Eisbären Eisbären: Räuber auf vier Pranken

Der 27. Februar gilt als "Tag des Eisbärs". Aber wisst ihr eigentlich, seit wann es Eisbären gibt? Warum sie blaue Zungen haben? Oder wie schnell sie über den Schnee sprinten? Wir erzählen es euch!
In diesem Artikel
Gibt es tatsächlich ein Gefängnis für Eisbären?

Seit wann gibt es Eisbären auf der Erde?

Seit 600.000 Jahren - und damit rund fünfmal länger als bisher gedacht. Forschern war zwar klar, dass Eisbären eng mit Braunbären verwandt sind und sich von ihnen als eigene Art abgespalten haben. Bloß über das "Wann" grübelten sie lange und stellten unterschiedliche Vermutungen an. Etwa, dass der letzte gemeinsame Urahn von Braun- und Eisbären vor rund 150.000 Jahren durch das heutige Kanada stapfte. Wissenschaftler vom "Biodiversität und Klima Forschungszentrum Frankfurt" haben sich nun aber das Erbgut von Braun- und Eisbären genauer angeschaut. Dabei stellten sie fest, dass Eisbären eben schon viel älter sind als angenommen. Der Blick in die Vergangenheit ist zugleich ein Blick in die Zukunft: Bislang galten Eisbären nämlich als Meister der Anpassung, die sich fix an die Lebensbedingungen in der Arktis gewöhnt und dafür "ausgerüstet" hatten. Tatsächlich benötigten die Tiere dazu im Verlauf der Evolution viel mehr Zeit. Und obwohl sie in der Vergangenheit die eine oder andere Wärmeperiode überstanden haben, stellt sich die Frage:

Überleben die Eisbären den Klimawandel?

Sagen wir mal so: Je eher es uns gelingt, den Klimawandel aufzuhalten, desto größer die Überlebenschancen. Das Problem ist: Eisbären müssen heutzutage viel länger im Jahr fasten als früher. Bei der Jagd auf ihre Lieblingsspeise - Robben - sind die Räuber nämlich auf Packeis unterwegs. Und das schmilzt aufgrund der Klimaerwärmung im Frühjahr immer früher und gefriert im Herbst immer später. Dazwischen müssen die Eisbären an Land gehen und von ihren Fettreserven zehren. Diese Polster sind vor allem für die trächtigen Eisbärendamen wichtig. Haben sie sich zu wenig Speck angefressen, fehlt ihnen die Energie für die Aufzucht der Jungen. In der Hudson Bay im Osten Kanadas sei der Bestand der Eisbären in den vergangenen zehn Jahren deswegen bereits gesunken, sagen Forscher.

Eisbären: Räuber auf vier Pranken

Das Schmelzen der Eisfläche gefährtet das Überleben der Eisbären

Wie groß ist der Bestand überhaupt noch?

Eisbären: Räuber auf vier Pranken

Eisbären gelten als gefährdete Art: Es gibt nur noch etwa 25.000 Exemplare weltweit

Auf der "Roten Liste" wird der Eisbär als "gefährdet" eingestuft, weil nur noch 20.000 bis 25.000 Exemplare durch Eis und Schnee trotten. Die Tiere kommen ausschließlich auf der Nordhalbkugel vor, genauer: auf Spitzbergen und der Inselgruppe Franz-Josef- Land im Nordpolarmeer, im Norden Sibiriens, auf Grönland, auf der Wrangelinsel und im westlichen Alaska, im nördlichen Alaska und in Kanada. Die Davisstraße und die Hudson Bay sind die südlichsten Lebensräume der Eisbären. Übrigens: In der Hudson Bay landen die Tiere bisweilen sogar im Knast!

Gibt es wirklich ein Gefängnis für Eisbären? Lest mehr darüber auf der nächsten Seite!

Gibt es tatsächlich ein Gefängnis für Eisbären?

Ja, gibt es. Und zwar in Churchill im Westen der Hudson Bay. Wenn die Eisbären im Herbst hungrig zur Meeresbucht ziehen, passieren sie das kleine Örtchen - und plündern Mülltonnen, schnüffeln in Gärten herum oder brechen in Vorratskammern ein. Darum rückt dort regelmäßig die Eisbärenpolizei an und lockt die besonders frechen Exemplare in die Falle: eine Metallröhre, in der ein in Seehundöl getränktes Stück Stoff liegt. Die Kolosse werden dann betäubt und in Netzen, die an einem Helikopter befestigt sind, ins Kittchen geflogen. Vier Wochen lang müssen die Tiere dort ausharren. Sobald die Bucht zugefroren ist, werden die Bären einmal mehr betäubt und aufs Eis geflogen - zur Robbenjagd.

Wie jagen die Räuber eigentlich?

Eisbären brauchen mindestens eine Robbe pro Woche, um satt zu werden. Sie haben verschiedene Techniken entwickelt, um Robben zu räubern. Etwa diese: Die weißen Riesen setzen sich auf dem Eis vor die Atemlöcher der Robben. Schließlich müssen die ab und an auftauchen, um Luft zu holen. Sobald sie ihre Schnauze dann aus dem Wasser strecken, schlagen die Eisbären zu. Im Frühjahr suchen die Bären außerdem nach den Lagern der Robbenmütter und ihrer Jungen: Die Robbendamen säugen ihren Nachwuchs nämlich in Schneeverwehungen auf dem Eis. Die Bären müssen sie sozusagen nur noch ausgraben. Nicht zuletzt sind die Kolosse prima "Anschleicher". Aalt sich eine Robbe nichtsahnend auf dem Eis, pirschen sich die Bären auf ihren bratpfannengroßen Pranken heran und stürmen aus 20 bis 30 Meter Entfernung auf ihr Opfer zu.

Wie schnell sprinten die Kolosse?

Obwohl erwachsene Eisbärenmännchen durchschnittlich 2,5 Meter messen und nach der Jagdsaison im Herbst 600 Kilogramm und mehr auf die Waage bringen, beschleunigen die Dickerchen bei einem Sprint locker auf 30 bis 40 Kilometer pro Stunde. Bei diesem Tempo haben ihre Beutetiere an Land einfach keine Chance ... Ins Schwitzen kommen die Sportskanonen trotzdem nicht: Sie haben keine Schweißdrüsen. Die Tiere regulieren ihren Wärmehaushalt, indem sie ihre Zunge aus dem Maul hängen lassen und hecheln.

Eisbären: Räuber auf vier Pranken

Eisbären können eine Geschwindigkeit von bis zu 40 Stundenkilometern erreichen

Warum ist die Zunge der Eisbären blau?

Die erwachsenen Tiere haben unter ihrem Fell eine tiefschwarze Haut, die Wärme speichert. Manche Forscher glauben, dass sich die Verfärbung der Haut auf der Zunge einfach fortsetzt. Fest steht aber auch: In der Zunge der Eisbären sitzen viele Blutgefäße, die möglicherweise einfach durchschimmern. Dank der guten Durchblutung funktioniert der "lange Lappen" wie ein Wärmetauscher: Wird es den Eisbären unter ihrem dichten Fell und der rund zehn Zentimeter dicken Fettschicht zu heiß, müssen sie also nur ordentlich das Maul aufreißen!

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