Hinter den Kulissen Kinotipp: Das kleine Gespenst

Ab dem 7. November läuft "Das kleine Gespenst" im Kino. Doch wie bringt man eigentlich etwas auf die Leinwand, das es gar nicht gibt? Acht Menschen, die vor, hinter und neben der Kamera an dem Film mitgewirkt haben, erzählen von ihrer Arbeit
Kinotipp: Das kleine Gespenst

"Das kleine Gespenst" ab 7. November im Kino

Otfried Preußler brachte im Jahr 1966 das Kinderbuch "Das kleine Gespenst" heraus. Es erzählt von einem kleinen Nachtgespenst und seinem großen Traum: einmal die Welt bei Tageslicht ansehen. Und dann erwacht es tatsächlich eines Mittags – und versetzt die Stadt in Schrecken...

Die Geschichte wurde bald als Hörbuch vertont, in Spielen und Zeichentrickfilmen umgesetzt. Vor einigen Jahren entstand schließlich die Idee, einen Film über das Gespenst zu drehen, mit richtigen Schauspielern. Das setzte einiges und einige in Gang...

Vor knapp drei Jahren

Otfried Preußlers Buch ist über 100 Seiten dick. Um daraus einen anderthalbstündigen Film zu machen, musste der Text umgeschrieben und lebendig werden. Das war die Aufgabe von Drehbuch-Autor Martin Ritzenhoff.

"Ich wusste sofort: Das ist ein toller Filmstoff. Aber mir war auch klar, dass ich etwas dazuerfinden muss, gut die Hälfte des Films sogar. Das Buch handelt ja fast nur vom Gespenst, die Kinder treten erst am Schluss auf. Also schrieb ich noch eine Geschichte um die Hauptperson Karl hinzu, die ihn mit dem Geist in Verbindung bringt. Am Anfang und am Ende aber sind Buch und Film genau gleich: Da kommt Autor Otfried Preußler selbst zu Wort, als Erzähler."

Vor zweieinhalb Jahren

Während der Drehbuch-Autor noch seine Texte tippte, begann 2011 Felix Mertikat mit der Arbeit. Der Charakter-Designer gab dem Filmgespenst sein Gesicht.

"Ich habe mit Bleistift und Papier losgezeichnet, mehr als 150 verschiedene Gespenster kamen heraus. Die meisten habe ich zerknüllt. Doch irgendwann sah ich ein kleines, weißes Wesen mit großen, blauen Augen vor mir. Wenn es sich bewegt, schwingt es wie Stoff unter Wasser. Die Zeichnungen gebe ich weiter an die Spezialeffekte-Leute. Sie erwecken das Gespenst später digital zum Leben."

Als Drehbuch und Hauptfigur endlich standen, begab sich Szenenbildnerin Evi Stiebler auf die Suche nach den passenden Drehorten.

"Karls Zimmer, das riesige Büro des Bürgermeisters oder die Stadt, in der die Figuren leben: All diese Orte gibt es wirklich, wir haben sie nur noch etwas verschönert. Am besten gefällt mir der Dachboden des Schlosses, wo das Gespenst wohnt. Es hat riesig Spaß gemacht, mit meinem Team das ganze Gerümpel dafür zu suchen. Manches haben wir auch eigens gebaut, wie den Brunnen auf dem Schlosshof. Der ist aus Styropor."

Kinotipp: Das kleine Gespenst

Das Gespenst aus den Büchern hatte schwarze Augen, im Film schaut uns der Geist nun aus meerblauen Augen an

Vor eineinviertel Jahren

Ab Juni 2012 wurde gedreht. Das Gespenst war da noch nicht fertig. Stattdessen geisterte Philipp Moschitz am Set herum – Trainer und sogenannter Anspielpartner für die Kinderdarsteller.

"Ich war das Gespenst, allerdings nur bei den Proben. Als die Kamera lief, stand ich am Rand.

Wir mussten also alles zweimal drehen, einmal mit und einmal ohne mich – damit die Kinder wussten, in welche Richtung sie spielen mussten. Abends haben wir immer für den nächsten Tag alles geprobt. Ich gab Tipps, etwa, wie man es anstellt, dass der Text nicht auswendig gelernt, sondern echt klingt. In den Drehpausen haben wir Quatsch gemacht – zum Beispiel einen Spaßfilm gedreht, in dem die Kinder und ich uns scheinbar verkloppen."

