GEO: In Ihrem Buch "Tierwelt am Limit" geht es um Anpassungsstrategien von Tieren im Zeitalter des Menschen – und um die Grenzen dieser Anpassungsfähigkeit. Lassen Sie uns zuerst über das Gelingen sprechen. Sie schildern erstaunliche Fälle. Welche sind Ihre Favoriten?
Prof. Dr. Norbert Sachser: Wenn man ganz grob unterteilt, gibt es zwei große Anpassungsstrategien. Die eine nennen wir Mikroevolution, bei der die besser angepassten Individuen überleben und ihre genetische Ausstattung weitergeben. Die andere ist phänotypische Plastizität. Damit ist gemeint, dass Individuen innerhalb ihres Lebens Strategien entwickeln, mit Herausforderungen in ihrer Umwelt klarzukommen. Ein faszinierendes Beispiel dafür sind für mich die Gelbhaubenkakadus in Sydney. Die Papageien haben innerhalb kürzester Zeit einen Weg gefunden, mit der rasanten Urbanisierung ihres Lebensraums zurechtzukommen – indem sie Mülltonnen öffnen und durchsuchen. Ein oder zwei Tiere haben das mal "erfunden", und jetzt lernen es immer mehr. Sie haben sich an etwas angepasst, das für andere Tierarten ein Riesenproblem darstellt.