GEOlino Nr. 06/06 - Windjäger! Wie junge Segler um den Meistertitel kämpfen Seite 1 von 2

Text von Sina Löschke

Segeln: Im Wettlauf mit dem Wind

Svenjas Boot hat die Größe einer Badewanne. Es läuft bei hohen Wellen schnell voll Wasser und gehört doch zur beliebtesten Segelbootsklasse der Welt: zu den »Optimisten«. GEOlino war bei der Deutschen Opti-Meisterschaft dabei


Bei schwachem Wind erweist sich, welche Segler die Sprache des Windes und des Wassers am besten verstehen. Kleine Kräuselungen auf den Wellen verraten zum Beispiel, wo eine Böe über das Meer rollt. Sie gilt es zu erkennen und auszunutzen  (Foto von: Klaus Andrews)
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Bei schwachem Wind erweist sich, welche Segler die Sprache des Windes und des Wassers am besten verstehen. Kleine Kräuselungen auf den Wellen verraten zum Beispiel, wo eine Böe über das Meer rollt. Sie gilt es zu erkennen und auszunutzen

Der Wetterbericht hat Wind vorhergesagt. Mit Stärke vier bis fünf soll er über die Wismarer Bucht wehen und die Ostsee in ein waberndes Wellenfeld verwandeln. Svenja kribbelt es bei diesem Gedanken bis in die Fingerspitzen. Windstärke vier: Das bedeutet beste Bedingungen für den vierten Wettkampftag bei der Deutschen Meisterschaft im Opti-Segeln.

Opti - so nennen die Segler liebevoll ihre kleinste Bootsklasse, die "Optimisten". Deren Rumpf ist gerade mal 2,31 Meter lang und 1,13 Meter breit. Ohne Mast und Segel erinnert er eher an eine Badewanne. Sitzen aber Svenja oder einer ihrer Mannschaftskameraden vom Opti-Team Hamburg am Ruder, gleitet das Leichtgewicht aus Kunststoff oder Holz schnell wie ein Pfeil über die Wellen.


Wind: drehend aus West

Zweimal pro Woche trainieren die zwölf Jungen und drei Mädchen auf der Elbe oder der Hamburger Außenalster. Um bei der Meisterschaft in Hohen Wieschendorf aber vorn mitzusegeln, braucht man mehr als die bloße Technik. Ein Auge für Sonne und Wolken ist zum Beispiel unerlässlich!


Drückt der Wind mit Wucht in das Segel, hängen sich die Sportler weit aus dem Boot, um es im Gleichgewicht zu halten. Speziell verstärkte »Ausreithosen« schützen sie dabei vor blauen Flecken an den Oberschenkeln. Gegen den Bauchmuskelkater hilft aber nur Krafttraining (Foto von: Klaus Andrews)
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Drückt der Wind mit Wucht in das Segel, hängen sich die Sportler weit aus dem Boot, um es im Gleichgewicht zu halten. Speziell verstärkte »Ausreithosen« schützen sie dabei vor blauen Flecken an den Oberschenkeln. Gegen den Bauchmuskelkater hilft aber nur Krafttraining

"Wer weiß, wie der Wind heute wehen soll?", fragt Trainerin Grit Müller in der Teambesprechung vor dem Rennen. "Aus Südwest, drehend auf West", ruft Christina in die Runde. Am Vortag, als der Wind nur über die Bucht gekrochen war, hatten die Hamburger ihre Segel so locker eingestellt, dass ein kaum sichtbarer Bauch entstand. In ihm verfängt sich auch die letzte Brise, sodass die Optis selbst bei Flaute wie von Zauberhand bewegt über die Ostsee glitten.


Bei Stärke vier muss das Tuch dagegen straff gespannt sein. Andernfalls wird es für Opti-Fahrer schwierig, dem ständigen Druck des Windes standzuhalten. Als Alleinsegler bleibt ihnen nämlich nur eine Hand, um das Segel zu kontrollieren. Mit der anderen halten sie das Ruder.


Aufgeben gilt nicht, auch nicht, wenn das Boot »kieloben« liegt. Wie dieser Junge zeigt, lassen sich die leichten Optis blitzschnell wieder aufrichten (Foto von: Klaus Andrews)
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Aufgeben gilt nicht, auch nicht, wenn das Boot »kieloben« liegt. Wie dieser Junge zeigt, lassen sich die leichten Optis blitzschnell wieder aufrichten

260 Optimisten am Start

Svenja kontrolliert noch einmal den Stand des Mastes und alle Schnüre, die das Segel halten. Nichts darf sich während des Rennens lösen. Als Schutz gegen die Kälte hat sich die 14-Jährige in einen wasserdichten Overall gezwängt. An den Füßen trägt sie Surfschuhe. Ihre Fingerspitzen lugen aus Handschuhen. Die Schwimmweste drüber, Baseballmütze und Sonnenbrille aufsetzen - ablegen!


Als sich die Flotte aus 260 Optimisten am Startschiff versammelt, schiebt sich ein dunkles Wolkenband vor die Sonne. Der Wind frischt plötzlich auf und türmt das Wasser so hoch, dass Svenja bei jeder Welle, die gegen die Bordwand ihres Optis klatscht, zwei bis drei Liter Ostsee in das Boot schwappen. Schöpfen heißt es jetzt - und auf das Startsignal achten! Wer schlecht startet, hat kaum eine Chance, die verlorene Zeit wieder aufzuholen.



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