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Weltveränderer Sophie Scholl

Weltveränderer: Die Widerstandskämpferin Sophie Scholl wurde nur 21 Jahre alt
Die Widerstandskämpferin Sophie Scholl wurde nur 21 Jahre alt
© picture-alliance/dpa
Am 09. Mai 2021 wäre Sophie Scholl 100 Jahre alt geworden. Sie und ihr Bruder Hans gehörten zur Widerstandsgruppe "Weiße Rose" und kämpften gegen Adolf Hitler. Dabei waren sie nur wenige Jahre zuvor selbst begeisterte Anhänger von ihm gewesen...

Steckbrief: Sophie Scholl

  • Geboren: am 9. Mai 1921 in Forchtenberg, Baden-Württemberg
  • Nationalität: deutsch
  • Geschwister: Inge (1917–1998), Hans (1918–1943), Elisabeth (*1920), Werner (1922–1944), Thilde (1925–1926), und ein Halbbruder, Ernst
  • Eltern: Magdalena und Robert Scholl
  • Ausbildung und Studium: 1940 beginnt Sophie eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. Wenig später verpflichten sie die Nationalsozialisten zum Arbeitsund Kriegshilfsdienst. 1942 fängt Sophie an, in München Biologie und Philosophie zu studieren.
  • Widerstand: Zusammen mit ihrem Bruder Hans und anderen Studenten setzt sich Sophie in der Widerstandsgruppe Weiße Rose gegen die Nationalsozialisten ein. Am 18. Februar 1943 verteilen die Studenten Flugblätter direkt an der Universität. Der Hausschlosser beobachtet und verrät sie.
  • Gestorben: Sophie, Hans und Christoph Probst, ein weiteres Mitglied der Weißen Rose, werden nach der Flugblatt-Aktion verhaftet. Nach einem dreitägigen Verhör verurteilen die Nationalsozialisten die drei zum Tode. Am 22. Februar 1943 werden sie hingerichtet.
  • Zitat: "Was wir sagten und schrieben, denken ja so viele. Nur wagen sie nicht, es auszusprechen."

Sophie und ihr Bruder Hans Scholl kämpften als Teil der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" gegen die Diktatur des Nationalsozialismus. Dafür wurden sie zum Tode verurteilt.

Protest!

18. Februar 1943. Auf den Fluren der Universität in München ist kein Mensch zu sehen. Nur Hans und Sophie Scholl, einen Koffer und eine Aktentasche unterm Arm, hasten durch das Gebäude. Legen hier einen Stapel Flugblätter vor den Hörsaal, dort einen Packen auf die Treppenstufen.

Darauf steht: "Im Namen der ganzen deutschen Jugend fordern wir vom Staat Adolf Hitlers die persönliche Freiheit zurück." Und: "Kampf gegen die Partei!"

Es ist bereits das sechste Flugblatt der "Weißen Rose", einer Gruppe, die Widerstand gegen die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten leistet. Nachts schmieren die Studenten Parolen an Hauswände: "Freiheit!", "Nieder mit Hitler". Sie wollen die Menschen wachrütteln - doch das ist zu dieser Zeit lebensgefährlich! Wer offen gegen die Nazis wettert, wird verhaftet oder sogar getötet.

Zwar ist der Weißen Rose bislang niemand auf die Spur gekommen. An diesem Donnerstag vormittag allerdings gibt Sophie einem Blätterstapel auf der Brüstung im zweiten Stock der Uni einen Schubs, ganz plötzlich. Die Papiere segeln hinab in den Innenhof - doch dort steht der Hausschlosser. Er rennt nach oben und brüllt: "Ich verhafte Sie!"

Mit dem Strom

Dieser kurze Moment, die Entdeckung - es ist das Ende der Weißen Rose. Woher aber haben die 21-jährige Sophie und ihr drei Jahre älterer Bruder Hans überhaupt den Mut genommen, sich aufzulehnen gegen die Machthaber? Viel zu viele Menschen trauen sich das damals nicht, sind selber Nazis oder Mitläufer. Und tatsächlich, auch Hans, Sophie und ihre Geschwister fühlen sich von den Ideen der Nazis angezogen.

