Héloïse: Die liebende Gelehrte (um 1098 bis 1164)
Schwanger, ohne verheiratet zu sein? Für manch eine Frau im Mittelalter bedeutete das Spott, Häme und den Ausschluss aus der Gesellschaft. Doch nicht für Héloïse. Um 1100 wurde die Tochter eines Adeligen in Frankreich geboren. Als Waise wuchs sie im Kloster auf, wo sie Latein, Griechisch, Hebräisch, Theologie und Philosophie lernte. Ihr Onkel Fulbert, der als Kleriker an der Kathedrale Notre Dame de Paris lebte, holte sie als Heranwachsende zu sich. Fulbert beauftragte den französischen Theologen Peter Abélard mit der Ausbildung seiner Nichte: Während des Unterrichts verliebten sich die Schülerin und der Lehrer ineinander. Schwanger floh die junge Frau in ein Kloster in der Bretagne, wo sie den gemeinsamen Sohn Astrolabe zur Welt brachte. Ihr Onkel war über alle Maße empört: Er ließ Abélard kastrieren. Héloïse legte das Gelübde ab und lebte fortan als Nonne. Später wurde sie Äbtissin und baute ein bedeutendes Frauenkloster mit mehreren Tochterklöstern auf. In ihren Schriften forderte sie, die gängigen Klosterregeln an, die Bedürfnisse von Frauen – einschließlich Kleidung und Ernährung – anzupassen. Heloïse war eine der ersten bekannten gelehrten Frauen in Westeuropa, die ihr Wissen einsetzten, um Frauen zu fördern und ihre Lebensumstände zu verbessern.
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