Tierische Helfer: Besuchskatzen

Tiere vermitteln Lebensfreude. Damit sich diese auch in deutschen Seniorenheimen verstärkt ausbreitet, kommen Hunde, Kaninchen oder auch Katzen regelmäßig zu Besuch. Eine der schnurrenden Schmusekatzen stellen wir euch vor
In diesem Artikel
Außergewöhnliche Ausbildung

Tierische Herausforderungen

Molly schaut einmal nach rechts und einmal nach links. Dann schreitet sie gemächlich durchs Zimmer. Hier und da schnüffelt sie und untersucht alles genauestens. Bei ihren Beobachtern sorgt das für einige Lacher. Dann ist Zeit für Gemütlichkeit: Eine Pflegerin legt eine Decke auf das Bett der Seniorin, die in diesem Zimmer lebt. Nun darf Molly Platz nehmen und eine ausgiebige Streicheleinheit genießen. Ab jetzt vernimmt man nur noch ein tiefes, behagliches Schnurren. - Eine angenehme Ruhe breitet sich im Raum aus.

Molly ist eine Perser-Mix-Katze, das heißt, ihre Mutter ist eine Perserkatze, ihr Vater eine "normale" Hauskatze. Sie hat wache Augen und ein rötliches Fell, das besonders lang und weich ist. Alle zwei Wochen besucht sie im Alten- und Pflegeheim St. Sebastian in Nunkirchen bei Saarbrücken alte Menschen. Wahrscheinlich passt Molly deshalb so gut hierher, weil sie mit ihren stolzen 19 Jahren selbst schon eine recht alte Dame ist. Gaby Britz leitet den Bereich "begleitender Dienst" in Nunkirchen und ist für Veranstaltungen und Aktivitäten zuständig, einschließlich des Hunde -und Katzenbesuchsdienstes. Sie erzählt, dass Molly früher einer Bewohnerin gehört habe und nun bei einer ihrer Kolleginnen lebe. "Molly kennt unser Seniorenheim sehr gut und fühlt sich hier wie zu Hause. Das ist sehr gut für die Besuche bei den Bewohnern. Denn es ist wichtig, dass sich Molly wohlfühlt, wie alle anderen Besuchstiere bei uns auch. Sonst funktioniert das nicht."

Bevor Molly als Besuchskatze im Einsatz war, gab es auch schon einen Hundebesuchsdienst, der sehr erfolgreich war und immer noch ist. Doch manche Bewohner mögen Hunde einfach nicht so gern wie Katzen - oder haben sogar Angst vor ihnen. Damit diese Menschen nicht auf den Besuch von Tieren verzichten müssen, ist nun auch die rüstige Molly im Seniorenheim unterwegs. "Katzen sind sehr gut für den Besuchsdienst geeignet, da sie recht klein, oft verschmust und vor allem älteren Menschen, die früher auf dem Dorf oder auf einem Hof lebten, bekannt sind", sagt Gaby Britz. "Einige der Bewohner hatten früher auch selbst Katzen." Natürlich freuen sich diese Bewohner am meisten über den tierischen Besuch.

"Molly weckt Erinnerungen. Das ist oft sehr emotional", berichtet Gaby Britz. "Eine Bewohnerin fing beim Anblick von Molly an zu weinen. Sie erinnerte die Seniorin an ihre eigene Katze, die sie einmal hatte." Die Lebensgeschichte der Bewohner wird bei der Auswahl für den Besuchsdienst dementsprechend auch mit berücksichtigt. Menschen, die selbst einmal Katzen als Haustiere hatten, verbinden einfach sehr viel mit den Tieren. Aber natürlich freuen sich auch andere tierliebe Bewohner über die Katzenbesuche.

Tierische Helfer: Besuchskatzen

Nich nur im Seniorenheim geht Molly gern auf Entdeckungstour

Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, was eine echte Besuchskatze so alles mitbringen muss.

Außergewöhnliche Ausbildung

Nicht alle Katzen sind für den Besuchsdienst in Seniorenheimen geeignet. "Molly ist sehr ruhig und verschmust", sagt Gaby Britz. "Das ist wichtig. Jüngere und noch sehr wilde Katzen würden zu viel Trubel und Unruhe verbreiten und die alten Menschen überfordern. Deshalb müssen wir die Katzen sehr sorgfältig auswählen." Als Haustiere sind Katzen aber schon an Menschen gewöhnt und genießen es meist, gestreichelt zu werden. Als gelassene Schmusekatzen sind sie genau richtig für den Besuch bei den alten Menschen.

Ihre eigene Persönlichkeit sollen sie dabei aber nicht verlieren. Denn nur so erkennen die Senioren in den Besuchern auf vier Pfoten auch ihre eigenen Katzen wieder, die sie früher um sich hatten. Dann wirkt Molly den Menschen gleich vertraut, schafft eine angenehme und beruhigende Atmosphäre. Außerdem schätzen die meisten Katzenliebhaber ja gerade die Eigenheit und Selbstbestimmtheit der schnurrenden Vierbeiner.

Auch die erfahrene Molly hat ihren ganz eigenen Kopf. Wenn sie irgendwann keine Lust mehr auf den Besuchsdienst hat, dann zeigt sie das einfach - ganz katzentypisch -, indem sie sich abwendet und zur Tür läuft. "Aber sie hat eine sehr hohe Hemmschwelle", berichtet Gaby Britz. Die Katze bestimmt also meist, wann ein Besuch zu Ende ist. Es gibt keine festgelegte Zeitdauer. "Wir wollen die angenehme und entspannte Atmosphäre des Besuchs nicht einfach unterbrechen", sagt Gaby Britz.

Tierische Helfer: Besuchskatzen

Wenn Molly keine Lust mehr auf den Besuchsdienst hat, dann geht's zur Abwechslung mal nach draußen

Unersetzbare Mitarbeiter

Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Tiere das Wohlbefinden und die Gesundheit von Menschen fördern können. Und da gerade alte Menschen öfter krank sind und sich nicht mehr so viel bewegen können, können sie auch ihre Familie und Freunde nicht mehr so oft sehen. Die tierischen Besuche sind für sie deshalb eine ganz besondere Wohltat. Molly und alle anderen Besuchstiere werden zu Trostspendern und vertreiben die Einsamkeit.

Darauf haben schon recht viele Seniorenheime reagiert und eigene Besuchsdienste eingeführt. Die Tiere, die mit ihren Herrchen und Frauchen zu Besuch kommen, machen kaum Mehraufwand und müssen nicht mal was kosten, wenn sich genug freiwillige Hunde- und Katzenbesitzer finden, die den alten Menschen eine Freude machen wollen.

Für heute hat Molly aber genug vom Schmusen. Sie streckt sich, steht von ihrer gemütlichen Decke auf und springt mit einem Satz vom Bett. "Tschüss Molly", sagt die alte Dame schmunzelnd. "Bis zum nächsten Mal." Molly schaut sich noch einmal um, so als würde sie sich ebenfalls verabschieden. Dann geht sie zu ihrem Körbchen. Die Arbeit ist für heute getan. - Eine beneidenswerte Arbeit, die daraus besteht, auf einer weichen Decke abzuhängen und dabei auch noch gekrault zu werden - eine tierische Helferin der gemütlichen Art!

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