Anna Komnena: Die erste Geschichtsschreiberin (um 1083 bis 1153)
Anna Komnena wurde 1083 in der Purpurkammer des Kaiserpalasts von Konstantinopel geboren. Als älteste Tochter des byzantinischen Kaisers Alexios I. bekam sie den Beinamen "Purpurgeborene", diesen Titel trugen die potenziellen Thronerben. Kurz nach ihrer Geburt wurde das Mädchen mit dem neun Jahre älteren Jungen aus einer hochrangigen byzantinischen Adelsfamilie verlobt. Er sollte Kaiser werden, sie Kaiserin. Sie wurde zur Kaiserin ausgebildet, erhielt Unterricht in Philosophie, Rhetorik, Medizin, Astronomie und Theologie. Doch 1092 ernannte ihr Vater ihren jüngeren Bruder Johannes zu seinem Nachfolger. In seinen letzten Lebensjahren pflegte sie ihren kranken Vater gemeinsam mit ihrer Mutter. Dabei versuchten sie den Kaiser davon zu überzeugen, Annas Ehemann zu seinem Nachfolger zu erklären. 1118 starb Kaiser Alexios, sein Sohn Johannes bestieg den Thron. Mutter und Tochter versuchten, den neuen Kaiser zu stürzen, doch ihre Verschwörung scheiterte. Anna verlor ihren Besitz, wurde vom Hof verbannt. Gemeinsam mit ihrer Mutter lebte sie in einem Kloster unter strenger Bewachung. Dort schrieb sie die "Alexias", ein umfangreiches Werk über die Regierungszeit ihres Vaters. Einige Historiker verklären die Schrift, die Autorin schreibe konfuse Unwahrheiten, die "liebende Tochter" heroisiere ihren Vater. Andere sehen darin eine wertvolle Quelle über die frühen Kreuzzüge aus byzantinischer Sicht. Anna Komnena gilt oft als erste Historikerin des Mittelalters.
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