Verhütung Mit der Pille auf Reisen: Vorsicht bei Zeitverschiebung

Anti-Babypille in goldener Blisterpackung, Monatspackung
Bei der Einnahme der Pille ist Regelmäßigkeit unerlässlich. Auch auf Reisen
© IMAGO / Michael Weber
Wer mit Pille verhütet, nimmt sie oft jeden Tag zur gleichen Zeit ein. Auf Reisen kommt dieser Rhythmus mitunter durcheinander. Worauf müssen Frauen achten, um den Empfängnisschutz mit der Pille bei der Zeitverschiebung nicht zu gefährden?

Bei Reisen mit größerer Zeitverschiebung sollten Frauen, die mit der Pille verhüten, deren Einnahmezeiten im Blick haben. Auf Fernreisen ist es gut zu wissen, was es zu beachten gibt, wenn eine Reise in Länder wie Thailand, Kuba oder Australien ansteht.

Ist bei der Pille die Zeitverschiebung immer ein Problem?

Das kommt auf die Art der Pille an. Enthält das Präparat ein Östrogen und ein Gestagen ("Kombi-Pille"), sei eine Einnahme auf Reisen immer zur gleichen Tageszeit selbst dann unproblematisch, wenn es sich um eine Zeitverschiebung von zwölf Stunden handelt, erklärt Gynäkologe Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte.

Als Richtschnur können sich Frauen hier also merken: Mehr als 36 Stunden sollten nicht zwischen den Einnahmen liegen.

Damit das Zeitintervall gleich bleibt, stellen dem Experten zufolge viele Frauen während so einer Reise den Einnahmezeitpunkt von morgens auf abends um oder umgekehrt. Sein Rat: Wird das mit der Berechnung der Einnahmezeitpunkte zu kompliziert, sollte man die Intervalle lieber ein- oder zweimal verkürzen, als sie zu verlängern.

Bei welchen Pillenpräparaten ist mehr Vorsicht geboten?

Nehmen Frauen eine Pille ein, die nur ein Gestagen enthält, so sollten sie im Hinblick auf eine Zeitverschiebung auf Reisen besonders vorsichtig sein.

Vorsicht bei der Mini-Pille

Pillen, die nur ein Gestagen enthalten, werden auch als "Mini-Pille" bezeichnet. Albring erläutert: Enthalten Pillen nur das Gestagen Levonorgestrel, "vertragen" sie lediglich eine Zeitverzögerung um maximal drei Stunden - statt 24 Stunden dürfen also maximal 27 Stunden Abstand zwischen den Einnahmen liegen. Bei Pillen, die das Gestagen Desogestrel oder Drospirenon enthalten, sei eine einmalige Verschiebung um maximal zwölf Stunden möglich.

"Wurde das jeweilige Zeitintervall überschritten, so ist die Verhütung von Schwangerschaften nicht mehr gegeben", so Albring, "und das Paar sollte sich mit Kondomen oder anders schützen."

Woran liegt der Unterschied zwischen den Pillen-Arten?

Reine Gestagenpillen verhinderten den Eisprung nicht zuverlässig, sondern machten den Schleimpfropf im Gebärmutterhals sehr fest und undurchdringlich für die Spermien, erklärt Albring. "Dafür braucht es aber einen gleichmäßigen Gestagenspiegel im Blut." Wenn das Gestagen nur geringfügig abfällt, ist der Schleim demnach nicht mehr so fest.

Die Folge: Spermien könnten hindurchdringen. Albring: "Wenn gleichzeitig auch noch ein Eisprung stattfindet, kann es leicht zu einer unerwünschten Schwangerschaft kommen."

Was ist zu tun, wenn das Intervall nicht eingehalten werden kann?

Sollte es einer Frau nicht möglich sein, diesen Intervall bei der Pilleneinnahme zu gewährleisten, kann die so genannte "Zwischen-Pille" die Lösung sein. Sie erhält den Empfängnisschutz aufrecht.

Lösung "Zwischen-Pille"

Eine "Zwischen-Pille" hilft dabei, den Empfängnisschutz nicht zu gefährden - und zwar zwölf Stunden nach der letzten Einnahme, rät die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf ihrem Portal "familienplanung.de". Vor Ort setzt man die Einnahme dann zur gewohnten Uhrzeit fort. Wer also die Pille immer 9 Uhr morgens nimmt, nimmt sie nach der Zwischen-Pille auch am Urlaubsort weiter um 9 Uhr (Ortszeit) ein.

Die Pille

Nebenwirkungen Wie sicher ist die Pille wirklich?

Die Pille gilt als eines der sichersten Verhütungsmittel. Doch Hormonpräparate wirken sehr unterschiedlich – und manche bergen erhöhte gesundheitliche Risiken. Experten warnen vor gefährlichen Nebenwirkungen

Bei einem Präparat mit Östrogen und Gestagen könnten Frauen die letzte Pille aus der Packung gegebenenfalls als Zwischen-Pille einnehmen und dafür einen Tag früher mit der Einnahme aufhören und die siebentägige Pause beginnen, so Frauenarzt Albring. Bei reinen Gestagen-Pillen nehmen sie die letzte Pille aus dem Blister als Zwischen-Pille und machen mit der neuen Packung ohne Pause weiter.

