermals den Krieg. Doch der karthagische Feldherr Hannibal fügt den Römern anfangs herbe Verluste zu. Erst nach Jahren wendet sich das Blatt. Diesmal drücken die Römer den Karthagern noch strengere Friedensbedingungen auf, etwa das Verbot, ohne Roms Genehmigung Krieg zu führen.

Dritter Punischer Krieg (149 bis 146 v. Chr.)
Die Numider aus dem heutigen Algerien greifen das Karthagerreich an. Als Karthago sich wehrt, behaupten die Römer, die Karthager hätten die Friedensbedingungen
verletzt und ohne Roms Erlaubnis Krieg geführt. So kommt es zum Dritten Punischen Krieg. Zum dritten Mal heißt der Sieger Rom - und Karthago wird endgültig dem Erdboden gleichgemacht!

Der Zweite Punische Krieg

Kriegerische Zeiten also. Kein Wunder, dass Hannibal schon als Kind zum Kämpfer wird: Erst neun Jahre ist er alt, als ihn sein Vater auf einen Feldzug ins heutige Spanien mitnimmt. Fortan lebt er unter Soldaten, hört ihre Lieder und ihre derben Späße.

Er übt, mit Waffen zu kämpfen und zu reiten. Und er lernt, ein Heer anzuführen. Bald ist klar: Hannibal ist ein großes Talent! Mit 25 Jahren wird er Befehlshaber von Karthagos Armee in Spanien. Bald darauf erobert der Haudrauf die mit Rom verbündete Stadt Saguntum – und es kommt zum nächsten Riesenknatsch mit Rom. Damit beginnt der Zweite Punische Krieg!

Statt auf den Angriff der Römer zu warten, beschließt Hannibal, selbst loszuschlagen. Sein kühner Plan: Er will rund 2500 Kilometer nach Italien marschieren und den Feind auf eigenem Boden angreifen. Dass die Alpen wie eine riesige Schutzmauer dazwischenliegen, schreckt ihn nicht: „Die Alpen sind ein hohes Gebirge, aber nirgends reichen die Berge bis zum Himmel und sind für den Menschen unüberschreitbar.“ Mit diesen Worten ermutigt er seine Männer, bevor er sie ins Gebirge führt.

Die Kriegselefanten von Hannibal

Mithilfe gewaltiger Kriegselefanten will Hannibal Rom in die Knie zwingen. Viele Jahre bleibt er siegreich, dann wird seine Lage immer schwieriger. In der Schlacht von Zama im Jahr 202 v. Chr. verlässt ihn endgültig das Glück

Hannibals Alpenüberquerung

Die 15-tägige Alpenüberquerung wird für die Karthager zur Qual. Sie leiden an der dünnen Höhenluft, an der Kälte, am Wind und am Schnee.

Sie frieren sich Finger und Zehen ab. Sie stürzen auf eisigem Grund, brechen sich Arme und Beine – viele Unglückliche rutschen haltlos in die Tiefe, manchmal samt ihren Pferden.

Doch Hannibal marschiert weiter, und trotz aller Gefahren halten ihm seine Soldaten die Treue. Denn ihr Feldherr ist zu sich selbst genauso hart wie zu seinen Männern. So schreibt Titus Livius: "Viele haben ihn gesehen, wie er zum Schlafen zwischen Wachen auf der Erde lag, nur mit einem Soldatenmantel zugedeckt."

Als Hannibal und seine Armee die norditalienische Po-Ebene erreichen, haben sie eine der beeindruckendsten Leistungen der Antike vollbracht – und alle 37 Elefanten haben die strapaziöse Tour überlebt! Der Feldherr zieht mit seinen Truppen durch Italien und gewinnt eine Schlacht nach der anderen. Anfangs helfen die Elefanten dabei kräftig mit und trampeln die Feinde nieder. Doch die Kälte des norditalienischen Winters rafft sie dahin: Schon Anfang 217 v. Chr. ist nur noch eines der Tiere am Leben.

Den überrumpelten Römern wird langsam mulmig: Wer ist dieser Hannibal, der es wagt, ihr Imperium herauszufordern und immer größere Teile Italiens erobert?

Die Schlacht von Cannae

In einer entscheidenden Schlacht wollen sie den Kerl endlich kleinkriegen: Im August 216 v. Chr. treffen Roms und Karthagos Armeen in Cannae aufeinander, einer Stadt im Süden Italiens. Hannibals Heer steht eine fast doppelt so große römische Armee gegenüber. Doch der schlaue Feldherr kreist den Gegner ein, seine Reiter und Soldaten nehmen die Legionäre unbarmherzig in die Zange.

Der Plan geht auf: Kaum ein Römer kommt mit dem Leben davon, bis zu 70 000 fallen! Es ist die schlimmste Niederlage, die ein römisches Heer je erlitten hat oder in den folgenden Jahrhunderten erleiden wird. Die Schlacht von Cannae geht in die Geschichte ein. Noch heute nehmen sich Militärs Hannibals geniale Strategie von damals zum Vorbild.

Hannibals Schlacht, 216 v. Chr.

Nicht nur Elefanten setzen die Karthager gegen ihre Feinde ein: Im Jahr 216 v. Chr. lässt Hannibal während einer Schlacht Stiere mit brennenden Holzbündeln auf den Köpfen in die Reihen der Römer treiben

Hannibals großer Fehler

Der Feind liegt am Boden. Doch nun begeht Hannibal einen Fehler: Er weigert sich, nach Rom zu marschieren, um dem Imperium den Todesstoß zu versetzen!

Ob er glaubt, dass ihm für eine Belagerung der Stadt die richtigen Waffen fehlen? Die Geschichtsforscher rätseln bis heute. Sein Offizier Maharbal soll zu Hannibal gesagt haben: „Zu siegen verstehst du, den Sieg zu nutzen nicht.“

So lässt Hannibal seine Chance verstreichen. Und die Römer denken nicht daran, Frieden zu schließen! Mit ihrem Feldherrn Fabius Maximus, der den Beinamen „der Zögerer“ trägt, verfolgen sie in den kommenden Jahren eine raffinierte Taktik: Sie gehen großen Schlachten aus dem Weg – und greifen die Karthager vor allem dort an, wo Hannibal nicht ist. Erst in Spanien. Dann in Nordafrika. Hannibal zieht jahrelang durch Italien, ohne die Entscheidungsschlacht erzwingen zu können.

Als die Römer 204 v. Chr. mit 40 Kriegsschiffen nach Afrika übersetzen, wird Hannibal aus Italien abberufen, um Karthago zu verteidigen. Doch das Glück hat ihn verlassen: 202 v. Chr. unterliegt er in der Schlacht bei Zama. 16 Jahre nach Hannibals legendärem Zug über die Alpen erobert Rom seine Heimat. Damit endet der Zweite Punische Krieg: Karthago ist besiegt – und Rom die neue Supermacht der kommenden Jahrhunderte!

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