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Rentiere als Weihnachtshelfer „Wir sind wie gemacht für diesen Job“

Ein Rentier mit einer roten, unechten Nase läuft in einer schneebedeckten Landschaft
© Shutterstock
Sie ziehen den Schlitten des Weihnachtsmannes und bringen Geschenke zuverlässiger als jeder Paketdienst – heißt es zumindest in vielen Geschichten über Rentiere. Wir haben eines von ihnen getroffen und gefragt, was es zum perfekten Helfer macht.

(Rudolph steht im Schnee, summt leise „Jingle Bells“ vor sich hin und wippt mit der Schnauze im Takt dazu.)

GEOlino Extra: Hallo Rudolph! Du bist ja schon so richtig in Weihnachtsstimmung.

Rudolph: Na klar! Ich mache das immer so: singe Lieder, dekoriere den Schlitten, lege mein Geschirr an. Und wenn es losgeht, bin ich so richtig gut drauf. Soll ich dir mal ein Gedicht aufsagen?

Ich weiß nicht, eigentlich wollte ich dich fragen …

(Rudolph streckt den Rücken durch, richtet den Kopf auf und räuspert sich.)

„Es hatte geschneit,
und der Mondschein lag
so silbern auf allem,
als sei’s heller Tag.
Acht winzige Renntierchen
kamen gerannt,
vor einen ganz, ganz
kleinen Schlitten gespannt!
Auf dem Bock saß ein Kutscher,
so alt und so klein,
dass ich wusste, das kann
nur der Nikolaus sein!
Die Renntiere kamen
daher wie der Wind,
und der Alte, der pfiff,
und er rief laut: …“
He, hörst du überhaupt noch zu??

(zuckt zusammen) Äh, ja, natürlich! Mir ist schon ganz festlich zumute.

Das ist übrigens nicht irgendein Gedicht. Ihm haben wir Rentiere unseren Ruf als Weihnachtsmannhelfer zu verdanken. Geschrieben hat es vermutlich der US-amerikanische Poet Clement C. Moore im Jahr 1823. Er erwähnt darin acht Rentiere, die vor Santas Schlitten gespannt werden. Inzwischen sind wir sogar oft zu neunt, vielleicht, weil das mit den Geschenken überhandgenommen hat … Unsere Namen kennt in den USA jedes Kind: Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupit, Donner und Blitzen. Ach so, und natürlich Rudolph.

Und warum ausgerechnet ihr Rentiere und nicht Pferde? Die ackern schließlich auch sonst immer für uns.

Pferde? Das ist ja wohl zum Wiehern! Die lassen sich im Winter Decken über den Rücken werfen, damit sie nicht frieren! Für die ist der Job absolut nichts!

Für euch Rentiere aber schon?

Klar! Wir sind wie gemacht dafür: Die Haare unseres Fells sind innen hohl und mit Luft gefüllt. Das wärmt wie eine Winterjacke, sogar bei minus 35 Grad Celsius! So kalt kann es in unserer arktischen Heimat schon mal werden. Außerdem können wir unsere großen Hufe so weit spreizen, dass wir nicht im Schnee versinken.
Ein Weihnachtsmann mit seinem Schlitten, der von einer Gruppe Rentieren gezogen wird
Gutes Gespann: Je nach Erzählung ziehen acht oder neun Rentiere den Schlitten des Weihnachtsmannes – angeführt von Rudolph
© Shutterstock

Wie findet ihr Futter, wenn alles eingeschneit ist? Dieses Schlittengeziehe macht doch sicher hungrig …

Dank meines guten Riechers erschnuppern wir leckere Flechten selbst unter der dicksten Schneedecke. Mit den Hufen scharren wir das Grünzeug grob frei (kratzt mit dem linken Vorderhuf am Boden) und wühlen dann mit der Schnauze darin herum. Also so … (macht auch das Wühlen vor und blickt mampfend wieder auf)

Ich wusste es doch!

Was denn? Hab ich was im Gesicht?

Eben nicht mehr! Du hast gerade deine Nase verloren.

