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Text von Ina Rometsch

Die Weltreligionen, Teil 3: Das Judentum

Von ihrem Gott haben sie unzählige Vorschriften bekommen, von Menschen wurden sie verjagt und vernichtet: Juden haben eine brutalere Geschichte hinter sich als Anhänger anderer Religionen


Mit 13 Jahren werden Jungen vollwertige Gemeindemitglieder

Jetzt ist David dran. Gerade hat der Rabbiner, der jüdische Geistliche, den Namen des Jungen aufgerufen. David geht mit weichen Knien zu dem bärtigen Mann nach vorn. Dort liegt eine riesige Schriftrolle auf dem Lesepult: die Thora, das heilige Buch der Juden. Der Rabbiner deutet mit seinem silbernen Zeigestab auf eine Stelle im Text – und David holt tief Luft.


Um ein "Bar Mizwa" zu werden muss man aus der Thora vorlesen (Foto von: Robert Mulder/Godong/Corbis)
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Um ein "Bar Mizwa" zu werden muss man aus der Thora vorlesen

Heute ist sein großer Tag: Er darf zum ersten Mal in der Synagoge, dem Gottes- und Versammlungshaus der Juden, aus der Thora vorlesen. Das ist gar nicht so leicht! Denn sie ist in hebräischer Schrift geschrieben. Und David darf nicht einfach lesen, als würde er einen Einkaufszettel vortragen – er singt die Verse in einer genau vorgeschriebenen Melodie. Ganz schön kompliziert! Aber der Junge schafft es ohne Stocken. Er hat ja auch seit acht Monaten jeden Tag geübt! David ist jetzt „Bar Mizwa“; das ist Hebräisch und heißt „Sohn der Pflicht“. Von nun an ist er ein vollwertiges Mitglied der jüdischen Gemeinde. Jungen sind das von ihrem 13. Geburtstag an. Mädchen werden sogar schon mit zwölf „Bat Mizwa“, Töchter der Pflicht.


Das Judentum gehört zu den ältesten Religionen der Welt

Die Thora ist ein uralter Bericht. Sie erzählt aus der Vergangenheit der Juden: zum Beispiel, wie sie vor 3200 Jahren aus Ägypten zurück in ihre alte Heimat Kanaan wanderten. Ein Schafhirte namens Moses lotste sie damals durch die Wüste.

Nur: Der Text ist nicht so zuverlässig wie ein Geschichtsbuch. Denn in ihm vermischen sich Legenden und Tatsachen. Wer genau also die jüdische Religion begründet hat und wann genau das passiert ist, kann niemand mit Sicherheit sagen. Fest steht aber, dass das Judentum zu den ältesten Religionen der Welt gehört.

Die Juden glauben, dass es nur einen einzigen Gott gibt und der ihnen eines Tages einen Messias schicken wird, einen Erlöser, um auf der Erde ein friedliches Gottesreich zu errichten. In der Thora stehen auch 613 Gebote und Verbote, nach denen die Juden leben sollen. Zum Beispiel gibt es strenge Speisegesetze: So ist es nicht erlaubt, Milch und Fleisch zu mischen. Gläubige Juden achten deshalb genau darauf, dass ihr Teller für „Milchiges“ niemals mit „Fleischigem“ in Berührung kommt, und markieren ihr Geschirr, damit es nicht durcheinander gerät.



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