Wetter Wetterfrösche mit viel Humor

Das Wetter ist immer und überall ein Thema, doch in den Schweizer Alpen ganz besonders. Dort werden zweimal pro Jahr die Wetterpropheten ernannt. Für ihre Prognosen verwenden sie keine moderne Technik, sondern deuten die Zeichen der Natur
Wetterfrösche mit viel Humor

Alois Holdener aus dem Schweizer Kanton Schwyz hält nicht viel von Wettervorhersagen aus Fernsehen oder Radio. "Die gehen nach Daten und Satellitenbildern, aber Recht haben sie auch nicht immer. Dort sitzen die Meteorologen in einem Zimmer und rechnen das Wetter für gerade mal fünf Tage aus. Für mehr haben sie dann meist keine Daten.", meint der Forstwirt. "Ich kann längere Voraussagen machen, denn ich lebe mit der Natur und beobachte sie rund um die Uhr."

Ameisenbeine und Mäusekinder

Mit seinen 55 Jahren ist Holdener eines der jüngsten Mitglieder der Innerschwyzer Meteorologen, einem Verein, der sich seit über 60 Jahren mit der Wetterbeobachtung beschäftigt. Messgeräte, Modelle und Zahlen spielen dort keine Rolle. Die Mitglieder des Vereins, meist alt eingesessene Schweizer, beobachten die Zeichen der Natur um das Wetter vorauszusagen - jeder mit seiner eigener Methode. Der eine beobachtet das Wachstum von Bergpflanzen, ein anderer untersucht die Beinform von Ameisen. Haben die krumme Beine, steht ein schöner Sommer bevor. Ein harter Winter kündigt sich hingegen an, wenn die Feldmäuse viele Nachkommen zur Welt bringen, denn nicht alle Mäusekinder überstehen eine solche Kälte. So lauten die eher unwissenschaftlichen Theorien.

Viele der Erklärungen klingen ganz schön schräg - und sind trotzdem nicht ganz abwegig. „Ein Baum oder ein Tier will sich fortpflanzen, damit der Fortbestand gesichert ist. Deswegen reagieren sie schon vorab auf das Wetter, um sich zu schützen“, erklärt Alois Holdener. Er trägt den Spitznamen „Tannenzapfen“, da er sich bei seinen Voraussagen an der Entwicklung des Waldes orientiert. „Ich schaue darauf, wie der Wald wächst, wann sich die Blätter bilden und wann sie herunterfallen. Wenn das Laub früh zu Boden fällt, heißt das zum Beispiel, dass es früh und reichlich Schnee geben wird.“ Die Begründung gibt er gleich mit: „Denn trägt ein Baum noch Blätter, wenn es schneit, drückt der Schnee die Äste zu Boden. Diese Last hat er nicht, wenn nur die kahlen Äste beschneit werden.“

Wetterfrösche mit viel Humor

Die Wetterbeobachtungen der Innerschwyzer Meteorologen haben eine lange Tradition. Bereits seit dem 18. Jahrhundert wird im Muotathal in den Schweizer Alpen das Wetter vorausgesagt. Zu dieser Zeit, als es noch keinen Wetterdienst gab, waren die dort lebenden Bauern darauf angewiesen, die Zeichen der Natur zu lesen, um ihre Ernten im richtigen Moment nach Hause zu bringen. Dieses Wissen wurde bis heute überliefert, auch wenn die Prophezeiungen der Innerschwyzer inzwischen häufig mit einem schmunzelnden Auge vorgetragen werden. Die Wetterfrösche nehmen dabei die Wissenschaftler und Meteorologen auf die Schippe, von denen sie oft nicht ernst genommen werden. Trotzdem klingelt bei den Naturburschen immer häufiger das Telefon und ein Radiosender bittet um eine Prognose für den nächsten Tag. Denn immerhin stimmen die Vorhersagen im Durchschnitt zu achtzig Prozent mit dem tatsächlichen Wetter überein. Das schafft der nationale Wetterdienst nur selten.

Wetterprophet auf Zeit

Zweimal im Jahr geben die Mitglieder des Vereins ihre Einschätzungen für die nächsten sechs Monate ab. In ihren Vorhersagen muss jeder der folgenden sechs Monate einzeln vorausgesagt werden, pro Monat kann man drei Punkte erreichen. Ein halbes Jahr später werden dann die Prognosen mit dem tatsächlichen Wetter verglichen. Die sechs Mitglieder, die die meisten Punkte erzielen, sind die neuen Wetterpropheten. „Wätterschmöcker“ werden sie von den Schweizern genannt. Das heißt übersetzt „Die, die das Wetter riechen können“.

Hört man den Wetterpropheten zu, weiß man als Deutscher oft nicht, welche Formulierungen dem Schweizer Dialekt entspringen und welche dem Humor, der im Verein zur Tagesordnung gehört. So lautet die Zusammenfassung der Prognose für den Winter des amtierenden Wetterpropheten Alois Holdener: „Der Vorwinter wird nicht große Schneehaufen bringen, aber viel Nebel. Der Frühling zögert sich hinaus, weil der März spinnt.“

Die Vorhersagen gelten zuallererst für die Region Innerschwyz. „Grob kann man sie aber für die ganze Schweiz nehmen“, meint Alois Holdener. Wer Skifahren möchte, sollte deshalb in diesem Jahr besser nicht in die Schweizer Alpen reisen, denn fast alle Propheten sehen für den Winter nur wenig Schnee für ihre Region voraus.

Mal sehen, was der Wetterbericht im Fernsehen in den kommenden Monaten voraussagt.

Wetterfrösche mit viel Humor

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In der Schweiz ist in diesem Jahr sogar ein Film über die Wetterpropheten erschienen. Wenn ihr mehr über die Meteorologen aus dem Muotathal erfahren wollt, klickt euch auf die Homepage des Films über die Wätterschmöcker.

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