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Psychische Blutsauger Energievampire: Wie Sie sie erkennen und sich vor ihnen schützen

Energievampire rauben Kraft
Nicht jeder Mensch tut einem gut – so genannte Energievampire können die Psyche belasten
© gballgiggs - AdobeStock
In jeder Beziehung gibt es Höhen und Tiefen. Doch manche Menschen, so genannte Energievampire, tun uns dauerhaft nicht gut, rauben Kraft und können sogar psychisch krank machen. Wie sie einen Energievampir erkennen und sich erfolgreich lossagen, um gesund zu bleiben

Gehen wir zwischenmenschliche Beziehungen ein – seien diese beruflicher Natur, freundschaftlich oder in der Liebe – so erhoffen wir uns dadurch ganz automatisch positive Effekte. Gesunde Beziehungen geben emotionale Stärke und Sicherheit, liefern neue Impulse und Lebensenergie.

Doch nicht jeder Kontakt tut uns gut, die Nähe zu manchen Menschen bewirkt sogar genau das Gegenteil. Das kann eine gute Freundin sein, die unsere ununterbrochene Aufmerksamkeit einfordert oder der narzisstische Nachbar, der ständig von den eigenen Erfolgen spricht, aber nie nach den unseren fragt. Das kann der Vater sein, der uns mit unterschwelligen Fragen ständig das Gefühl gibt, nicht seinen Erwartungen zu genügen, oder aber die Kollegin, die sich immerzu über die Arbeit beschwert, ohne jedoch wirklich an Lösungen interessiert zu sein.

Natürlich muss jeder hin und wieder Frust äußern und Wut ablassen, dafür ist in guten Beziehungen der nötige Raum da. Energievampire allerdings wälzen ihre Frustrationen, Irritationen, Verärgerungen und schlechten Gefühle ständig auf ihr Gegenüber ab – zum Leidwesen des anderen.

Fühlen wir uns nach gemeinsamen Treffen oder langen Gesprächen mit solchen Menschen immer wieder ausgelaugt, gereizt oder niedergeschlagen, dann ist höchstwahrscheinlich ein Energievampir am Werk – jemand, der uns (meist sogar unabsichtlich) die Kraft raubt.

Energievampire lauern in der Familie, im Job und im Freundeskreis

Oft bemerken wir selbst gar nicht unmittelbar, dass eine Person uns dauerhaft psychisch und emotional mehr schwächt als stärkt, dass sich also ein Energievampir in unserem Umfeld befindet. Erst bei näheren Hinsehen und Beobachten in der Situation stellt sich die Erkenntnis ein: Dieser Mensch zieht meine Energie und tut mir nicht gut.

Dabei muss der Fokus nicht nur auf neueren Bekanntschaften liegen. Manchmal verwandelt sich auch jemand, den wir schon lange in unserem Leben haben und der uns sehr wichtig ist, ganz plötzlich in einen solchen Energiesauger. Eine veränderte Lebenslage, ein neuer Job oder ein neuer Partner können ausschlaggebende Faktoren dafür sein. Gefährlich wird es, wenn diese (mitunter sogar ausgesprochen liebenswürdigen) Energievampire sich ihrer schmarotzenden Existenz gar nicht bewusst sind.

Dann hilft nur ein klärendes, offenes Gespräch, um das Gleichgewicht in der Beziehung zwischen Nehmen und Geben wiederherzustellen. Andernfalls läuft man Gefahr, sich mit der Zeit voneinander zu distanzieren und dass von der einstigen Freude, die man beim Lesen eines bestimmten Namens auf dem klingelnden Smartphone verspürte, nur noch ein Seufzen bleibt.

Empathische Menschen sind besonders gefährdet

"Es überrascht nicht, dass die Menschen, die am häufigsten von Energievampiren angegriffen werden, die sensiblen, mitfühlenden Menschen sind, die immer das Gute im Menschen sehen", sagt Judith Orloff, Dozentin für Psychiatrie an der UCLA-Universität in Los Angeles und Bestseller-Autorin, gegenüber NBC News.

Empathische Menschen neigten besonders stark dazu, mit anderen mitzufühlen und sich deren Sorgen und Gedanken anzunehmen, dabei jedoch sich selbst zu vernachlässigen. Ebenfalls gefährdet seien Menschen, die anderen schlecht Grenzen setzen können und es stets allen recht machen möchten. Solche Charaktereigenschaften bringen eine besondere Anfälligkeit für Energievampire mit und damit die Gefahr, aus dem seelischen Gleichgewicht zu geraten.

Grenzen setzen und "Nein" sagen

Der erste Schritt, um sich vor einem Energievampir zu schützen, besteht darin, zu erkennen, dass man selbst ins Visier genommen wird. Dann sollte man vor allem eines tun: Selbstfürsorge walten lassen. Das ist keineswegs egoistisch, sondern gesund. Und das bedeutet Distanz wahren - zumindest emotional.

Verständnis, Aufmerksamkeit und Bestätigung bestärken einen Energievampir nur in seinem Verhalten. Liefert man hingegen nicht mehr den nötigen Nährboden und auch nicht das erhoffte Interesse, wird er sich irgendwann gelangweilt zurückziehen.

Kann man einem Energiefresser nicht dauerhaft aus dem Weg gehen, zum Beispiel weil es sich um einen Kollegen oder ein Familienmitglied handelt, können kommunikative Strategien helfen, energieraubenden Situationen zu entkommen. Das bewusste Grenzen setzen und das höfliche – aber bestimmte – Beenden eines Gesprächs muss man zwar üben, kann aber sehr hilfreich sein. Denn ist es völlig in Ordnung, auch mal "Nein" zu sagen – und zwar auf eine nette und respektvolle Art, die nicht gleichgültig erscheint. Das erscheint anfangs vielleicht ungewohnt, aber ist gesünder für das Miteinander - für Sie und für den Energievampir.


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