"Zuerst waren wir alle begeistert", sagt Elisabeth Scholl, die einzige noch lebende Schwester von Sophie und Hans Jahrzehnte später in einem Interview.

In Ulm, wo die Familie die Anfänge der Hitlerzeit in den 1930er Jahren erlebt, treten die Kinder bald der Hitlerjugend und dem Bund Deutscher Mädel bei, den Jugendorganisationen der Nazis.

"Da gab's dann einfach Gemeinschaft", erzählt Elisabeth Scholl. Die Jungen und Mädchen unternehmen Ausflüge, veranstalten Zeltlager. Dass die Nazis versuchen, den Kindern ihre Ideale einzutrichtern, merken sie damals nicht.

Sophie Scholl bekommt Zweifel am System

Schnell übernehmen die "Scholl- Geschwister" Führungsaufgaben in der Hitlerjugend und betreuen Gruppen. Sophie fordert "ihre Mädels" immer wieder heraus, liebt Mutproben und ist gern draußen in der Natur.

Die Eltern sind von der Begeisterung ihrer Kinder für die Hitlerjugend dagegen wenig angetan. Sie sind Christen und lehnen die Haltung der Nazis ab, insbesondere die Verachtung der Juden. Hans, Sophie und ihre Geschwister wachsen also mit den christlichen Werten auf der einen Seite und mit der Propaganda der Nazis auf der anderen Seite auf.

Das führt auch in der Hitlerjugend zu Konflikten. 1938 muss Sophie sogar ihren Rang als Gruppenführerin abgeben. Nach und nach keimen Zweifel in ihr. Sie bekommt mit, wie die Juden immer schlimmer schikaniert werden, nicht mehr arbeiten dürfen, verfolgt werden. Als sie später, nach Beginn des Zweiten Weltkrieges, den sogenannten Reichsarbeitsdienst leistet, also in der Landwirtschaft und im Haushalt von Familien helfen muss, überdenkt sie ihr Leben, ihren Glauben und ihre Einstellung zum Nationalsozialismus.

Wie Sophie Scholl und Hans Scholl die Welt veränderten

Hans studiert 1942 längst Medizin in München. Auch er hat sich von den Nazis abgewendet - und gründet mit seinem Freund Alexander Schmorell die Weiße Rose. Die ersten vier Flugblätter verfassen und verteilen die beiden allein, schicken je 100 Exemplare an Autoren, Professoren, Buchhändler. Sie fordern darin: "Leistet Widerstand, wo immer Ihr auch seid!"

Als Sophie ebenfalls nach München zieht, freundet sie sich schnell mit Hans' Bekannten an; kaum später gehört sie zum Kern der Weißen Rose. Tagsüber leben die Mitglieder wie normale Studenten. Nachts stellen sie Tausende Flugblätter her.

Es ist harte Arbeit, Fotokopierer oder Laserdrucker gibt es schließlich noch nicht. Die Studenten verschicken die Schriftstücke und verteilen sie, etwa in Telefonzellen - und am 18. Februar 1943 eben auch an der Universität.

Das Ende der weißen Rose

Nachdem der Hausschlosser Hans und Sophie entdeckt hat, verrät er sie an die Gestapo, die Geheime Staatspolizei im Nationalsozialismus. Die beiden werden drei Tage lang verhört. Sie nehmen alle Schuld auf sich, versuchen vergeblich, ihre Freunde zu schützen. Und opfern für ihren Mut ihr Leben: Schon am 22. Februar werden sie zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Heute sind zahlreiche Straßen, öffentliche Plätze und Schulen nach den Geschwistern Scholl benannt. Sie gelten als Vorbilder und mit anderen zu den wichtigsten Widerstandskämpfer gegen Adolf Hitler und das NS-Regime.


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