Geschichte Sie herrschten, kämpften, schrieben: Mächtige Frauen des Mittelalters
Viele Frauen prägten das Mittelalter. Sie gründeten Universitäten, revolutionierten die Medizin und führten Armeen. Ihre Lebensgeschichten faszinieren bis heute
Theodora von Byzanz: Von der Konkubine zur Kaiserin (um 500 bis 548)
Für sie ändert der Herrscher sogar das Gesetz: Theodora von Byzanz. Geboren vermutlich um die Wende zum 6. Jahrhundert, das genaue Datum ist nicht überliefert, wächst die Tochter eines Bärendompteurs im Zirkus von Konstantinopel zwischen Löwen, Stieren, Elefanten und anderen Tieren auf, die in ihren Käfigen auf den Kampf in der Arena warten. Dort tritt auch Theodora bereits als junges Mädchen auf, gemeinsam mit anderen Schauspielerinnen inszeniert sie die Liebesabenteuer von Zeus, deren dramatischer Höhepunkt in der Entkleidung der Frauen besteht. Schauspielerinnen empfangen damals oft nach einer Vorstellung ihre Verehrer, der Berufsstand ist eng verwandt mit der Prostitution. Theodora ist begehrt und fällt auch dem Neffen des byzantinischen Kaisers auf. Angezogen von ihrer Schönheit und Intelligenz, will dieser Theodora heiraten, was nach damaligem Recht nicht erlaubt ist. Doch der Kaiser ändert das Gesetz, 525 wird das Paar in der Hagia Sophia vermählt. Nach dem Tod des alten Kaisers 527 folgt ihr Ehemann diesem auf den Thron. Kaiser Justinian, der mächtigste Mann zwischen Gibraltar und Persien, verleiht Theodora den Ehrentitel "Augusta" und vertraut ihr auch politische Aufgaben an: Sie wird seine wichtigste Beraterin. Als in Konstantinopel eine Rebellion droht, hilft sie, seine Macht zu sichern. Später legt sie sich in Glaubensfragen mit dem Papst an. Theodora gilt als eine der ersten Herrscherinnen, die die Rechte zugunsten der Frauen verändern.
© Bildarchiv Hansmann / Interfoto