Ein trauriges Ende der riesigen Meeressäuger. Drei Pottwale strandeten 1998 vor St. Peter-Ording an der Nordseeküste. Wissenschaftler der Universität Göttingen beschlossen, das Skelett aus einem 40-Tonnen-Exemplar herauszulösen und es später auszustellen

Schon im Watt haben die Wächter des Nationalparks den Unterkiefer des Pottwals abgesägt. Denn die elfenbeinartigen Zähne sollten nicht von Souvenir-Jägern gestohlen werden

Der erste Schnitt: Die zentimeterdicke Schwarte schützt den lebenden

Wal vor der Kälte in den Meerestiefen

Das ist der unschöne Teil der Arbeit: Es sieht nicht nur ekelig aus, der verwesende Wal stinkt auch bestialisch. Außerdem ist es ein echtes Kunststück, einzelne Knochen in dem Fleischgebirge zu finden

Nein - das ist keine riesige Kettensäge, sondern der Unterkiefer des Pottwals. Zum Transport braucht man einen Kleinlaster

In eisiger Kälte haben die Wissenschaftler schwer am ungefähr 90 Kilogramm schweren und zwei Meter langen Penis des Jungbullen zu tragen. Das Gewebe kann wie nicht so einfach wie Knochen konserviert werden. Deshalb machen die Forscher - wie auch von den Flossen - Gipsabdrücke. Die entstandenen Hohlformen werden mit Kunstharz und Glasfasern ausgegossen. So entstehen anschauliche Modelle der Walkörperteile

Die Qual der Farb-Wahl: Welchen Farbton der mannshohe Walpenis in Natura hat, ist unbekannt. Bei der Bemalung des Kunstharz-Modells wählt der Wissenschaftler einen dunklen Ton

Ihr habt vielleicht schon einmal Abdrücke von euren Gesichtern gemacht. Da reichte eine kleine Schüssel Gips. Für die vier Meter breite Schwanzflosse des Pottwals benötigten die Wissenschaftler eine Tonne Gips

Die einzelnen Knochen müssen noch von Fleischresten und vom Fett, das sich in den Walknochen befindet, gesäubert werden. Sonst verfärben sich die Knochen nach einiger Zeit und fangen an zu stinken. Bis zu drei Kilogramm Fett enthält so ein Wirbel. Auf der 55 Grad Celsius warmen, milchigen Reinigungsbrühe aus Waschmittel und Spülkonzentrat schwimmt nach zwei bis drei Wochen eine dicke Fettschicht

Wal-Waschanlage: Nach dem intensiven Reinigungsbad erstrahlen die Wirbel und Rippen im schönsten Weiß. Die Löcher in den Wirbeln sind übrigens Abflusskanäle für die Entfettung der Knochen

Mitten im riesigen Puzzle überprüft Präparator Klaus-Dieter Bierwirth gewissenhaft,ob alle Zähne an der richtigen Stelle eingesetzt und gut befestigt sind

Klein, aber oho: Dieses winzige Gehörknöchelchen verleiht den Riesen der Meere ihren Gleichgewichtssinn. Beim Knochen-Puzzle muss der Präparator damit sehr vorsichtig umgehen

Das ist kein Schiff, sondern der Schädel des Pottwals. Um den ins Göttinger Museum zu hieven, musste eine Wand eingerissen werden. Die 1,2 Tonnen schweren Knochen ruhen seither im Ausstellungsraum auf einem Gestell - die Decke war zu schwach, um den Schädel zu tragen

Wie bei einer Perlenketten werden die einzelnen Wirbel auf ein Stahlrohr geschoben. Dazwischen liegen Kunststoffplatten als Bandscheibenersatz. Auch die menschliche Wirbelsäule hat solche Bandscheiben. Diese kleinen Polster sind wie Wasserkissen. Sie federn das Gewicht ab, verhinderm den gegenseitigen Abrieb der Wirbel und machen die Wirbelsäule erst beweglich

Feinschliff: Bei den letzten Handgriffen an der Wirbelsäule, werden die Einzelteile noch einmal zurechtgerückt. Anschließend schraubt der Präparator die Rippen an

Nachdem die Rippen "montiert" worden sind, erkennt man allmählich wieder den Körper eines Wales

Fertig! Jetzt bekommt der Ausstellungsraum noch einen meerblauen Anstrich.

Hättet ihr erkannt, dass dieses Skelett das Grundgerüst eines Wales ist? Nach drei langen Jahren schwerer Arbeit konnte die Ausstellung mit dem beeindruckenden Gerippe endlich eröffnet werden

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