Die Hauptfiguren des Films sind drei Kinder. Die elfjährige Emily Kusche spielte eines davon, "Marie".

"Am Set tänzelten immer so 30 Leute um uns rum. Alle haben uns angefeuert und motiviert. Vergaß ich mal den Text, haben sie ihn mir vorgesagt. Alle waren sehr nett, auch die berühmten Schauspieler wie Uwe Ochsenknecht. Schwierig fand ich nur, Angst zu spielen. Da habe ich mir dann schreckliche Dinge vorgestellt. Den Tipp hatte ich von Philipp. Er hat geholfen."

"Das kleine Gespenst" ist kein Actionfilm, gefährliche Szenen gab es trotzdem. Stuntfrau Angie Rau sorgte dafür, dass die aufregend aussehen, sich aber niemand verletzte.

"Besonders aufregend war der Dreh des wuseligen Stadtfestes. Da musste ich ein gutes Dutzend Stuntmänner anleiten. Sie mussten stürzen und mit Pferden davonrasen. Die vier Stuntpferde stiegen auf Kommando auf die Hinterbeine. Sie sind gut trainiert. Wie wir auch. Nur wer sportlich ist, verletzt sich nicht. Blaue Flecken holen wir uns trotzdem. Aber wenn die Szenen später dramatisch aussehen, ist es das wert. Auf der Leinwand wird uns Stuntleute niemand erkennen. Wir tragen die gleiche Kleidung wie die Schauspieler – und werden nur von hinten oder der Seite gefilmt."

Kinotipp: Das kleine Gespenst

Da ist es! Im Film jagen die Kinder das Gespenst in den SCHLOSSHOF. Insgesamt nur 20 Minuten lang taucht es im Film auf. Das machte aber immer noch jede Menge Arbeit für jene Fachleute, die das Gespenst in den Film einfügten

Vor gut einem Jahr

Erst als alle Szenen gedreht waren, kam das Gespenst ins Spiel, vielmehr: in den Film. Per Computer fügten Nils Engler und seine Kollegen die Figur in den Streifen ein. Engler ist für die visuellen, also bildlichen Spezialeffekte verantwortlich.

"Zunächst mussten wir Gespenst-Zeichnungen des Charakter- Designers animieren, sprich: in Bewegung setzen. Außerdem den sprechenden Uhu. Dazu haben wir einen echten Vogel gefilmt und seinen Kopf immer dann, wenn der Uhu im Film spricht, durch einen ersetzt, den wir per Computer animiert haben. Da braucht man unendlich viel Zeit und ein gutes Auge: kein Federchen darf fehlen.

Gespenst und Uhu setzten wir später in die Filmszenen ein. Genauso den Rathausturm samt Uhr. Das Rathaus am Drehort in Quedlinburg hat nämlich gar keinen Turm. Sämtliche Uhr-Szenen wurden im Studio nachgedreht. Insgesamt haben etwa 50 Leute in der Postproduktion, der Nachbearbeitung des Films, mitgewerkelt."

Dass der Film am Ende nicht nur gut aussieht, sondern sich auch gut anhört, ist Sound-Designer Sebastian Schmidt zu verdanken.

"Schon in normalen Filmen vertonen wir Schritte oder das Rascheln der Kleidung nach; komischerweise klingt es dann echter. Ein Gespenst ist eine echte Herausforderung. Denn: Wie klingt es, wenn ein Gespenst fliegt? Wie ein gleitender Vogel oder sanfter Wind? Wir haben dann einen Ton aus mehreren Geräuschen zusammengebastelt. Auch der Zauberschlüssel war kompliziert. Alte Schlüssel klingen nämlich nicht so spannend, wie sie aussehen. Schließlich haben wir das Klirren großer Eisenschlüssel, den Klang eines Windspiels und noch etwas, das ich nicht verrate, gemischt."

Nun, nach rund drei Jahren Produktionszeit, ist der Film endlich fertig. Auch viele seiner Macher werden ihn zum allerersten Mal komplett sehen, wenn er am 7. November in die deutschen Kinos kommt.

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