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Intersexualität: Wenn der kleine Unterschied fehlt
Durch einen ärztlichen Kunstfehler verlor ein Junge seinen Penis und wurde als Mädchen aufgezogen. Der spektakuläre Fall schien zu beweisen: Erziehung ist mächtiger als Biologie. Doch dann widerlegte die Realität die Thesen der Zwitter-Forschung

Winnipeg, Kanada, 27. April 1966. Im St. Boniface Hospital ist für den frühen Morgen die Operation der Geschwister Reimer angesetzt. Die Vorhaut von Bruce und Brian, gerade acht Monate alten eineiigen Zwillingen, soll ein wenig gekürzt werden. Bei beiden Jungen ist sie verengt, was relativ häufig vorkommt.
Weil der Dienst habende Arzt nicht greifbar ist, wird der 46-jährige Allgemeinmediziner Jean-Marie Huot für die Operation eingeteilt. Und Huot wählt für den Eingriff kein gewöhnliches Skalpell, sondern einen so genannten Kauter. Zwei Mal setzt er die glutheiße Nadel an. Nicht geschieht. Als das Gerät ein weiteres Mal die Vorhaut von Bruce berührt, zischt es plötzlich, Qualm kräuselt auf. Was von dem kleinen Penis übrig bleibt, gemahnt den Vater später an ein Stück Holzkohle. In den nächsten Tagen verdorrt der schwarze Stummel. Dann fällt er ab.
Mit Huots Kunstfehler beginnt eine Geschichte, die von Verzweiflung handelt, von Leichtsinn und wissenschaftlicher Hybris: Auf den Rat des Sexualforschers John Money hin beschließen die Reimers, ihren verunglückten Sohn als Mädchen aufzuziehen. Im Alter von knapp zwei Jahren wird aus Bruce Brenda.
Den Berichten von John Money zufolge gedeiht die Kleine prächtig. Und was könnte den Sieg der Erziehung über die Biologie eindeutiger belegen als ein Zwillingspaar mit ursprünglich gleichem Geschlecht, dessen einer Part als Mädchen heranwächst und der andere als Junge?
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Kommentare zu "Intersexualität: Wenn der kleine Unterschied fehlt"
ein kluger Film: "Die Katze wäre eher ein Vogel" siehe auch www.die-katze-ist-kein-vogel.de