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Erdüberlastungstag 2021 Weltweiter Ressourcenverbrauch fast wieder auf Vor-Corona-Niveau

Tagebau in Sachsen: Der globale Verbrauch natürlicher Ressourcen hat nach Experten-Schätzungen Mitte 2021 wieder etwa das Niveau vor dem Beginn der Corona-Pandemie erreicht
Tagebau in Sachsen: Der globale Verbrauch natürlicher Ressourcen hat nach Experten-Schätzungen Mitte 2021 wieder etwa das Niveau vor dem Beginn der Corona-Pandemie erreicht
© Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
Nach einer kurzen Verschnaufpause für die Erde im Corona-Jahr 2020 verbraucht die Menschheit wieder fast so viele Ressourcen wie zuvor. Das hat die Organisation Global Footprint Network errechnet

Der globale Verbrauch natürlicher Ressourcen hat nach Experten-Schätzungen wieder etwa das Niveau vor dem Beginn der Corona-Pandemie erreicht. Im Jahr 2021 liegt der sogenannte Erdüberlastungstag (Earth Overshoot Day) auf diesem Donnerstag (29.7.), wie aus Berechnungen des Global Footprint Networks mit Sitz in den USA und der Schweiz hervorgeht. An diesem Datum sind demnach alle erneuerbaren Ressourcen für das laufende Jahr aufgebraucht. Wichtigster Indikator dafür ist der CO2-Ausstoß.

Vor einem Jahr fiel der Stichtag pandemiebedingt erst auf den 22. August, 2019 war er schon am 26. Juli erreicht. "Dass wir jetzt wieder am 29. Juli angelangt sind – fast so früh wie 2019 – zeigt: Die Auswirkungen der Lockdowns waren nur vorübergehend, der Raubbau an unserem Planeten geht weiter", sagte der Sprecher der Umweltorganisation Germanwatch, Steffen Vogel, der Deutschen Presse-Agentur. "Wir erleben nun den befürchteten Rebound-Effekt, das sprunghafte Wiederansteigen der Emissionen nach dem Höhepunkt der Pandemie."

2020 fast zehn Prozent geringerer Ressourcenverbrauch

Im Corona-Jahr 2020 hatten Wissenschaftler der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung gemeinsam mit dem Global Footprint Network geschätzt, dass die Pandemie den Verbrauch natürlicher Ressourcen durch die Menschheit um fast zehn Prozent schrumpfen ließ. Germanwatch kritisiert, dass der Ressourcenverbrauch weltweit nun wieder deutlich steigt, obwohl die Pandemie noch nicht überwunden ist. "Vor allem der Amazonas-Regenwald wird aktuell im Rekordtempo zerstört. Allein im Mai ist er um eine Fläche geschrumpft, die größer ist als die gesamte Landesfläche Berlins", betonte Vogel.

Der Termin des Erdüberlastungstages wird jährlich vom Global Footprint Network, einer in den USA und der Schweiz ansässigen Denkfabrik errechnet. Er wird sowohl für einzelne Länder als auch für den gesamten Planeten angegeben. Ab dem errechneten Stichtag hat die Bevölkerung eines Landes – oder die Menschheit insgesamt – alle natürlichen Ressourcen verbraucht, die im Laufe eines Jahres erzeugt werden können. Dabei werden zwei rechnerische Größen gegenübergestellt: zum einen die biologische Kapazität der Erde zum Aufbau von Ressourcen sowie zur Aufnahme von Müll und Emissionen, zum anderen der Bedarf an Wäldern, Flächen, Wasser, Ackerland und Fischgründen, den die Menschen derzeit für ihre Lebens- und Wirtschaftsweise verbrauchen.

Wenn alle Menschen der Erde so lebten wie die Deutschen, wäre der Erdüberlastungstag sogar schon am 5. Mai dieses Jahres erreicht gewesen.

Die Deutschen verbrauchen umgerechnet drei Planeten

Ausdrücken lässt sich der nicht-nachhaltige Ressourcenverbrauch vieler Länder auch in Planeten: So bräuchte die Weltbevölkerung rechnerisch etwa 1,7 Planeten. Würden alle Menschen wirtschaften wie die Deutschen, wären sogar 2,9 Planeten erforderlich. Besonders verschwenderisch haushalten demnach die USA: Hochgerechnet auf die Weltbevölkerung, wären sogar fünf Planeten notwendig, um den Ressourcenbedarf des Landes zu decken.

Während der globale Ressoucenverbrauch im Jahr 1970 erstmals die Biokapazität der Erde überstieg, verlagerte sich der Erdüberlastungstag fast kontinuierlich nach vorne – mit einer Unterbrechung im Corona-Jahr 2020.

Germanwatch-Expertin Marie Heitfeld weist darauf hin, dass Appelle an Bürgerinnen und Bürger, ressourcenschonend zu leben, nicht ausreichen. "Um die notwendigen Veränderungen schnell genug zu erreichen, brauchen wir andere Rahmenbedingungen. Nachhaltiges und sozial verantwortliches Verhalten muss einfacher, naheliegender und preiswerter werden”, sagt die Referentin für Bildung für nachhaltige Entwicklung bei Germanwatch.

mit dpa

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