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Anpassungsstrategien Wie Tiere das Anthropozän meistern – oder an ihm scheitern

Verblüffende Beispiele zeigen, wie sich manche Arten an die menschengemachte Umwelt anpassen. Die Biologen Norbert Sachser und Niklas Kästner erklären, warum die meisten Tiere aber an Grenzen stoßen
Gelbhaubenkakadus in Sydney haben gelernt, Mülltonnen zu öffnen – und öffentliche Wasserspender zu bedienen
Gelbhaubenkakadus in Sydney haben gelernt, Mülltonnen zu öffnen – und öffentliche Wasserspender zu bedienen
© Annalucia / Visually / picture alliance

GEO: In Ihrem Buch "Tierwelt am Limit" geht es um Anpassungsstrategien von Tieren im Zeitalter des Menschen – und um die Grenzen dieser Anpassungsfähigkeit. Lassen Sie uns zuerst über das Gelingen sprechen. Sie schildern erstaunliche Fälle. Welche sind Ihre Favoriten?

Prof. Dr. Norbert Sachser leitete 25 Jahre das Institut für Verhaltensbiologie an der Universität Münster und gilt in Fachkreisen als Wegbereiter der deutschen Verhaltensbiologie. Sein Buch "Der Mensch im Tier" war ein Bestseller (Rowohlt Verlag, online auch hier erhältlich) . In seiner Forschung beschäftigt sich Sachser mit dem Wohlergehen der Tiere, der Entwicklung und Evolution des Sozialverhaltens sowie der Biologie der Individualität
Prof. Dr. Norbert Sachser leitete 25 Jahre das Institut für Verhaltensbiologie an der Universität Münster und gilt in Fachkreisen als Wegbereiter der deutschen Verhaltensbiologie. Sein Buch "Der Mensch im Tier" war ein Bestseller (Rowohlt Verlag, online auch hier erhältlich) . In seiner Forschung beschäftigt sich Sachser mit dem Wohlergehen der Tiere, der Entwicklung und Evolution des Sozialverhaltens sowie der Biologie der Individualität
© Peter Leßmann

Prof. Dr. Norbert Sachser: Wenn man ganz grob unterteilt, gibt es zwei große Anpassungsstrategien. Die eine nennen wir Mikroevolution, bei der die besser angepassten Individuen überleben und ihre genetische Ausstattung weitergeben. Die andere ist phänotypische Plastizität. Damit ist gemeint, dass Individuen innerhalb ihres Lebens Strategien entwickeln, mit Herausforderungen in ihrer Umwelt klarzukommen. Ein faszinierendes Beispiel dafür sind für mich die Gelbhaubenkakadus in Sydney. Die Papageien haben innerhalb kürzester Zeit einen Weg gefunden, mit der rasanten Urbanisierung ihres Lebensraums zurechtzukommen – indem sie Mülltonnen öffnen und durchsuchen. Ein oder zwei Tiere haben das mal "erfunden", und jetzt lernen es immer mehr. Sie haben sich an etwas angepasst, das für andere Tierarten ein Riesenproblem darstellt.