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Pocahontas - Die Abenteuer einer ungewöhnlichen Prinzessin
Kaum eine Indianerin ist bekannter oder beliebter als die Häuptlingstochter Pocahontas. Seit 400 Jahren ranken sich viele Legenden um sie. Das ist ihre Geschichte
London, im Sommer 1616. In der englischen Hauptstadt gibt es nur ein Thema: Habt ihr schon die Indianer-Prinzessin aus Amerika gesehen? Sogar König James will sie bald empfangen! Sie ist schön: Ihre dunklen Augen stehen leicht schräg, ihr langes Haar glänzt wie Rabengefieder, ihre Haut ist kupferfarben. Sie spricht sogar ganz passabel Englisch, schließlich hat sie ja auch einen Engländer zum Mann, den Tabakpflanzer John Rolfe. Er hat sie auf Wunsch des Königs nach London gebracht, um allen zu zeigen, dass es sich lohnt, im fernen Amerika sein Glück zu versuchen. Seht her, scheint Rolfe zu sagen, die "Wilden" dort sind gar nicht so schlimm! Meine Frau, die Tochter eines mächtigen Häuptlings, ist der Beweis! Die Londoner Adligen sind beeindruckt. Die sanfte Indianerin hat sogar einen christlichen Namen angenommen: Rebecca. Ihren indianischen Namen kennt in London kaum jemand: Pocahontas - "die Aufmüpfige". Und niemand weiß, wie ihr Leben aussah, bevor sie nach London kam, um wie ein exotisches Tier herumgezeigt zu werden.
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Pocahontas' Welt
Gut zehn Jahre zuvor hat Pocahontas noch nie etwas von London, König James oder John Rolfe gehört. Sie ist elf Jahre alt, ein kleines Mädchen, das neugierig seine Umgebung erkundet. Pocahontas’ Heimatdorf Werowocomoco liegt an der Ostküste Nordamerikas. Die Indianer leben in festen Häusern mit geflochtenen Wänden und Dächern aus Baumrinde. Die Männer fischen oder jagen mit Pfeil und Bogen nach Hirschen, Hasen und Bären. Die Frauen bauen Mais an, Bohnen, Kürbisse, Sonnenblumen. Sie sammeln Beeren und Nüsse, flechten Matten und Körbe. Pocahontas' Leute sind sesshafte Menschen in einem schönen Land mit milden Wintern. Häuptling Powhatan ist der mächtigste Mann weit und breit. Der weise, grauhaarige Mann herrscht über 31 Indianerstämme mit rund 13 000 Menschen. Powhatan hat Dutzende Frauen und unzählige Kinder. Pocahontas, die kleine Aufmüpfige, ist seine Lieblingstochter.
Die Ankunft der Fremden
Im April 1607 machen Powhatans Späher eine beunruhigende Entdeckung: In einer nahen Bucht haben drei Schiffe angelegt, mit über 100 Männern an Bord. Die bleichen Gestalten mit den Feuer spuckenden Speeren sind Engländer. Sie bauen Hütten und einen Holzzaun drum herum. Zu Ehren ihres Königs James nennen sie das Örtchen "Jamestown". Schnell wird klar, dass die weißen Männer nicht als Besucher gekommen sind. Sie wollen bleiben, das Land in Besitz nehmen, ein "neues England" aufbauen, Gold suchen. Und die Indianer? Pah, mit den paar Wilden wird man doch wohl leicht fertig! Powhatan könnte die Fremden leicht vernichten. Doch die Engländer besitzen Dinge, auf die der Häuptling ganz versessen ist: Äxte und Kessel aus Metall etwa. Und vor allem - Donnerrohre! Mehr als alles wünscht sich Powhatan Kanonen und Gewehre, um seine Nachbarstämme zu unterwerfen. Powhatan bietet den Weißen einen Tauschhandel an: Mais und Fleisch gegen Donner! Doch die Engländer geben ihm nur Plunder wie Spiegel oder Glasperlen. Und fühlen sich unheimlich überlegen.
Pocahontas und John Smith
Dabei geht in Jamestown schon bald der Hunger um. Einige Siedler segeln nach England zurück, um mit neuen Vorräten zurückzukommen. Im Fort hat derweil der 27-jährige John Smith das Sagen, ein kleiner Mann mit starkem Willen. Reißt euch zusammen, ihr faules Pack, schreit er seine Landsleute an, die nur maulen und sich vor der Arbeit drücken. Am Ende des Sommers sind fast 50 Männer verhungert oder an Krankheiten gestorben. Schließlich zieht Smith los, um bei den Indianern Mais zu rauben. Doch bei einem Beutezug wird er von 200 Kriegern umzingelt. Sie zerren ihn vor Häuptling Powhatan. Der lässt ein Feuer anzünden. Medizinmänner singen. John muss seinen Kopf auf einen großen Stein legen. Männer mit Knüppeln erscheinen - nur ein Schlag, und Johns Schädel wäre zerschmettert! Da wirft sich plötzlich ein Mädchen über ihn und fleht: Lasst ihn gehen! Pocahontas rettet John Smith das Leben. So erzählt es der Engländer später selbst, auch wenn daran wohl nicht alles stimmt. Jedenfalls kehrt John heil nach Jamestown zurück. Und Pocahontas kommt oft in das Fort, um ihn zu besuchen und seine Sprache zu lernen. Ein Liebespaar, wie später oft behauptet wird, sind die beiden aber sicher nicht. Das Verhältnis zwischen Powhatans Männern und den Weißen wird von Tag zu Tag schlechter. Man nimmt gegenseitig Geiseln, beklaut und tötet einander. Powhatan verbietet seiner Tochter, John zu besuchen. Und der hat vom Leben in Jamestown bald die Nase voll: drinnen die unfähigen Siedler, draußen die schießwütigen Indianer. Als er sich bei einer Schießpulverexplosion schwer verletzt, reicht es ihm: Smith segelt Ende 1609 nach England zurück. Kein Wort des Abschieds zu Pocahontas. John Smith ist tot, sagt man ihr später. Tot und begraben.
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