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Nesthocker in luftigen Höhen

Neugeborene Turmfalken müssen schwindelfrei sein. Noch bevor sie ihr Daunenkleid ablegen, wagen sie einen Blick von den höchsten Türmen und Felsvorsprüngen


Dieser Turmfalke ist kein Nesthocker (Foto von: age fotostock / LOOK-foto)
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Dieser Turmfalke ist kein Nesthocker

Nur das Blätterrauschen des nahen Waldes unterbricht die Stille der verlassenen mittelalterlichen Burg. Schon seit Jahren hat kein Mensch diesen Ort betreten. Doch hoch oben vom Turm erklingt plötzlich ein lautes Rufen – und zeugt von Leben im alten Gemäuer. Es ist das neue Zuhause der Falkenfamilie.

So trägt der Turmfalke seinen Namen aus gutem Grund. Er geht auf die bevorzugten Brutplätze der Greifvögel zurück, die sich am liebsten im Gebirge in luftiger Höhe in Felsvorsprüngen und Gesteinshöhlen niederlassen. Doch der Turmfalke ist auch ein richtiger Stadtvogel. Das glaubt ihr nicht? Dann blickt mal nach oben! In schwindelerregender Höhe entdeckt ihr an Kirchtürmen und Masten die Brutplätze der anpassungsfähigen Greifvögel.


Lebenslange Treue

Auch auf dem Turm der mittelalterlichen Burg blicken vier winzige Turmfalken mit großen Augen hinter dem Rücken der Mutter hervor. Sie wärmt die erst vor wenigen Tagen geschlüpften Jungvögel. In ihrem weichen Daunenkleid kuscheln sie sich aneinander und warten geduldig auf die nächste Mahlzeit. Doch langsam überwiegt der Hunger und die Bettelrufe der Jungvögel, das sogenannte „Lahnen“, wird immer lauter. Dann endlich ist es soweit. Mit einem hellen Ruf kündigt sich der Falkenvater an. In seinen Krallen trägt er den ersehnte Futternachschub.

Die Falkeneltern sind eines von rund 350.000 Paaren in Europa. In Deutschland leben über 50.000 dieser eleganten Greifvögel. Im März und April findet die Balzzeit der Turmfalken statt. Dabei umwirbt das Männchen das Weibchen durch einen gekonnten Tanz in der Luft. Heftiges Flügelschlagen und aufgeregtes Rufen beeindrucken die Falkendame. Der Partner zeigt ihr daraufhin den Brutplatz, den er vorsorglich schon für die Aufzucht der Jungen ausgesucht hat. Nicht selten lockt er das Weibchen mit Futter in die Höhle.


Falkenpaare sind sich und ihrem Nest ein Leben lang treu. Denn die Greifvögel gehören zu den Standvögeln – sofern ausreichend Nahrung vorhanden ist, zieht es sie auch bei Kälteeinbruch nicht in wärmere Gefilde.

Zwischen Mitte April und Mitte Mai nimmt das Falkenweibchen dann an Gewicht zu. Liebevoll wird es von ihrem Partner während der Legeperiode gefüttert. Vier bis sechs gelbbraune gefleckte Eier erwarten die Eltern, auf denen die Mutter fast einen Monat brütet.


Turmfalken werden flügge

Vor wenigen Tagen sind auch die kleinen Turmfalken auf der Burg geschlüpft. In den ersten drei Wochen bleibt ihre Mutter bei ihnen, um sie zu wärmen und zu beschützen. In dieser Zeit geht der Falkenvater allein auf Beutejagd. Im Gleitflug geht es über Wiesen und Wälder. Mit scharfen Augen späht er nach Wühl- und Feldmäusen. Typisch für den Turmfalken ist dabei der Rüttelflug. Wie ein Kolibri bleibt er in zehn bis zwanzig Metern Höhe auf der Stelle. Fast sieht es so aus, als bleibe er in der Luft stehen. Mit gestrecktem Kopf und schnellem Flügelschlag fixiert er die Beute am Boden, um sie dann in einem blitzschnellen Sturzflug zu fangen.

Turmfalken essen am liebsten Mäuse und andere kleine Wirbeltiere. Gibt es davon nur wenig, verfolgen sie auch kleine Vögel, Heuschrecken, Käfer und weitere Insekten. Die jungen Greifvögel warten derweil mit offenem Schnabel geduldig auf das Futter.

Nach drei Wochen haben die Kleinen durch die gute Küche schon das Gewicht eines ausgewachsenen Turmfalken erreicht. Nur das wuschelige Daunenkleid, das erst nach fünf Wochen durch das Gefieder ersetzt wird, verrät ihr junges Alter. Schon versuchen die neugierigen Vögel die ersten Stehversuche – denn bald ist die Zeit gekommen, ihren Eltern aus der Bruthöhle zu folgen. Nach vier Wochen schon verlassen auch sie die einsame Burg und gleiten zum ersten Mal über die Wiesen und angrenzenden Wälder.




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