Das Schellen Dutzender Kuhglocken tönt durch das Dorf – und dann kommen sie, die "Peluches": Riesen, in Schaf-, Fuchs- und Murmeltierfelle gekleidet. Sie tragen hölzerne Masken mit spitzen Zähnen, Ziegenbockhörnern, Wolfsaugen. Sie schreien und johlen, vertreiben die bösen Geister des Winters. Und stimmen die Menschen dabei zugleich auf die Fastenzeit ein.
Wie im Schweizer Dorf Evolène sind im Alpenraum noch bis heute Dutzende uralter Karnevalsbräuche erhalten geblieben: Es sind nicht bloß Schauspiele für Touristen, sondern gelebte Traditionen. Viele stammen aus vorchristlicher Zeit. Sie entstanden in einer Landschaft, die Siedlern viel abverlangte: harte Winter, Lawinen, Hunger, Isolation. Mit Tänzen, Masken und Lichtern bemühten die Menschen sich um so mehr, Böses von Haus und Hof fernzuhalten. In den Spektakeln triumphieren sie über Kälte und Dunkelheit. Sie feiern die Rückkehr des Lichts.
Unter der Maske sind alle gleich
Die Christianisierung verknüpfte die Bräuche mit Weihnachts- und Fastnachtzeit. Und in dieser Kombination wurden viele der Traditionen bis heute bewahrt, manche blühen gar Jahr für Jahr wilder und bunter auf: Es sind meist junge Menschen, die unter Masken die Tänze und Umzüge fortsetzen. Sie folgen dem zeitlosen Bedürfnis, für einen Moment jemand anderes sein zu können – und gerade dadurch sich selbst zu finden. Sie suchen Halt in der Gruppe: Unter der Maske sind alle gleich.
Der Ethnologe und Fotograf Bernd Römmelt geht solchen Winterbräuchen seit mehr als 25 Jahren mit seiner Kamera nach. Im Buch "Maskenzauber und Dämonentanz" hat er die besten Bilder zusammengefasst – aus Deutschland, Österreich, Italien, Slowenien und der Schweiz. Seine Fotos geben eindrucksvolle Einblicke in eine Kultur, die für viele archaisch und mysteriös wirken mag, doch bis heute identitätsstiftend ist: bunt und magisch.