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Ozeane Studie zeigt: Fischschwärme durchmischen Küstengewässer ähnlich wie Stürme

Fischschwarm
Eine Studie zeigt, dass das Laichen der Fische zu Turbulenzen im Wasser führen kann
© whitcomberd / Adobe Stock
Ein Sturm auf offenem Meer peitscht nicht nur das Wasser an der Oberfläche auf, sondern durchmischt das Wasser bis in große Tiefe. Einen ähnlichen Effekt können Fischschwärme haben - allerdings nicht überall

Fische können in Küstengewässern erhebliche Turbulenzen erzeugen und ähnlich wie ein Sturm die Wasserschichten durchmischen. Forscher beobachteten dies beim nächtlichen Laichen von Sardellen in einer Bucht der Iberischen Halbinsel. Die "Biodurchmischung" habe vermutlich eine größere Bedeutung für die Ökologie der Küstengewässer als bislang angenommen, schreiben die Forschenden im Fachmagazin "Nature Geoscience".

Durchmischung beeinflusst das Ökosystem

Das Wasser der Ozeane ist von der Oberfläche bis zum Grund geschichtet: Oben ist das Wasser wärmer und besitzt eine geringere Dichte als in größerer Tiefe. Wind und die Gezeiten seien die wesentliche Kräfte, die das Wasser der Ozeane durchmischten, schreiben die Wissenschaftler um Bieito Fernández Castro von der University of Southampton (Großbritannien) in ihrer Studie. Dabei werden Nährstoffe, Sauerstoff, Wärme und auch Schadstoffe über die Wassersäule verteilt. Die Durchmischung beeinflusst das Ökosystem also erheblich.

Messungen sind extrem schwierig

Bereits seit längerem werde diskutiert, ob auch schwimmende Organismen - vom winzigen Zooplankton über Fische bis hin zu großen Meeressäugern - substanzielle Turbulenzen erzeugen könnten, zumindest auf regionaler Ebene, schreiben die Forscher weiter. Messungen dazu seien allerdings extrem schwierig, etwa weil man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein muss. Bisherige Ergebnisse deuteten darauf hin, dass der Effekt allenfalls klein ist.

Fernández Castro und sein Team hatten nun für insgesamt 15 Tage Messungen in der Bucht Ría de Pontevedra in Nordostspanien gemacht. Sie bestimmten Temperatur und Strömung des Wassers auf kleinen Skalen über die Wassersäule hinweg. Jede Nacht registrierten sie auf diese Weise erhebliche Turbulenzen - obwohl es keine starken Winde gab. Akustische Signale deuteten darauf hin, dass sich in der Nähe der Messgeräte ein großer Fischschwarm befindet. Tatsächlich holten die Wissenschaftler bei Probennahmen unzählige Eier von Sardellen (Engraulis encrasicolus) aus dem Wasser.

Turbulenzen wurden beim Laichen erzeugt

Die Turbulenzen wurden von den Fischen beim Laichen erzeugt, folgern die Forscher. "Frühere Studien legen nahe, dass biologische Turbulenzen nur eine geringe Durchmischung verursachen, weil die kreisförmigen Bewegungen des Wassers, die die Fische beim Schwimmen erzeugen, zu klein sind", erläutert Fernández Castro. "Dies trifft sicherlich auf den offenen Ozean zu, wo Temperaturschwankungen über Dutzende von Metern auftreten. Wir haben jedoch gezeigt, dass die Sardellen in Landnähe, wo sich die Schichten über eine viel kürzere Distanz verändern, in der Lage sind, sie zu vermischen."

Die besonderen Bedingungen vor Ort spielten dabei vermutlich eine wesentliche Rolle: "Wir glauben, dass die biologische Durchmischung bei unseren Beobachtungen stark war, weil die Bucht stark geschichtet ist - die Temperatur und andere Eigenschaften variieren in verschiedenen Tiefen erheblich." Während die Biodurchmischung auf dem offenen Meer vermutlich keine große Rolle spiele, sei sie für die Küstenökosysteme von erheblicher Bedeutung.

Anja Garms, dpa

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