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Kulturgeschichte Warum sich Menschen tätowieren lassen

Hände einer Frau mit Henna Tattoos
Die Geschichte der Tätowierung geht bis in die Steinzeit zurück
© Greg Blomberg / Colourbox
Schon seit Jahrtausenden verzieren Menschen ihre Körper mit Mustern und Bildern. Eine Geschichte über die Wandlungen dieses Brauchs

Tattoos gibt es seit der Steinzeit

Die Kunst des Tätowierens war schon den Menschen der Steinzeit bekannt. Ägyptische Priesterinnen schmückten sich damit, die Römer markierten auf diese Weise Sklaven und Verbrecher. Archäologen fanden in Südamerika Indianermumien, deren Haut kunstvolle Muster aufwies.

Bei den Dayak auf der Insel Borneo wurde jedem Krieger die Hand tätowiert, wenn er einen Feind getötet hatte - eine Art Orden auf der Haut. Frauen trugen besondere Zeichen, wenn sie etwa Stoffe weben konnten. Das verbesserte ihre Heiratschancen.

Tätowierter Maori
Darstellung eines Maori
© Patrimonio Designs Limited / Colourbox

Den Ureinwohnern Neuseelands sind ihre "Moko", wie die Maori ihre kunstvollen Schnörkel nennen, heilig. Jede Familie hat ihre eigenen Muster und Figuren. Die erzählen die Geschichte der Ahnen, erklären Stammeszugehörigkeit und Ansehen des einzelnen Moko-Trägers.

Eine Tätowierung ist für manche Maori fast so etwas wie Personalausweis, Geburtsurkunde und Familienalbum zusammen.

Auch bei vielen Völkern Europas waren früher Tätowierungen verbreitet, bis Papst Hadrian I. sie im Mittelalter verbot und diese Art des Körperschmucks vielerorts in Vergessenheit geriet.

"Kunstvoll gehämmert"

1000 Jahre später machten europäische Seefahrer daher große Augen, als sie in der Südsee auf bemalte Menschen stießen. Der Engländer James Cook brachte 1774 nicht nur einen dieser seltsam gemusterten Männer mit nach Hause.

Cook hatte auf der Insel Tahiti auch gelernt, wie diese Kunst dort hieß: "tatau" - woraus im Englischen "tattoo" und auf Deutsch "Tätowierung" geworden ist. Es bedeutet "kunstvoll hämmern".

Flink gestochen

Das passt. Denn im Gegensatz zu Lippenstift oder Lidschatten wird eine Tätowierung nicht auf, sondern in die Haut gemalt. Deshalb hält sie auch ein Leben lang. Allerdings wird in modernen Tätowierstudios nicht gehämmert, sondern gestochen.

An der Spitze eines pistolenförmigen Gerätes sitzen Nadeln, die sich rasend schnell auf und ab bewegen - wie bei einer Nähmaschine - und dabei Farbtröpfchen unter die Haut impfen. Das tut ziemlich weh und hinterlässt eine Wunde, die erst nach gut einem Monat verheilt ist.

Damit nicht genug: Manche der Farben gelten als gesundheitsschädlich, einige sollen sogar krebserregende Stoffe enthalten. Das kann auch die "abgeschwächte" Variante betreffen: Tätowierungen mit Henna, die nur aufgemalt werden und nach ein paar Wochen wieder verblichen sind.

Tätowierung mit Henna
Aufmalen eines Tattoos mit Henna
© Colourbox

Trotzdem: Tätowieren ist "in"

All das schreckt immer weniger Menschen. Musste James Cook noch in die Südsee fahren, um tätowierte Körper zu bestaunen, braucht man heute nur vor die Tür zu gehen: Rund vier Millionen Menschen haben sich in Deutschland schon tätowieren lassen. Tätowieren ist schwer in Mode!

Aber keine Mode hält ewig. Einen alten Pullover kann man irgendwann ausrangieren. Aber die Zeichen in der Haut? Mit viel Aufwand und für noch mehr Geld lässt sich die alte Farbe etwa per Laserstrahl "wegschießen". Bei etwas Glück bleibt am Ende nicht einmal eine Narbe zurück.

GEOLINO Nr. 02/04 - Chinas kleiner Kaiser

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