GEOlino extra Nr. 15/08 - Sport Seite 1 von 3

Mit dem Hundeschlitten durch Alaska

Kälte, Eis, Schnee - und das härteste Hundeschlitten-Rennen der Welt: das "Iditarod Race". Im Interview mit GEOlino-Redakteurin Sina Löschke erzählt Sebastian Schnülle, wie er sich darauf vorbereitet hat und wie er seine Huskys aufmuntert


Wie lange hast du dich auf dieses Rennen vorbereitet?

Ich brüte schon jetzt über den Laufzeiten von diesem Jahr und gucke, wo man noch etwas verbessern kann. Nächste Woche fahre ich noch ein 440-Meilenrennen, wo ich schon wieder Hunde für das nächste Jahr ausprobiere. Das hört nie auf. Das ist ein Vollzeitjob. So wie ein Fußballprofi das ganze Jahr über nichts anderes macht, so machen wir auch nichts anderes.


Aus wie vielen Hunden konntest du deine besten 16 auswählen?

Ich besitze 66 Hunde, von denen ich die besten 16 ausgewählt habe, denn viele der 66 sind zu alt oder zu jung. Generell kann man sagen, wenn ein Hund jünger als drei Jahre alt ist, sollte man ihn noch nicht in einem Rennen fahren. Drei Jahre sind 21 Menschenjahre. Mit acht oder neun Jahren sind die Hunde dann zu alt, wobei ich in diesem Jahr ein altes Team hatte. Ich hatte vier Hunde darin, die zehn waren und einen Hund, der elf war.


Sebastian und sein Hundeschlitten (Foto von: Sebastian Schnülle)
© Sebastian Schnülle
Sebastian und sein Hundeschlitten

Was hast du an eigener Ausrüstung im Schlitten dabei?

So wenig wie möglich. Ich nehme überhaupt keine Ersatzklamotten mehr mit. Früher hatte ich die immer dabei. Jetzt stehe ich auf dem Standpunkt, wenn ich die brauche, ist mein Rennen sowieso beendet. Ich habe mal ein Paar Socken mit, und vielleicht eine lange Unterhose. Aber es gibt ja die 22 Versorgungspunkte, an die man Sachen hinaus schicken kann. Aber im Schlitten habe ich sie nicht. Denn je leichter ich fahre, desto schneller bin ich auch. Die längsten Etappen sind 24 Stunden von Checkpoint zu Checkpoint, und es gibt eigentlich nichts, was ich 24 Stunden lang nicht entbehren kann.


Die Flüsse sind ja zugefroren, also man läuft nicht Gefahr ins Wasser zu fallen ...

Oh doch! Dieses Jahr ist aber nichts passiert. Es waren auch ideale Bedingungen: Es war warm, aber nicht zu warm. Aber bei meinem allerersten Iditarod bin ich zweimal ins Eis eingebrochen. Also komplett mit Jacke, Hose, Schuhen. Zum Glück war es sehr warm, deutlich über Null Grad.


Wie waren die Bedingungen?

Auf 1000 Meilen kommt man durch viele Klimazonen. Wir fangen unten an der Küste an, gehen dann über die Alaska Range, wo in diesem Jahr extrem viel Schnee lag, wir reden da über sechs Meter! Wenn man dann über die Nordseite der Range kommt, geht's über eine Strecke, die nennt sich "The Burn", denn da ist alles abgebrannt. Dort kann manchmal überhaupt kein Schnee liegen, da fahren wir dann wirklich über Stock und Stein und über Gras. Das war auch in diesem Jahr so.
Im Inneren Alaskas liegt nicht so viel Schnee, etwa 40 oder 50 Zentimeter - gute Bedingungen. Entlang des Yukon Rivers ist der Trail wieder komplett vom Schnee eingeweht. In diesem Jahr hatten wir ideale Bedingungen. Tagsüber stiegen die Temeperaturen teilweise etwas über Null, was dann fast ein bisschen zu warm ist. Nachts sanken sie auf minus 15, 20 Grad, das ist ideal für die Hunde. Sie laufen am Tag zwischen 160 und 200 Kilometer und entwickeln dabei eine unglaubliche Eigenwärme. Wenn es dann noch über null Grad warm ist und die Sonne scheint, werden sie zu heiß.
Ich bin immer morgens von 4 bis 10 Uhr gefahren, habe von 10 bis 16 Uhr Pause gemacht und bin dann von 16 Uhr bis Mitternacht gefahren, um möglichst viel im Dunkeln und bei niedrigen Temperaturen zu fahren. Genau so lange wie wir fahren, machen wir auch Pause. Das ist die Faustregel. Gegen Ende des Rennens sind die Hunde dann eingelaufen und brauchen nicht mehr so viele Pausen.



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