Geschichte Henry Hudson

Vor mehr als 400 Jahren will der englische Seefahrer Henry Hudson unbedingt eine Nordpassage nach Asien finden. Lest von seinen abenteuerlichen Entdeckungsreisen - und ihrem tragischen Ende
Henry Hudson

Wir haben ein für allemal genug!“ Henry Hudson schwant Böses, als er am Morgen des 22. Juni 1611 in die zornigen Gesichter der Seeleute schaut, die ihm an Deck der „Dis- covery“ den Weg versperren. Einen Moment lang steht der Kapitän seiner Crew gegenüber, dann überwältigen ihn die Männer und zwingen ihn sowie acht weitere, meist kranke Besatzungsmitglieder in ein winziges Beiboot. Die Aufrührer geben den Ausgesetzten ein Gewehr und einen Kessel Getreide, dann segeln sie davon. Hilflos beobachtet Henry Hudson, wie sein Schiff hinter dem Horizont verschwindet.

Henry Hudsons Suche nach der Asien-Route

Rückblick: Zu Henry Hudsons Zeit beanspruchen Spanien und Portugal den Seeweg von Europa vorbei an der Südspitze Afrikas bis nach Indien und China für sich. Länder wie Frankreich, England und die Niederlande wollen deshalb eine nördliche Passage finden, um ihren Handel mit Gewürzen und anderen Kostbarkeiten aus Asien zu sichern.

Dem Entdecker dieser Route winken Ruhm und Reichtümer. Auch der um das Jahr 1565 in England geborene Henry Hudson ist besessen davon, eine Nordpassage aufzuspüren. Zweimal startet er Ex- peditionen, in den Jahren 1607 und 1608. Beide scheitern, weil Eismassen den Weg versperren. Doch dann, am 6. April 1609, sticht Hudson im Auftrag der Niederländer ein weiteres Mal in See. Mit seinem Schiff, der „Halve Maen“, erreicht er auf dem Weg gen Nordosten nach einem Monat das Nordkap. Dort wird das Eis erneut so dick, dass an eine Weiterfahrt nicht zu denken ist.

Statt wie abgemacht nach Amsterdam zurückzukehren, entscheidet Hudson im Alleingang, mit der 16-köpfigen Mannschaft in Richtung Westen über den Atlantik zu segeln (schaut euch dazu die Karte auf Seite 49 an). An der Ostküste Nordamerikas angekommen, entdeckt er nach wochen- langer Suche eine breite Flussmündung nahe der Insel Manahatta (heute befindet sich auf ihr der New Yorker Stadtteil Manhattan). Ist das die erhoffte Route Richtung Asien?

Hudson segelt den Fluss hoch. Zunächst läuft es gut. „Es ist ein so angenehmes Land, wie man nur auf eines den Fuß setzen kann“, notiert ein Maat im Logbuch. Die Männer angeln köstliche Fische und handeln mit Einheimischen – bis das Schiff nach mehr als 200 Kilometer Flussfahrt auf Grund läuft. Der später nach Henry Hudson benannte „Hudson River“ ist zu flach. Zerknirscht kehrt der Kapitän um.

Henry Hudsons Fahrten

Im Jahr 1609 segelt Hudson zunächst gen Nordosten. Als am Nordkap Eismassen den Weg versperren, lenkt er das Schiff Richtung Westen vor die Küste Nordamerikas. Ein Jahr später schafft es Hudson bis in eine Bucht im Nordatlantik, in die heute nach ihm benannte Hudson Bay. Dort setzen ihn Teile der Crew 14 Monate nach Beginn der Reise aus und kehren ohne Kapitän nach London zurück

Gefangen im Eis

Doch Hudson lässt sich nicht entmutigen und unternimmt einen vierten Anlauf. Zusammen mit 23 Männern verlässt er am 17. April 1610 auf der „Discovery“ den Hafen von London. Diesmal nimmt er Kurs auf eine Meerenge nördlich von Labrador im heutigen Kanada. Am Ende dieser Straße liegt ein scheinbar unendlich großes Meer vor dem 55 Tonnen schweren Schiff. Tatsächlich ist es eine riesige Bucht, mehr als dreimal so groß wie Deutschland und heute als "Hudson Bay" bekannt.

Hudson kann das noch nicht wissen und glaubt sich am Ziel seiner Träume: Das muss der Pazifik sein, und irgendwo hinterm Horizont liegt China! Monatelang erforscht er Küste und Inseln – und unterschätzt dabei den bevorstehenden Winter. Immer frostiger wird der Wind, immer stärker das Treibeis. Irgendwann ist kein Durchkommen mehr. Hudson bleibt nur ein Ausweg: Er muss die „Discovery“ nahe dem Ufer auf Grund setzen und den nächsten Sommer abwarten.

An Bord des Schiffes beginnen schreckliche Monate. Die Männer frieren und hungern bitterlich. Anfangs erlegen sie Schneehühner, doch nachdem die Zugvögel die Region verlassen haben, essen sie kaum mehr als das Moos, das sie an Land finden. Viele der Seeleute sind wütend auf ihren Kapitän, der sie in die vermaledeite Lage manövriert hat. Manchen gilt Hudson außerdem als ungerecht, seit er den Mantel eines Erfrorenen nicht wie üblich versteigert, sondern einem seiner Günstlinge zugesprochen hat.

Das Ende der Expedition

Anfang Juni 1611 ist das Eis endlich so weit getaut, dass Hudson die Anker lichten lässt. Seine ausgemergelten Männer wollen schnellstens nach Hause, aber Hudson befiehlt, eine Indianersiedlung in der Nähe zu suchen – und lenkt die „Discovery“ erneut ins Eis. Am 22. Juni 1611 hat die Mannschaft endgültig genug: Die Männer begehren auf.

Nachdem Hudson ausgesetzt wurde, steuert der erste Offizier das Schiff zurück nach London. Einige der auf der "Discovery" verbliebenen Männer sterben unterwegs bei Kämpfen mit Eingeborenen, andere verhungern. Nur sechs Seeleute überleben die Reise. Sie werden in England wegen Meuterei vor Gericht gestellt, aber freigesprochen. Die Suche nach der sagenumwobenen Passage aber geht weiter – noch für Jahrhunderte. Erst 1850 entdeckt der Brite Robert McClure tatsächlich eine Durchfahrt in den Pazifik. Henry Hudson jedoch bleibt bis heute verschollen.

Geschichte
Wissen
Geschichte
Lest spannende Artikel über berühmte Entdecker und wichtige Zeitalter oder testet euer Wissen in Geschichts-Quizzen!
GEOlino-Newsletter
nach oben