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Körperchemie: Die Macht der Hormone
Sie entscheiden mit über Stimmungen, die Stabilität einer Partnerschaft, den beruflichen Erfolg und selbst über das Wohlbefinden in der zweiten Lebenshälfte: Chemische Botenstoffe lenken den Menschen durchs Leben
Geistes- und Naturwissenschaftler streiten oft darüber, was für die Formung der Persönlichkeit entscheidend sei: die Gene, die Umwelt oder beide zusammen. Nur selten wird dabei über eine ganz andere Macht geredet: die Hormone – jene biochemischen Botenstoffe, die Informationen zwischen Organen und Geweben übertragen.
Dabei gibt es kaum eine Situation im Leben, in der diese körpereigenen Substanzen nicht im Hintergrund agieren. Sie wirken auf den Körper, indem sie etwa Wachstum, Fruchtbarkeit oder Hunger steuern; sie beeinflussen aber auch das Denken, das Handeln und selbst Gefühle wie Angst, Wut oder Liebe.
Botenstoffe prägen sogar den Charakter
„Ich bin davon überzeugt, dass Hormone Schlüssel sind für das Verständnis unseres Verhaltens und unserer Persönlichkeit“, sagt der Ulmer Endokrinologe Martin Wabitsch. Das individuell so unterschiedliche Hormonprofil präge sogar den Charakter.
Rund 150 der machtvollen Botenstoffe sind Wissenschaftlern bislang bekannt, aber vermutlich gibt es noch weit mehr. Alle Hormone arbeiten nach einem ähnlichen Prinzip: Sie docken an speziell auf sie zugeschnittene Rezeptoren einer Zelle an, um ihre Botschaft ins Innere zu übermitteln, wo dann eine körperliche Reaktion ausgelöst wird, wie etwa ein Hungergefühl.
Erzeugt werden Hormone in den endokrinen Drüsen, als Transportweg nutzen die meisten die Blutbahnen. Die Bauchspeicheldrüse schüttet beispielsweise das den Blutzuckerspiegel regulierende Insulin aus, Eierstöcke und Hoden die weiblichen und männlichen Geschlechtshormone, die Nebenniere unter anderem das Stresshormon Adrenalin. Manche Hormone können Verhalten und Emotionen direkt beeinflussen. So wirkt das Geschlechtshormon Progesteron wie ein Beruhigungsmittel, Serotonin hebt die Stimmung, Cortisol wird in Stresssituationen ausgeschüttet.
Gene und Lebenstil beeinflussen unseren Hormonhaushalt
Allerdings agieren die Substanzen nicht autonom – die Funktion der endokrinen Drüsen wird beeinflusst von der Wirkungsweise der Gene; so ist es etwa vererbt, ob ein Mann einen eher hohen oder niedrigen Testosteronspiegel hat. Auch der jeweilige Lebensstil beeinflusst die Hormone: Ernährung, Sport, Stress, positive und negative Emotionen – all das wirkt zurück auf den Hormonhaushalt. Übergewicht etwa erhöht den Östrogenspiegel.
Häufig kommt es zu komplexen Interaktionen von Genen, Umwelteinflüssen und Hormonen. In den Wechseljahren etwa nimmt bei manchen Frauen die Konzentration von Cortisol derart zu, dass sie dem Hormonspiegel depressiver Menschen entspricht. Doch längst nicht alle Frauen in der Menopause werden schwermütig. „Es müssen verschiedene Umstände zusammenkommen“, erklärt Isabella Heuser, Direktorin der Klinik für Psychiatrie an der Berliner Charité, die über Hormone im Alter forscht. „Manche Frauen sind genetisch zu einer Depression veranlagt, die vorher nicht zum Tragen kam, aber nun durch die Hormone ausgelöst wird. Oder äußere Einflüsse begünstigen eine Niedergeschlagenheit, wenn etwa die Kinder aus dem Haus sind oder die Frau von ihrem Mann verlassen wird.“
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