Hintergrund: Während die Mini-Pille ohne Pause täglich eingenommen wird, erfolgt bei der Kombi-Pille normalerweise die Einnahme 21 Tage am Stück - dann ist eine Woche Pause.

Gibt es Risiken, wenn durch eine Zwischen-Pille kurzzeitig mehr Hormone eingenommen werden als im Blisterplan vorgesehen?

Die Zwischen-Pille soll verhindern, dass der Abstand zwischen zwei Pillen zu groß wird und der Empfängnisschutz leidet. Fachgesellschaften und Krankenkassen empfehlen, im Zweifel eher das Einnahmeintervall einmal zu verkürzen und eine Zwischenpille nach etwa 12 Stunden einzuschieben, als eine zu lange Pause zu riskieren.

Bei gesunden Frauen sind die kurzfristig etwas höheren Hormonspiegel durch eine oder wenige zusätzliche Tabletten in der Regel unproblematisch, können aber typische Nebenwirkungen wie leichte Übelkeit oder Spannungsgefühle in der Brust verstärken. Wer Vorerkrankungen oder ein erhöhtes Thromboserisiko hat, sollte solche Anpassungen vorher mit der behandelnden Gynäkologin oder dem Gynäkologen besprechen.

Sollten Frauen eine Reservepackung im Gepäck haben?

Das sei immer sinnvoll, findet Albring. Idealerweise lagert sie an einem anderen Ort als die Packung, die gerade in Gebrauch ist - falls ein Gepäckstück verloren geht. Unter Umständen ist das gewohnte Pillenpräparat im Ausland nämlich nicht erhältlich, so die BZgA.

Zudem ist es mit Blick auf mögliche Magen-Darm-Krankheiten wichtig, eine Reserve dabei zu haben. Erbricht man etwa kurz nach der Einnahme der Pille, sollte der Brechreiz abgewartet werden und später noch eine weitere Pille eingenommen werden, rät Albring.

Bei einem mehrtägigen Durchfall könne es passieren, dass nur noch wenig von dem Arzneimittel ins Blut aufgenommen werde, so der Frauenarzt. "Ab dem zweiten Tag mit Durchfall muss davon ausgegangen werden, dass die Verhütung nicht mehr funktioniert." Die Pille sollte dann zwar trotzdem ganz normal weiter genommen werden, damit es nicht zu einer Abbruchblutung kommt, rät Albring. Zur Verhütung müssten dennoch zusätzlich Kondome verwendet werden.

Gibt es Apps oder Tools, die helfen, die richtige Einnahmezeit bei Zeitverschiebung nicht zu verpassen?

Ja, es gibt spezielle Pillen-Apps, die jeden Tag zur eingestellten Uhrzeit an die Einnahme erinnern und sich an unterschiedliche Einnahmeschemata anpassen lassen. Viele allgemeine Medikamenten-Apps wie MyTherapy oder mediteo können ebenfalls tägliche Erinnerungen über Zeitzonen hinweg einstellen und dokumentieren, ob eine Dosis schon genommen wurde. Zusätzlich helfen die Alarmfunktion des Smartphones oder Kalender-Erinnerungen, den neuen Einnahmezeitpunkt am Reiseziel und auf der Rückreise zuverlässig zu halten.

An wen können sich Frauen wenden, wenn sie auf Reisen bei der Pilleneinnahme und Zeitverschiebung Fehler gemacht haben?

Bei Unsicherheit oder Einnahmefehlern sollten sich Frauen zuerst an die eigene Frauenärztin oder Frauenarzt wenden, viele Praxen bieten auch telefonische oder Videosprechstunden an. Zusätzlich beraten gynäkologische Notfall- oder Bereitschaftspraxen sowie ärztliche Telemedizin-Dienste online oder per App zu Pillenfehlern und möglicher Notfallverhütung. In akuten Situationen vor Ort sind gynäkologische Kliniken oder lokale Beratungsstellen (z. B. Familienplanungszentren) geeignete Anlaufstellen, um das individuelle Risiko abzuklären und gegebenenfalls die Pille danach zu bekommen.

Wie geht man auf der Rückreise vor: Wieder eine "Zwischenpille" oder nur zur gewohnten Heimatzeit wechseln?

Für die Rückreise gilt dieselbe Logik wie für den Hinflug: Entscheidend ist, dass der Abstand zwischen zwei Pillen nicht länger wird als beim eigenen Präparat erlaubt (bei Kombipillen oft maximal 36 Stunden, bei vielen Minipillen deutlich weniger). Wenn die Zeitverschiebung so groß ist, dass sonst ein zu langer Einnahmeabstand entstünde, kann man – wie auf dem Hinweg – nach etwa 12 Stunden eine Zwischen-Pille einnehmen und danach zur gewohnten Heimatzeit zurückwechseln. Ist die Zeitverschiebung geringer und liegen zwischen zwei Einnahmen auch mit Zeitumstellung nur wenige Stunden mehr als üblich, kannst du die Pille am Reiseziel bzw. nach der Landung einfach zur gewünschten Heimatzeit weiternehmen, ohne zusätzliche Zwischen-Pille.

sho / dpa