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Ichthyosaurier: Urzeit-Monster der Meere

Sie sahen aus wie riesige Fische, hatten aber ein Skelett wie Landwirbeltiere. Zu welcher Tierart die Ichthyosaurier gehörten, war Forschern zunächst ein Rätsel…


Im Jahr 1811 wurde das erste komplette Skelett eines Ichthyosauriers gefunden. Und zwar von der 12-jährigen Mary Anning, die gemeinsam mit ihrem Bruder an der Südküste Großbritanniens Fossilien sammelte, um sie an Touristen zu verkaufen.

Zunächst herrschte Verwirrung: Was war das für ein Wesen, dessen Körperbau an einen Fisch erinnert, aber ein Knochenskelett wie ein Landtier hat? Mit einer krokodilähnlichen Schnauze und riesigen Augen sehen sie aus wie See-Monster.

Heute wissen wir, dass Ichthyosaurier zu den Reptilien gehörten. Sie stammten von Landechsen ab – der Name Ichthyosaurier bedeutet so viel wie Fischechse. Sie lebten vor etwa 200 Millionen bis vor 90 Millionen Jahren.


Ein Ichthyosaurier-Weibchen mit einem Jungtier. Unter den Rippen der Mutter sind fünf ungeborene Junge zu erahnen (Foto von: Jonathan Blair/Corbis)
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Ein Ichthyosaurier-Weibchen mit einem Jungtier. Unter den Rippen der Mutter sind fünf ungeborene Junge zu erahnen

Von der Echse zum Fisch

An der Südküste Großbritanniens wurden noch weitere Ichthyosaurier-Skelette gefunden. Aber nicht alle stammen aus derselben Zeit. Forscher haben herausgefunden, dass die Skelette aus ganz unterschiedlichen Erdzeitaltern stammen.

Manche der Fischechsen müssen Millionen von Jahren vor anderen gelebt haben. Und die Forscher haben noch etwas herausgefunden: Sie haben die Skelette miteinander verglichen und festgestellt, dass sich die Ichthyosaurier im Lauf der Jahrmillionen immer besser an das Leben im Wasser angepasst haben: Ihre Arme und Beine wurden breiter und damit immer flossenartiger.

Vermutlich nutzten sie die "Flossen" jedoch nur zum Steuern. Für den Antrieb sorgte die Schwanzflosse: Mit rhythmischen, schlängelnden Bewegungen machte sie die Meeresräuber zu schnellen und wendigen Jägern. Mit bis zu 20 Metern waren manche Exemplare mehr als doppelt so lang wie der Weiße Hai.


Mit Riesenaugen auf Beutezug

Auf der Suche nach Beute unterstützten die Ichthyosaurier ihre riesigen Augen. Mit einem Durchmesser von über meist über 20 Zentimetern - also etwa so groß wie eine kleine Pizza – besaßen sie nicht nur die bis heute größten Augen eines Wirbeltieres überhaupt, sondern hatten auch eine ähnliche Sehkraft wie Eulen oder Katzen. Diese Sehkraft half ihnen bei der Nahrungssuche in der dunklen Tiefsee.

Auf ihrem Speiseplan standen hauptsächlich Ammoniten und Belemniten, Vorfahren der heutigen Tintenfische. In einigen versteinerten Ichthyosaurier-Mägen fanden Wissenschaftler aber auch Überreste von Meeresschildkröten und Vögeln.

Anhand anderer Versteinerungen ist nachgewiesen, dass die Urzeit-Monster ihre Jungen lebend gebaren. Der Nachwuchs schlüpfte bereits im Mutterleib aus den Eiern. Auch heute gibt es noch einige Fischarten, bei denen das der Fall ist. Die Geburt erfolgte dann Schwanz voraus, denn Ichthyosaurier mussten zum Atmen an die Wasseroberfläche, Kopf voraus wären sie erstickt.

Vertreten waren Ichthyosaurier wohl in sämtlichen Weltmeeren, denn Knochenfunde gibt es fast überall auf der Welt: In England, Frankreich, Russland, den USA aber auch in Südamerika und Australien.


Skelette zum Bestaunen

Das erste vollständige Ichthyosaurier-Skelett, das Mary Anning fand, ist im Lyme Regis Museum in Großbritannien zu sehen. Aber auch in Deutschland können einige Skelette der Urzeit-Wesen bewundert werden. Zum Beispiel im Urwelt-Museum Hauff in Holzmaden bei Stuttgart und im Fossilienmuseum der Holcim Süddeutschland in Dotternhausen bei Balingen.




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