Stille Strahlen
"Es herrschte Totenstille; die Sonnenstrahlen, die durch die Löcher im Sarkophag fielen, und der feine Staub, der darin tanzte, verwandelten diese Apokalypse in eine seltsame, theatralische Schönheit", schreibt Ivleva später über die Erfahrung im Inneren des Reaktors. "Nie zuvor in meinem Leben habe ich eine so schöne und zugleich tödliche Szene gesehen." Mehrfach schmuggelten die Forschenden die Fotografin mit in das zerstörte Kernkraftwerk. Je näher sie dem Reaktor 4 kamen, desto mehr Strahlung waren sie ausgesetzt. Trotz der Schutzkleidung schädigte die hohe Strahlendosis, der sie ausgesetzt waren, die Gesundheit der Wissenschaftler. Viele Forschende starben an den Folgen. Mit ihren Bildern zollt Ivleva den wenigen Menschen Tribut, die ihr Leben der Erforschung der Ursachen des Unfalls widmeten. 1992 gewann die Russin mit dieser Fotoserie in der Kategorie Wissenschaft und Technologie den World Press Photo Award.
© Victoria Ivleva