GEO Magazin Nr. 11/99 - Ozeane Seite 1 von 1
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Artikel vom 30.10.1999

»Zwangsweise« verliebt?

Eine italienische Forscherin entdeckte ein Indiz für romantische Gefühle


CD-Player aus? Herdplatten und Bügeleisen abgestellt? Wer Knöpfe und Schalter allzu gründlich prüft, bevor er die Wohnung verläßt, leidet vermutlich unter einer harmlosen Form von "Kontrollzwang". Mit derartigen Phänomenen ist Donatella Marazziti von der Universität Pisa gut vertraut: Seit mehr als neun Jahren untersucht die Psychiaterin Menschen, die Taten oder Gedanken ständig wiederholen müssen und entdeckte kürzlich, daß solche Symptome mit einem weitaus häufigeren Leiden vergleichbar sind.


Verliebte Menschen nämlich das war Marazziti nicht entgangen sind ebenfalls auf ein Objekt fixiert: die angebetete Person. Wenn dieser rätselhafte Zustand mit einer Zwangsstörung vergleichbar war, so folgerte die Forscherin, mußte sich dies belegen lassen zum Beispiel anhand des Botenstoffs Serotonin, der seit langem als Schlüsselsubstanz für menschliche Gefühle gilt. Weil Serotonin mit Hilfe von Blutproben nachzuweisen ist, ließ Donatella Marazziti verliebte Studenten zur Ader und verglich deren Serotonin-Werte mit denen von Patienten, die an Zwangsstörungen litten. Bei beiden Testgruppen lag der Pegel im Durchschnitt 40 Prozent unter dem Normalwert. Verliebt-Sein mache also, schließt die Psychiaterin, vielleicht wirklich ein wenig "verrückt". Allerdings: Sobald die romantischen Gefühle einiger Testpersonen nachließen, stieg auch ihr Serotonin-Pegel wieder.


Weil diese Blutanalysen Anhaltswerte liefern und weil mehrheitlich Frauen an der Studie teilnahmen, müssen die Ergebnisse Marazziti zufolge als "vorläufig" gelten. Sollten weitere Tests ihre Vermutung bestätigen, wäre die Biochemie der Gefühle zwar um eine bedeutende Erkenntnis reicher doch ob Betroffenen damit geholfen wäre, liegt vollständig im dunkeln. P.S.: Die Physiologie der Liebe behandelt auch ein Film der Reihe "360° die GEO-Reportage", der im Dezember bei Arte ausgestrahlt wird.





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