Am 20. März um 15:46 Uhr überquert die Sonne den Himmelsäquator, ihr Zenitstand wandert von der Süd- auf die Nordhalbkugel. Wir erleben die Tag-und-Nacht-Gleiche, jenen Moment im Jahreskreis, an dem sich die hellen und dunklen Stunden des Tages nahezu überall auf der Welt die Waage halten. Auf der Nordhalbkugel beginnt damit der Frühling. Anschließend nimmt das Tageslicht bei uns stetig zu. Am 29. März stellen wir außerdem unsere Uhren wieder auf mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) um eine Stunde vor.
Der Sternenhimmel im Frühling ist weniger prächtig als der des Winters, hält aber dennoch einige schöne Highlights für uns bereit. Recht leicht zu finden ist das Sternbild Löwe mit dem hellen Stern Regulus. Ihm folgt im Tierkreis die Jungfrau mit der bläulich leuchtenden Spica. Über der Jungfrau steht der Bärenhüter mit dem orange-roten Stern Arktur. Arktur, Spica und Regulus formen gemeinsam das großflächige Frühlingsdreieck.
Als Ausgangspunkt für die Beobachtung des Frühlingshimmels empfiehlt sich der Große Wagen. Er steht nun fast im Zenit und ist besonders gut zu sehen. Seine hinteren Kastensterne zeigen zum Polarstern im Kleinen Wagen. Folgen wir dem Schwung seiner Deichsel, sehen wir den roten Riesenstern Arktur im Bärenhüter. Rechts unterhalb davon funkelt die Spica. Regulus im Löwen sehen wir schließlich weit rechts oberhalb von Spica, direkt unterhalb des Kastens des Großen Wagens. Am 6. März hilft uns der Mond dabei, die typischen Frühlingssterne zu entdecken. Denn gegen Mitternacht bildet er ein helles Duo mit der Spica, die unmittelbar über ihm leuchtet.
Löwe, Jungfrau und Bärenhüter
Das Sternbild Löwe steht besonders auffällig am Frühlingshimmel. Sein Körper wird von einem großen Sternentrapez geformt, während ein kleines Trapez seinen Kopf bildet. Manche sehen in seinem Kopf auch eher eine Sichel – oder ein Fragezeichen, dessen Punkt vom Stern Regulus gebildet wird.
Im Umfeld des Löwen finden wir einige interessante Beobachtungsobjekte für das Fernglas oder Teleskop. Zum Beispiel das Leo-Triplett aus den Galaxien M 65, M 66 und NGC 3628, das bereits mit einem guten Fernglas sichtbar ist. Ähnlich gut zu sehen ist das Galaxienpaar M 95 und M 96. Sowohl das Leo-Triplett als auch das Galaxienpaar befinden sich etwas unterhalb des majestätischen Himmelstiers. Nahe dem äußeren Stern des Löwen, der die Spitze seiner "Kopf-Sichel" formt, hat der dem Planetarium Hamburg verbundene Hobby-Astrofotograf Bruno Mattern die Galaxie NGC 2903 eingefangen. Die beeindruckende Balkenspiralgalaxie ist etwa 30 Millionen Lichtjahre von unserer Milchstraße entfernt.
Die Jungfrau ist nach der Wasserschlange das größte Sternbild an unserem Himmel. Sein Hauptstern ist die Spica. Der bläulich leuchtende Stern besteht eigentlich aus zwei sehr heißen Sonnen, die einander umkreisen. Oberhalb der Jungfrau kann man mit einem Teleskop den Virgo-Galaxienhaufen entdecken. "Virgo" bedeutet Jungfrau. Von unserer Milchstraße ist das Zentrum des faszinierenden Beobachtungsobjekts gut 54 Millionen Lichtjahre entfernt. Der Millionen Lichtjahre große Galaxienhaufen beinhaltet bis zu 2000 Galaxien. Sein berühmtestes Objekt ist die gigantische elliptische Galaxie M 87. In ihrem Zentrum gelang es Forschenden 2019 zum ersten Mal, ein Schwarzes Loch zu fotografieren. Bruno Mattern hat im Virgo-Galaxienhaufen unter anderem die beeindruckende Spiralgalaxie M 100 fotografiert.
Der Bärenhüter ist wie eine Eistüte oder wie ein Kinderdrachen geformt, der zum Himmel aufgestiegen ist. Er beherbergt mit Arktur den hellsten Stern am Nordhimmel. Nur Sirius am Winterhimmel ist noch auffälliger. Doch der Hauptstern des Sternbilds Großer Hund gehört zum südlichen Himmel. Arktur ist etwa 25-mal so groß wie unsere Sonne und befindet sich nur 37 Lichtjahre von uns entfernt. Im Gegensatz zum Löwen und zur Jungfrau lassen sich im Bärenhüter kaum Galaxien finden, die man mit einem Fernglas oder einem Teleskop beobachten könnte.
Nicht nur die Sterne, auch zwei Planeten bieten uns im März manch hübschen Anblick. Die Venus wird langsam wieder ihrem Ruf als heller Abendstern gerecht. Aber noch stiehlt sie dem hellen Jupiter nicht die Show, da sie bereits recht früh unter den Horizont sinkt. Der Gasriese Jupiter zieht sich aus der zweiten Nachthälfte zurück, steht aber mit leichtem Helligkeitsverlust noch immer auffällig am Abendhimmel. Andere Planeten sehen wir in diesem März nicht am Firmament.