Na ja, dass wir leuchtend rote Nasen haben, glaubt ja wohl niemand ernsthaft. Die hat mir der Illustrator Robert May 1939 in einem Kindermalbuch angezeichnet. Sie soll mir dabei helfen, auch im Schneegestöber den Weg zu finden. Zehn Jahre später erdachte der Komponist Johnny Marks schließlich das Lied „Rudolph, the Red-Nosed Reindeer“. Das brachte uns Rentieren endgültig den Durchbruch! (fängt wieder an zu summen)

In unserem aktuellen GEOlino Extra Magazin „Weihnachten“ gibt's noch mehr spannende Geschichten rund ums Weihnachtsfest:

Dafür, dass du grade beim Lügen ertappt worden bist, hast du erstaunlich gute Laune …

Also eine Lüge würde ich das jetzt nicht nennen, vielleicht ist es etwas übertrieben …

Übertrieben? Deine Nase ist rabenschwarz und glänzt höchstens ein bisschen feucht!

Wenn du sie mit bloßem Auge betrachtest. Forschende aus den Niederlanden haben vor zehn Jahren mal eine Wärmebildkamera draufgehalten – und was soll ich sagen? Auf den Aufnahmen leuchtete die Nase tatsächlich rot! Das liegt daran, dass sie so gut durchblutet ist. Das warme Blut heizt die kalte Luft, die wir einatmen, auf. So bleibt unser Hirn immer auf Betriebstemperatur.

Okay, ihr habt also ein super Fell, Hufe wie Schneeschuhe und einen heißen Riecher. Qualifiziert euch sonst noch etwas für den Job als Weihnachtshelfer?

Oh ja! Seit Jahrtausenden ziehen wir für nordische Völker wie die Samen Schlitten. Wir sind einfach begnadete Läufer, manche von uns legen fast 5000 Kilometer im Jahr zurück. Im Winter wandern wir Richtung Süden, im Sommer zurück in den Norden. So geht es hin und her und hin und her … (schwenkt wild den Kopf von einer Seite zur anderen)

Achtung, der Ast! Passt auf, dass du nicht mit deinem Geweih …

(Schon baumelt der Kopfschmuck in den Zweigen, Rudolph steht oben ohne da.) Ups!

Nicht mal das ist echt?!

Doch, schon. Nur, äh … wie soll ich sagen … nicht um diese Jahreszeit! Wir Männchen werfen unser Geweih schon vor Weihnachten ab, nur die Weibchen tragen ihres den Winter über. In der Zeit sind sie nämlich trächtig und brauchen besonders viel zu fressen. Mit dem Geweih verteidigen sie die besten Futterplätze.

Das heißt, die Rentiere des Weihnachtsmannes tragen alle einen Fake-Fummel auf dem Kopf?

Nicht alle! Die Hälfte davon sind Weibchen, seitdem die Frauenquote eingeführt wurde.

Rentier ohne Geweih umgeben von Schnee
Nur die Weibchen tragen im Winter ein Geweih – hättet ihr das gewusst?
© Shutterstock

Ihr lasst also Schwangere einen voll bepackten Schlitten ziehen?

Hörst du das Glöckchen klingeln? Das ist mein Chef … (dreht sich zum Gehen um)

Ich habe nichts gehört! Vermutlich, weil das wieder so ein fauler Trick von dir ist.

Oder weil du einfach nicht so ein gutes Gehört hast wie ich. Da! Es bimmelt schon wieder! (klaubt sein Geweih aus dem Busch und setzt sich die rote Nase wieder auf)

Aber wir sind doch noch nicht fertig! He, Rudolph!

(dreht sich um und trabt summend durch den Winterwald davon)

Das ist ja eine schöne Bescherung.

Steckbrief zum Rentier

Allgemein: Bei Rentieren, wissenschaftlich Rangifer tarandus, unterscheiden Expertinnen und Experten bis zu 14 Unterarten. Sie leben alle in den arktischen Regionen rund um den Nordpol.

Größe und Gewicht: Ein Rentier kann bis zu 2,20 Meter lang und 1,40 Meter hoch (Schulterhöhe) werden. Die Weibchen sind kleiner als ihre männlichen Artgenossen, tragen aber ebenfalls ein Geweih.

Nahrung: Gräser, Blätter, Blumen, Flechten, Moose, Pilze - eigentlich alles an Grünzeug.

Nachwuchs: Fast jeden Frühling gebären die Hirschkühe je ein Junges. Die Kälber wiegen rund sieben Kilogramm und lernen in wenigen Stunden zu laufen.

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