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Tod in Europa
Im Jahr 1880 lässt der Tierhändler Carl Hagenbeck acht nordamerikanische Inuit nach Hamburg bringen, um sie zur Schau zu stellen. Keiner von ihnen wird seine Heimat wiedersehen
Am 8. August 1880 geht der Schoner "Eisbär" an der Küste Labradors vor Anker. Der Kapitän des Schiffes, der Norweger Johann Adrian Jacobsen, reist im Auftrag des Hamburger Tierhändlers und Schaustellers Carl Hagenbeck. Sein Ziel: die Missionsstation Hebron, eine Handvoll Holzbaracken und eine Holzkirche an der zerklüfteten Küste der Labradorsee. Seit fast 50 Jahren leben hier, in der nördlichsten Siedlung dieses Landstrichs, christianisierte Inuit zusammen mit Herrnhuter Missionaren. Die Inuit nennen sie "Lehrer".
Hagenbeck braucht Eingeborene, "Eskimos", als Ausstellungsobjekte für eine neue Völkerschau.
Zum Erfolg verdammt
Drei Jahre zuvor hat der Hamburger Unternehmer und Schausteller mit einer Eskimoschau einen unternehmerischen Coup gelandet. Das Interesse an menschlicher Exotik ist im vorkolonialen Kaiserreich gut geschürt, der Besucherandrang in "Hagenbeck's Thierpark" am Neuen Pferdemarkt enorm. Für Hagenbeck endete die Unternehmung als wirtschaftlicher Erfolg, die junge Wissenschaft von den Menschen anderer Erdteile, allen voran der Mediziner Rudolf Virchow, reagierte enthusiastisch. Es war ebenfalls Jacobsen, der mit gutem Zureden und dem Versprechen, leichtes Geld zu verdienen, drei Inuit von Grönland mitgebracht hatte. Die kehrten nach wenigen Monaten gesund und - vergleichsweise - vermögend in ihre Heimat zurück.
Jetzt sucht Hagenbeck den Anschlusserfolg. Doch für seinen Agenten gestaltet sich die Anwerbung diesmal ungleich schwieriger: In Grönland verweigert die dänische Botschaft die Ausreisegenehmigung für die Inuit. Voller Verzweiflung und Angst vor dem persönlichen Ruin entscheidet sich Jacobsen, weiter westlich, an der Küste Labradors, nach Personal zu suchen. Doch in Hebron sind es nun die Herrnhuter Missionare, die sich dem Norweger in den Weg stellen; eindringlich warnen sie ihre getauften Schützlinge davor, sich in Europa wie wilde Tiere ausstellen zu lassen.
Immerhin gelingt es Jacobsen schließlich, einen bekehrten Inuit als Übersetzer und Lotsen anzuwerben: den 35-jährigen Abraham Ulrikab.
"Der Mann drei Mark, die Frau zwei Mark"
Die verzweifelte Suche nach weiteren Reisewilligen führt Jacobsen in nordwestlicher Richtung die Küste entlang. In Nakvak, einem Posten der Hudson-Bay-Company, wird er fündig. Hier leben "wilde Eskimos", Inuit, die sich der Christianisierung widersetzen. Mit Abrahams Unterstützung kann Jacobsen den etwas über 40-jährigen Schamanen Terrianiak, seine Frau Paingo, ebenfalls Schamanin - über ihr Alter ist nichts bekannt -, und ihre Tochter Noggasak, ein Mädchen von vielleicht 15 Jahren, zur Mitreise überreden.Zurück in Hebron, ist auch Abraham, der Geige spielen, schreiben und zeichnen kann, bereit, Jacobsen nach Europa zu begleiten. Er ist so gründlich christianisiert, dass er darauf brennt, seine Brüder im Glauben kennen zu lernen. Und noch etwas treibt ihn. Bruder Kretschmer, derselbe, der später die Tagebuchaufzeichnungen Abrahams aus Europa übersetzten wird, schreibt besorgt in die Zentrale nach Herrnhut:
Der versprochene Lohn, täglich der Mann drei Mark, die Frau zwei Mark, das Kind eine Mark, das macht natürlich viel zusammen, und sie würden dann nächstes Jahr mit viel Bezahlung und Geschenken zurückkehren. Abraham hat mit seiner Familie letzten Winter sehr Not gelitten. Im nächsten Winter steht ihm dasselbe bevor, da er im Frühjahr sehr wenig erwerben und seine zehn Pfund Schulden nicht tilgen konnte. Da will er sich nun jetzt in Europa Geld zu einem Netz schenken lassen, um dann seine Schulden bezahlen zu können.
Die Missionare stellten zwar in ihren Stores die Güter des täglichen Bedarfs bereit. Doch die im Umgang mit Geld ungeübten Inuit tappten oft in die Schuldenfalle.
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Kommentare zu "Tod in Europa"
Soy Mario Agreda, indio de America y estoy interesado en el articulo sobre los.