Soja und Hülsenfrüchte sollen das Risiko für Bluthochdruck verringern. Der Verzehr größerer Mengen dieser Lebensmittel gehe mit einem niedrigeren Risiko für Bluthochdruck einher, schreibt ein Team aus Forschern mehrerer norwegischer Institutionen sowie vom Imperial College London im "British Medical Journal Nutrition Prevention & Health".
Bluthochdruck kann schwere Folgen wie etwa Herzinfarkt oder Schlaganfall begünstigen. Nach Angaben der Deutschen Hochdruckliga hat fast jeder Dritte in Deutschland Bluthochdruck. Zu den Risikofaktoren zählen unter anderem Alkohol, Tabak und Stress.
Bohnen, Tofu und Co. mit hohem Nutzen
Dass Soja und Hülsenfrüchte förderlich für die Herz-Kreislauf-Gesundheit sind, sei bereits bekannt, erklärt das Forschungsteam – der konkrete Zusammenhang mit dem Risiko für Bluthochdruck hingegen bis zu der aktuellen Überblicksstudie noch nicht. Um diese Lücke zu schließen, werteten die Wissenschaftler zwölf Studien mit Daten von insgesamt mehr als 300.000 Teilnehmenden aus. Fünf Studien kamen aus den USA, fünf aus Asien, je eine aus Frankreich und Großbritannien.
Die Ergebnisse:
- Menschen, die viele Hülsenfrüchte – also etwa Bohnen, Linsen oder Kichererbsen – zu sich nehmen, hatten ein um 15 Prozent niedrigeres Risiko, Bluthochdruck zu entwickeln als jene, die wenig Hülsenfrüchte aßen.
- Bei Sojaprodukten – also zum Beispiel Tofu, Tempeh oder Sojamilch – zeigte sich ein ähnliches Bild: Menschen mit hohen Verzehrmengen hatten ein um 19 Prozent niedrigeres Risiko für Bluthochdruck als jene mit weniger.
Aus der Analyse ließen sich zudem die wohl optimalen Mengen ableiten:
- Bei Hülsenfrüchten war bei Mengen von bis zu 170 Gramm pro Tag eine lineare Verringerung des Bluthochdruckrisikos nachweisbar. Das heißt: Je mehr, desto besser. Bei noch größeren Mengen war die Datenlage zu begrenzt, um verlässliche Aussagen zu treffen.
- Bei Sojaprodukten war der nachgewiesene Nutzen mit Blick auf das Bluthochdruckrisiko am höchsten bei einer Menge von 60 bis 80 Gramm pro Tag. Beim Verzehr einer solchen Menge stellte das Team ein um 28 bis 29 Prozent verringertes Risiko fest.
Für das Forschungsteam erscheinen die Ergebnisse plausibel: Hülsenfrüchte und Soja seien reich an Kalium, Magnesium und Ballaststoffen, die alle für ihre blutdrucksenkende Wirkung bekannt seien.
100 Gramm entsprechen der Studie zufolge etwa einer Tasse oder fünf bis sechs Esslöffeln Erbsen, Linsen oder Bohnen oder etwa einer handflächengroßen Portion Tofu.
Aktueller Verzehr deutlich unter den Empfehlungen
Derzeit würden in Europa durchschnittlich nur etwa 8 bis 15 Gramm pro Tag verzehrt, was weit unter den für die allgemeine Herz-Kreislauf-Gesundheit empfohlenen 65 bis 100 Gramm liege, betonen die Studienautoren.
Der Wissenschaftler Sumantra Ray, Mitbegründer des Journals "BMJ Nutrition Prevention & Health", betont, die Studie untermauere die Belege für die positive Wirkung pflanzlicher Ernährungsweisen für die Herzgesundheit. "Die Autoren haben die Argumente für den Einsatz von Hülsenfrüchten und Soja als zentrale Ernährungsstrategien zur Verringerung der weltweiten Belastung durch Bluthochdruck deutlich gestärkt", sagte er weiter.
Markus van der Giet von der Deutschen Hochdruckliga, selbst nicht an der Studie beteiligt, hält diese handwerklich für sehr gut gemacht. Trotzdem könne damit natürlich nicht geklärt werden, ob die Lebensmittel der entscheidende Grund für das gesenkte Risiko seien. "Es kann durchaus sein, dass die Patienten vor allem gesünder leben, die viele Hülsenfrüchte und/oder Sojaprodukte zu sich nehmen", erklärte van der Giet. Es sei bei solchen Studien nicht machbar, sonstige Gewohnheiten zu berücksichtigen. "Aber letztendlich spielt dies keine Rolle, denn die Aussage ist klar" – nämlich, dass Soja und Hülsenfrüchte nicht nur in der Therapie, sondern auch in der Vorbeugung von Bluthochdruck förderlich seien.
Heribert Schunkert, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung und Direktor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am TUM Klinikum Deutsches Herzzentrum München, hält einen kausalen Zusammenhang durchaus für plausibel, aber durch die Studie nicht bewiesen. Unklar sei etwa die Rolle vom Körpergewicht. Übergewicht sei einer der stärksten ursächlichen Faktoren für Bluthochdruck.