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Interview:"Musik hilft und heilt"
Musik wirkt. Mediziner beginnen nun, sie als Heilmittel einzusetzen. Wie das aussieht und welche Folgen das für unser Gesundheitssystem haben könnte, erläutert Prof. Dr. Hans-Helmut Decker-Voigt im Interview mit GEO.de
"Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem, die Heilung eine musikalische Auflösung", notierte der Dichter Novalis. - Keine reine Spekulation, meinen heutige Musiktherapeuten. "Es gibt keinen Bereich mehr im ganzen Lebenskreis des Menschen, in dem wir nicht die Ergebnisse der Forschung zur Musiktherapie anwenden können", so Prof. Decker-Voigt, Leiter des Instituts für Musiktherapie in Hamburg und Präsident der Akademie für musiktherapeutische Weiterbildung der Karajan-Stiftung, Berlin. In Deutschland gibt es mittlerweile acht Studiengänge für Musiktherapie. Den Anfang machte vor 29 Jahren die Hochschule für Musik und Theater in Hamburg.
GEO.de: Woher kommt die Macht der Musik?
Prof. Decker-Voigt: Schon im Mutterleib erleben wir alle Elemente der Musik: Rhythmus, Dynamik, Klang, Melodie und Form. Das prägt uns lebenslang. Zum Beispiel die mütterliche Herz-Rhythmus-Figur hören wir ja 26 bis 28 Millionen Mal. Der Embryo und dann der Fetus erlebt Rhythmus und Tempo, den Wechsel von langsam und schnell, erlebt unterschiedliche Dynamik, also die Kraft der Töne: Es ist ja richtig laut im Mutterleib: 92, 95 Dezibel. In den letzten Monaten der Schwangerschaft erlebt das Kind dann die Sing- und die Sprechstimme der Mutter. Danach beginnt bis zur Sprachschranke, zirka am Ende des zweiten Lebensjahres, etwas, wovon ich immer wieder neu fasziniert bin: Die gesamte hörbare Kommunikation vollzieht sich auf einer elementar musikalischen Ebene: Zwischen Mutter und Kind, zwischen Vater und Kind und allen sozialen Partnern des aufwachsenden Säuglings wird die gesamte Bandbreite der primären Gefühlsentwicklung wie Zorn, Ekel, Freude, Angst, stimmlich ausgedrückt - und stimmlich beantwortet. Die Sprache unserer Eltern verstehen wir nicht - aber wir verstehen die Musik darin und damit die Stimmungen, die sich in dieser Sprache artikulieren: Wir wachsen musikalisch auf. Und das nutzt die entwicklungspsychologisch verstandene Musiktherapie als Ressource.
GEO.de: Welche Funktion übernimmt die Musik in der Musiktherapie?
Decker-Voigt: In der psychotherapeutischen Musiktherapie kann das so aussehen: Ein Krebs-Patient wird vom Musiktherapeuten eingeladen zu improvisieren zum Thema "Mein Krebs". Dann drückt er mit den ihm zur Verfügung stehenden Instrumenten (vertraute oder häufiger ganz unbekannte aus anderen Kulturkreisen) seinen Krebs musikalisch aus: Die Angst vor ihm, die Hoffnung auf Heilung, auf eine Rückkehr in ein normales, aber auch ganz anderes, bewussteres Leben. In der unvorhersehbaren Musik - denn das meint das Lateinische "Im-pro-visation" - wird der Umgang mit Neuem geübt. Denn Leben mit einer tödlichen Krankheit heißt: Umgang mit Neuem üben. All das heißt, dass dieser Patient aktiv seinen Krebs gestaltet und ihm nicht passiv ausgesetzt ist. In dem Augenblick, wo Kunst dem Patienten als Gestaltungsmittel zur Verfügung gestellt wird, gestaltet der Patient seine Krankheit aktiv. Das hat eine Unmenge an positiven Auswirkungen, da wachsen enorme Ressourcen heran, sodass sich der Krebs zum Teil real verändert. Wir haben hoffnungslose Fälle erlebt, in denen der Krebs medizinisch nicht erklärbar zurückging. Ein anderes Beispiel: Die Arbeit mit Angehörigen hirnverletzter Patienten. Diese in der verbalen Kommunikation verzweifelnden Angehörigen, die selbst therapiebedürftig sind, begreifen, dass sie durch die Musik ein neues Kommunikationssystem mit ihren Angehörigen aufbauen können. Und dann sitzen da Menschen, zu zweit und zu dritt, angeleitet durch den Therapeuten, und tauschen sich wieder aus - auf der ihnen wichtigsten Ebene, der Gefühlsebene.
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Kommentare zu "Interview:"Musik hilft und heilt""
musik hilft, ob nun hören, riechen, schmecken, sehen, denken, sich bewegen oder meinetwegen rechnen - all das gehört zu den sinnesverarbeitenden leistungen. äußere reize aktivieren das nervensystem und erzeugen eine mehr oder weniger permanente stimulierung - das lenkt ab und hebt allmählich das bewusstsein in die höheren nervenareale. wichtig ist aber, dass diese "anhebung" irgendwann auch ohne jegliche äußere reize geschehen muss und erst wenn dieser grundlos glückliche zustand sich eingestellt hat, ist alles wunderbar. :)
Dass Menschen durch die Therapie mit Musik gesund werden, kann ich mir definitiv gut vorstellen. Aber der Pharmaindustrie wird das gar nicht gut schmecken, die wollen doch nur ihre Pillen los werden, dazu benutzen sie alle nur irgendwie denklichen Mittelchen und werden sogar noch vom Staat unterstützt. Diese Gelder sollte man besser in die ERforschung des Heilens mit Musik stecken, das würde ethischer sein.