GEOlino extra Nr. 20/09 - Pferde Seite 1 von 1


Flüstern mit Pferden: Interview mit Pferdewirtin Jutta Bohnenstengel

Pferdewirtin Jutta Bohnenstengel hat bei berühmten "Pferdeflüsterern" gelernt, bildet Tiere und Reiter aus und leitet eine Reitanlage auf der indonesischen Insel Bali. Was sie so erlebt hat, berichtet sie euch hier


Jutta Bohnenstengel auf Bali (Foto von: Thorsten Milse)
© Thorsten Milse
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Jutta Bohnenstengel auf Bali

GEOlino extra: Warum musste es für Sie ein Job mit Pferd sein?
Jutta Bohnenstengel: Schon als ich zehn Jahre alt war, habe ich mir gewünscht, später mit Pferden zu arbeiten. Eine Reiteranlage zu leiten, ist sehr vielseitig - nicht zuletzt wegen der Tiere selbst: Genau wie wir Menschen haben auch Pferde ihre Launen.

GEOlino extra: Welche kleinen Tricks helfen Ihnen beim Umgang mit den Tieren?
Jutta Bohnenstengel: Zu allererst muss ich eine gute Beziehung zu dem Pferd aufbauen. Das heißt, mit dem Tier vertraut werden, sodass ich mich in seinen Kopf versetzen kann - ich muss dem Pferd gedanklich immer einen voraus sein. Wie das Tier reagiert, erkenne ich an seiner Mimik, Gestik und der Muskulatur. Ich selbst lenke das Tier durch meine Körpersprache, also wie ich es anschaue, wie ich gehe. Beim Reiten setze ich außerdem Reiterhilfen wie den Schenkeldruck ein.

GEOlino extra: Was kann ein Reitanfänger falsch machen, wenn er das erste Mal auf ein Pferd trifft?
Jutta Bohnenstengel: Reitanfänger meinen es gut: Sie gehen auf das Pferd zu und tätscheln es am Kopf. Pferde aber mögen das meist gar nicht. Hat der Reiter Angst, wird das Tier ebenfalls ängstlich, manchmal sogar hysterisch, und im schlimmsten Fall lässt ein eigentlich braves Pferd den Reiter nicht aufsteigen.


GEOlino extra: Sie geben auch Reitstunden für Kinder mit Behinderungen. Können Pferde diesen Jungen und Mädchen helfen?
Jutta Bohnenstengel: Die Tiere spüren, dass sie behinderte Kinder auf dem Rücken tragen. Sie bewegen sich vorsichtiger, sanftmütiger, und wenn sie eine große Unsicherheit verspüren, halten sie sogar an. Kinder mit dauerhaften Muskelverkrampfungen entspannen sich durch die Bewegungen des Tieres. Ihre Muskulatur lockert sich. In sich gekehrte Menschen dagegen werden durch den Umgang mit Pferden zugänglicher, weil sie fühlen, wie positiv das Pferd auf sie reagiert. Menschen, die reiten, vergessen für diese Zeit ihren Alltag und die damit verbundenen Sorgen und Probleme. Sie konzentrieren sich allein auf das Tier.

GEOlino extra: Wie wird man Pferdewirt?
Jutta Bohnenstengel: Die Ausbildung als Pferdewirt beginnt in einem Ausbildungsstall und dauert drei Jahre. Man muss sich dabei für einen der Schwerpunkte "Zucht und Haltung" oder "Reiten" entscheiden und am Ende der Ausbildung eine Abschlussprüfung ablegen.






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