Dungeness, südöstlich von London am Ärmelkanal gelegen, ist in mehrfacher Hinsicht einzigartig: Die von Meeresströmungen geschaffene Landzunge ist nicht nur von dem längsten Kiesstrand Europas gesäumt und bietet zahlreichen seltenen Vögeln, Insekten und Pflanzen eine Heimat. Früher nur von Fischern und Lotsen bewohnt, ist die Halbinsel seit Jahrzehnten das Ziel von Aussteigern, Kreativen und Wochenendausflüglern. In deren unmittelbarer Nachbarschaft seit den 1960er-Jahren ein – heute stillgelegtes – Kernkraftwerk entstand, das fortan die Szene dominierte.
Den Fotografen Edward Thompson interessierten allerdings nicht die üblichen Touristenattraktionen in der Umgebung, wie er im Nachwort zu seinem Bildband "Welcome to Dungeness" schreibt. "Stattdessen tat ich das, was ich immer getan habe und wozu ich ausgebildet worden war: Ich fotografierte den Alltag. Für mich ging es darum, Zeit damit zu verbringen, die Einheimischen kennenzulernen. Ich kam immer wieder zurück, um mit ihnen eine Tasse Tee zu trinken und die Sommersonne zu genießen."
Thompson zeichnete Interviews auf und versuchte zu verstehen, was Dungeness war, bevor die vier Reaktorblöcke von Dungeness A und B gebaut wurden. Und er fotografierte mit seiner Mittelformatkamera. "Ich versuchte, ein tieferes Verständnis für das Land selbst zu entwickeln, für die Psychogeografie dessen, was manchmal als die einzige Wüste Großbritanniens bezeichnet wird."
So entstand eine Liebeserklärung an die Bewohnerinnen und Bewohner von Dungeness, voller Bewunderung für die Gelassenheit, mit der sie sich im Spannungsfeld zwischen Fortschritt und Ausstieg, Gefahr und Idylle eingerichtet haben.