GEOlino.de - Kinotipp: Im Reich der Raubkatzen Seite 2 von 2

Alastair Fothergill und Keith Scholey haben auch "Planet Earth" zusammen produziert (Foto von: Disney Enterprises, Inc.)
© Disney Enterprises, Inc.
Alastair Fothergill und Keith Scholey haben auch "Planet Earth" zusammen produziert

Interview


Die britischen Produzenten Alastair Fothergill und Keith Scholey lebten drei Jahre in der Masai Mara in Kenia. Für Disney Nature drehten sie ihren neuen Kinofilm "Im Reich der Raubkatzen". GEOlino hatte schon vor dem Filmstart die Gelegenheit mit einem der beiden zu sprechen. Alastain Fothergill erzählt im Interview von seinem Job als Produzent der Naturdokumentation, seiner Bindung zu den Tieren und der tiefen Botschaft des neuen Films.


GEOlino: Herr, Fothergill, wie toll ist Ihr Beruf?
Alastair Fothergill: Sehr toll! Ich habe eine enorme Leidenschaft für die Natur. Schon als kleiner Junge hatte ich immer Tiere um mich herum. Mein Job als Produzent von Naturdokumentationen ist die perfekte Möglichkeit, Tieren und der Natur täglich so nah zu sein.

Für den aktuellen Film "Im Reich der Raubkatzen" haben Sie drei Jahre in der Masai Mara in Kenia gedreht. Wie bereiten Sie sich auf solche Produktionen vor?
Wir forschen viel, bevor wir in das Land gehen. So wissen wir immer ganz genau, wohin wir gehen und was uns erwartet. Wir sprechen mit ansässigen Wissenschaftlern und Experten und legen viel Wert auf die richtige Kleidung, Ausstattung und Sicherheit vor Ort. Medizin ist auch ein sehr wichtiger Punkt. Auch vor jeder einzelnen Aufnahme bedenken wir noch viele Faktoren: Wir wollen in Sicherheit bleiben und müssen dafür jeden einzelnen Schritt genau planen.


Welche Bedeutung hat Glück in der Naturdokumentation?
Glück ist sehr wichtig. Ich denke, man kann sagen, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist. Besonders wenn wir versuchen eine Geschichte zu erzählen, die wie "Im Reich der Raubkatzen" einem Handlungsstrang folgt, wird zuvor ein Drehbuch geschrieben. Die Stars unseres Films, die Tiere, können das aber nicht lesen. So können wir nur warten und auf das Beste hoffen.

Und Geduld?
Wir brauchen sehr viel Geduld. Es geht ja nicht nur darum, tolle Aufnahmen zu machen, sondern den richtigen Moment abzufangen, sodass die Handlung Sinn ergibt.

Kann man da überhaupt wagen zu schlafen? Es könnte doch etwas Spannendes passieren.
Geparden machen nicht viel in der Nacht, sie liegen nur da, sind ruhig und zurückhaltend. Löwen hingegen sind sehr aktiv. Wir haben uns aber bewusst dagegen entschieden nachts zu filmen. Dafür wären spezielle Nachtsichtkameras notwendig. Außerdem fanden wir, genug Aktivitäten am Tag festhalten zu können: Das Jagen, die Machtkämpfe.

Wie viel unbrauchbares Material entsteht da?
Puh, ich würde sagen, wir haben eine von 200 Szenen im Endeffekt für den Film nutzen können.


Löwenkinder sind süß aber auch sehr gefährlich. Unser Kinotipp zeigt das wahre Leben der Raubkatzen (Foto von: Disney Enterprises, Inc.)
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Löwenkinder sind süß aber auch sehr gefährlich. Unser Kinotipp zeigt das wahre Leben der Raubkatzen

Wieso haben Sie sich für Mara und ihr Rudel entschieden?
Zuerst haben wir uns das Löwenrudel ausgesucht. Wir kannten Fang, den Löwen, der mit seinem gebrochenen Zahn Wiedererkennungswert hatte und wussten, dass ein anderer Löwe, Kali, mit seinen Söhnen versuchen würde, sein Rudel zu übernehmen. Layla haben wir dann ausgesucht, weil sie eine offensichtliche Verletzung hatte und so leicht wiederzuerkennen war. Sahen wir eine vorbei streifende Löwenmutter mit Verletzung, die auch noch ein Kleines aufzog, wussten wir sofort, dass es Layla und Mara sind. Sita, die Gepardin haben wir ausgewählt, weil wir wussten, dass sie eine ganz wunderbare Mutter von fünf gesunden Gepardenkindern ist. Geparden sind normalerweise brutale Tiere, in unserem Disney Movie haben wir aber auf ein Happy End gezielt. Wir wollten unbedingt eine Gepardenmutter begleiten, die erfolgreich Junge durchbringt. Als wir Sita mit ihren fünf winzigen Kindern sahen, waren wir unglaublich glücklich.

Und hatten Sie während des Drehs manchmal Angst?
Nicht wirklich. Die Masai Mara ist eine Gegend, in der sehr viele Touristen vorbeischauen. Das ist gut, denn so sind die Tiere daran gewöhnt, Menschen zu sehen. Solange man dann vorsichtig handelt, kann nichts schief gehen. Man ist eigentlich in keiner großen Gefahr.


"Die Menschen sollen anhand des Films erkennen, auf was für einem wunderschönen Planeten sie leben", so Fothergill (Foto von: Disney Enterprises, Inc.)
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"Die Menschen sollen anhand des Films erkennen, auf was für einem wunderschönen Planeten sie leben", so Fothergill

Kaum vorstellbar…
(Lacht) Es ist nicht, wie man es sich vorstellt. Ich sage immer, dass die gefährlichste Situation an unserem Job die Fahrt zum Flughafen ist. Ich weiß, dass klingt bescheuert, aber so fühlen wir alle. Wir sind einfach vorbereitet und wir wissen, was uns erwartet.

Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Film?
Wir wollten wirklich gern einen Kinofilm produzieren, denn Naturdokumentation ist - in England wie auch Deutschland - immer noch viel zu wenig vertreten. Es gibt TV-Serien, aber kaum Kinofilme. Außerdem war uns sehr wichtig, dass Menschen mitfühlen und sich um Layla und Mara sowie Sita und ihre Jungen sorgen. Wir möchten einfach, dass die Menschen realisieren, auf was für einem wunderschönen Planeten sie leben. Sie sollen im Kino eine schöne Zeit erleben und mit uns auf eine kleine Reise gehen.

Das Interview führte Wiebke Plasse.



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