Auf der Spur der Madonna
In der Nacht des 7. August 1962 bricht eine Räuberbande in die Wallfahrtskirche St. Maria im Weingarten bei Volkach in Unterfranken ein. Die Männer reißen die mehr als 400 Jahre alte, 1,72 Meter hohe Rosenkranzmadonna von Tilman Riemenschneider aus ihrer Fassung, verladen die Holzfigur und weitere Gegenstände aus der Kirche in einen Pritschenwagen und fahren davon. Weil die Polizei im Dunkeln tappt, schaltet sich Henri Nannen ein, Chefredakteur des "Stern" und studierter Kunsthistoriker (hier links). Er startet die Kampagne "Gebt die Madonna von Volkach zurück!" und verspricht der Diebesbande für die Rückgabe ein "Lösegeld" von 100.000 Mark sowie Verschwiegenheit. Die umstrittene Aktion bringt die Wende: Die Figur taucht Anfang November 1962 wieder auf, nachdem die Räuber sie bei einem Feld nahe Nürnberg abgelegt hatten. Die Polizei schnappt die Täter schließlich noch: Die Bande unternimmt weitere Raubzüge, bei denen Ermittler mehrere Mitglieder festnehmen, die auch den Raub der Madonna gestehen.
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