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Raus und Machen Fünf Mikroabenteuer, die jeder umsetzen kann

Für die Mikroabenteuer-Ideen von Christo Foerster brauchst du keine Vorbereitung, kaum Ausrüstung und nur wenig Zeit – dafür bleiben sie umso länger in Erinnerung
Fünf Mikroabenteuer, die jeder umsetzen kann

24 Stunden im Wald können herausfordernd sein, aber auch für ordentlich Ruhe sorgen

24 Stunden im Wald

Downshifting für Profis: den Aktionsradius auf ein Minimum reduzieren

Schwierigkeitsgrad: ***
Spaßfaktor: ****

Dieses Mikroabenteuer führt weg von jeglichem Leistungsgedanken: Such dir einen Spot in einem Wald und beweg dich 24 Stunden lang nur in einem Radius von 100 Metern um diesen Spot herum. Das schult nicht nur die bewusste Wahrnehmung der direkten Umgebung, sondern fördert auch enorm das Runterkommen. Uhr, Kompass und GPS können getrost zu Hause bleiben, weil sie hier völlig überflüssig wären. Ich mache dabei gern eine Art Spiel, das ein Bekannter die „Phänomenologie des Nicht-Wissens“ nennt: Ich sehe mir alles ganz genau an und versuche, bis ins Detail Antworten auf Fragen zu finden, die just in diesem Moment aufpoppen. Was genau unterscheidet den einen Vogel vom anderen? Warum ruft er, wie er ruft? Wo in meinem Radius hat der Mensch eingegriffen und warum? Welche Auswirkungen haben diese Eingriffe? Wichtig: Dabei immer schön den Google-Reflex unterdrücken und selbst nach Erklärungen suchen. Du hast verdammt viel Zeit dafür.

WALDEN 02/2020
WALDEN 02/2020
Mikroabenteuer
25 Draußen-Erlebnisse für jedermann und jeden Tag

Gipfelsturm vor der Haustür

Eine alpinistische Herausforderung für wirklich (wirklich!) jedermann

Schwierigkeitsgrad: ***
Spaßfaktor: ****

Schon mal auf dem höchsten Berg in deinem Bundesland gewesen? Wenn du aus dem Norden kommst, weißt du möglicherweise noch nicht einmal, wie diese Landmarke überhaupt heißt . . . Inspiriert von den legendären „Seven Summits“, den höchsten Gipfeln der sieben Kontinente, hat jemand mal eine Liste der jeweils höchsten Erhebungen der 16 deutschen Bundesländer zusammengetragen (ihr findet sie unter anderem über christofoerster.com/16summits). Als ich davon las, war mir klar, dass ich sofort auf den Hasselbrack muss, Hamburgs höchsten Punkt. 116 Meter, mit Gipfelstein und Gipfelbuch. Mittlerweile habe ich dort schon oft nachts von der Hängematte aus Sterne betrachtet. Wenn du „deinen“ höchsten Berg schon in der Tasche hast, nimm dir den zweithöchsten oder einfach die anderen 15 Summits Deutschlands vor.

Fünf Mikroabenteuer, die jeder umsetzen kann

Wer scheint denn da so hell? Zum Sternegucken gibt es auch in Deutschland super Freiluft-Planetarien

Sterne gucken

Perfekt für wolkenlose Feierabende: ab ins Freiluft-Planetarium um die Ecke!

Schwierigkeitsgrad: ***
Spaßfaktor: ****

Je geringer die Lichtverschmutzung am Himmel, desto heller leuchten die Sterne. Sieh dir auf einer Übersichtskarte an, wo in deiner Umgebung die wenigsten großen Orte liegen. Such dir dann in diesem Gebiet eine Lichtung oder eine freie Fläche, die wiederum möglichst weit von der nächsten Häuseransammlung entfernt ist. Warte auf eine klare Nacht, packe Isomatte und Schlafsack ein und brich zur Himmelsschau auf. Natürlich gibt es auch ausgewiesene Sternenparks, wie zum Beispiel im Brandenburger Westhavelland, aber dort sind meist auch die Reglementierungen streng, was das Übernachten betrifft – und außerdem willst du ja vor der eigenen Haustür ins Planetarium. Im Internet findest du sogenannte Sternenkalender, die auflisten, in welchen Nächten besonders viele Sternschnuppen zu erwarten sind. Ein ziemlich nerdiger, aber hochinformativer: calsky.com

Expeditionen in die weite Welt

Warum nicht kurzerhand nach Grönland, Afrika oder Kalifornien aufbrechen – und morgen schon wieder zurück sein?

Schwierigkeitsgrad: ***
Spaßfaktor: ****

Überall in Deutschland gibt es skurrile Ortsnamen. Jeder einzelne von ihnen ist ein schöner Anlass, zu einem Mikroabenteuer aufzubrechen, und zwar unabhängig davon, wie schön es dort wirklich ist. Denn ganz ehrlich: Im Grunde brauchen wir doch nur irgendeinen blöden Grund, loszuziehen, ab dann ist der Weg das eigentliche Ziel. Die Ortsnamen müssen auch nicht unbedingt einen Ruf von Welt haben – Himmelreich, Katzenhirn und Fickmühlen halten auch für gute Geschichten und ein Selfie am Ortsschild her. Als ich diesen Sommer in Grönland war, bin ich von Hamburg aus erst ein paar Stationen mit der Regionalbahn Richtung Wrist gefahren und dann querfeldein zu Fuß weiter gelaufen. Am Ziel gönnte ich mir auf dem verlassenen Parkplatz der Freiwilligen Feuerwehr einen Kaffee vom Gaskocher, dann zog ich weiter nach Glückstadt an die Elbe, wo ein Sundowner in der Hängematte auf mich wartete. Ich wäre gern geblieben für die Nacht, musste aber spätabends noch wieder zurück nach Hause. Was eine solche Tour extrem aufwertet: Smartphone aus und durchfragen.

Fünf Mikroabenteuer, die jeder umsetzen kann

Fast wie Urlaub kann der Heimweg auf dem Fluss sein

Flüssig nach Hause

Alles fließt, heißt es, wir fließen einfach in Richtung Heimat. Ein SUP, ein Paddel, und ab geht’s!

Schwierigkeitsgrad: ***
Spaßfaktor: ****

Das Gefühl, den Wohnort nach einer Zeit der Abwesenheit am Horizont auftauchen zu sehen, ist ein ganz besonderes. Am intensivsten empfinde ich dieses Gefühl auf dem Wasser. Egal ob mit Kanu, Kajak, Packraft oder SUP – paddelnd in den Heimathafen einzulaufen, macht mich jedes Mal glücklich. In meinem Hamburg ist das mittlerweile gar nicht mehr so leicht, weil der Hafen verdammt groß und für muskelbetriebene Wasserfahrzeuge teilweise Sperrzone ist. Aber wir haben ja noch die Alster, auf der ich mit dem SUP auch schon 30 Kilometer von der Peripherie der Stadt bis zum Jungfernstieg gepaddelt bin. Durch fast jeden größeren Ort fließt ein Fluss. Am besten ein transportables Gefährt schultern, ab in die Bahn, ein Stück weit flussaufwärts fahren, und von dort aus auf dem Wasser retour.

Sieben weitere Ideen gibt es in der Ausgabe 02/2020 von WALDEN.