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Bei den Meistern des Yoga
Die indische Meditations- und Bewegungslehre findet immer mehr Anhänger. Doch nur die wenigsten wissen, dass hinter den gymnastischen Übungen ein philosophisches System steckt
Meine erste Unterrichtsstunde beginnt um sechs Uhr morgens in einem kalten, neonhell beleuchteten Waschraum. Vor den Becken stehen dicht gedrängt Frauen und Männer, viele in langen Baumwollgewändern. Von draußen klingt meditative Musik durch die offenen Fenster. Zu meinem Erstaunen ist keiner der Menschen im Raum damit beschäftigt, sich die Zähne zu putzen oder sich zu waschen. Die meisten scheinen nur aus einem einzigen Grund hierher gekommen zu sein: um aus großen Bechern Salzwasser zu trinken und es kurz darauf wieder zu erbrechen.
Gummischläuche in der Nase
Einige gießen sich die Mischung aus einem Porzellankännchen in ein Nasenloch und lassen sie dann aus dem anderen herauslaufen. Anschließend schieben sie sich einen dünnen Gummischlauch durch die Nase bis in den Mund, fassen ihn an den Enden und ziehen ihn hin und her. Manche schlucken eine meterlange Mullbinde, um sie nach einiger Zeit langsam wieder aus dem Magen herauszuziehen. Das alles ist kein Anblick, der den ästhetischen Vorstellungen eines durchschnittlichen Westeuropäers entspricht. "Das sind Kriyas, Reinigungsübungen aus dem Hatha-Yoga", sagt der Yogalehrer Vivek Tiwari und hält mir einen seiner Gummischläuche vor die Nase: Ob ich es nicht auch einmal versuchen wolle? "Vielleicht morgen", sage ich in der Gewissheit, dass ich niemals eine der Kriya-Übungen machen werde. Ich sollte mich irren.
Eine Reise zu den Wurzeln
Ich befinde mich im "Kaivalyadhama Yoga Institute" im indischen Lonavla, rund 110 Kilometer südöstlich von Mumbai. Das 1924 von Swami Kuvalayananda gegründete Institut ist eines der ältesten Zentren für Yogaforschung und -therapie in Indien. Für die kommenden zehn Tage wird der mehr als einen halben Quadratkilometer große Campus mein Zuhause sein. Hier werde ich an einer internationalen Konferenz über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse auf dem Gebiet des Yoga teilnehmen und einen einwöchigen Workshop besuchen. Es ist eine Reise zu den Wurzeln dieser mehr als 2000 Jahre alten Lehre. Eine Recherche, die mich weit fortführen wird von dem, was im Westen häufig als Yoga angesehen und praktiziert wird. Yoga, so wird dem Besucher im Kaivalyadhama-Institut schnell klar, ist mehr als Lotossitz, Kopf- und Einbeinstand. Mehr als eine Trendgymnastik. "Yoga geht weit über das Körperliche hinaus", sagt Sri O. P. Tiwari. Er führt die Geschäfte des Kaivalyadhama-Instituts und wird für die nächsten sieben Tage mein Lehrer sein. "Yoga lehrt mich, wie ich leben, arbeiten, denken, was ich essen soll und wer ich eigentlich bin."
Der Weg zu "Samadhi", dem Einssein und eigentlichen Ziel der Yogapraxis, führt traditionell über acht Stufen. Beschrieben hat sie der indische Gelehrte Patanjali in seinem berühmten "Yogasutra", einem 195 Sanskrit-Verse umfassenden Lehrbuch, dessen Entstehung sich nur ungenau datieren lässt, auf eine Zeit irgendwann zwischen 200 v. Chr. und 400 n. Chr. Die ersten beiden Stufen sind ethische Leitlinien oder Gebote wie Gewaltverzicht oder Reinheit. Praktiziert der Schüler sie in Gedanken, Wort und Tat, so findet er auf diese Weise die richtige Einstellung und innere Haltung zum Yoga. Auf den weiteren Stufen folgen Anleitungen zu Körper- und Atemübungen, zur inneren Versenkung und Meditation. Der gesamte Weg gleicht einer Reise von außen nach innen, vom Weltlichen zum Transzendenten - und er ist eine permanente Reinigung.
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Kommentare zu "Bei den Meistern des Yoga"
Was mit diesem Wissen und diesem weiten Feld der Yoga-"Haltung" machen? Zum Beispiel einen Kommentar verfassen und in Kontakt gehen, so wie Dieter Zimmermann. Oder handeln: Sich nach seriösen Yogalehrern und -lehrerinnen erkundigen, z.B. bei den örtlichen Erwachsenenbildungseinrichtungen oder Yogaschulen; darüber reden und fragen, wer wann und wo welche Erfahrungen gemacht hat; sich trauen, was Neues auszuprobieren und eigene Erfahrungen zu sammeln; genau das tun, was der Yoga nahe legt und eine alter Sozialarbeitsgrundsatz empfiehlt : Sich selbst und andere da abholen, wo wir/wo sie stehen. Sich zugestehen, dass ich eben jetzt an diesem Punkt bin und nicht wo anders, wo ich vielleicht gerne mal hinkommen möchte. Auch - oder gerade mit 100% Schwerbehinderung ist Yoga möglich und kann, wie ich mir vorstellen könnte, sehr erfüllend sein. Güße aus Rosenheim, Lisa Kempter-Hoffmann
Hoch interessant! Ich bin 100% Schwerbehindert (COPD, 4 LWS, 2 BWS Frakturen - Ostophorose - Herzinfarkt - NonHodgkin Krebs - 58 Jahre) voller Lebensenergie und wohne im Pitztal/Tirol/Imst wo weder die Philosphie noch welche Anwendung durchgedrungen sind. Was macht man, wenn man sieht, dass es helfen würde aber nicht weiß Wer einem helfen kann. Trotzdem sehr guter Artikel mit wenig ....so, was mache ich jetzt mit diesem Wissen?... Gruß Dietert Zimmermann