Himmelskörper Komet nähert sich der Erde: Was man nun über 3I/Atlas wissen muss

Himmelskörper: Komet nähert sich der Erde: Was man nun über 3I/Atlas wissen muss
© NASA, ESA, David Jewitt (UCLA); Image Processing: Joseph DePasquale (STScI)
Video: GEO; Bild: NASA, ESA, David Jewitt (UCLA); Image Processing: Joseph DePasquale (STScI)
Im Dezember kommt der Komet 3I/Atlas der Erde am nächsten. Müssen wir uns Sorgen mache? Und lässt er sich direkt beobachten?

Erst zum dritten Mal überhaupt hat die Menschheit einen "Besucher von einem anderen Stern" in unserer kosmischen Heimat entdeckt. Was es mit dem kosmischen Flitzer auf sich hat, erklärt Dr. Björn Voss vom Planetarium Hamburg im Video. Im Folgenden beantworten wir weitere Fragen. 

Warum ist 3I/Atlas besonders?

Immer mal wieder fliegen Kometen an der Erde vorbei, die aus unserem Sonnensystem stammen. 3I/ATLAS hingehen ist ein interstellares Objekt – und erst das dritte bestätigte nach 1I/ʻOumuamua und 2I/Borisov. Interstellare Kometen sind Himmelskörper aus anderen Sternsystemen, die unseres mit hoher Geschwindigkeit passieren.

Jeder Planet, jeder Mond, jeder Asteroid, jeder Komet und jede Lebensform in unserem Sonnensystem haben einen gemeinsamen Ursprung – nur interstellare Kometen sind Außenseiter. 3I/ATLAS wurde Anfang Juli mit dem "ATLAS"-Teleskop im chilenischen Río Hurtado entdeckt. Der zigarrenförmige, etwa 400 Meter lange 1I/'Oumuamua war 2017 an der Sonne vorbeigeflogen, 2019 folgte 2I/Borisov.

Woher kommt 3I/Atlas?

Die genaue Herkunft des Kometen konnten Forschende bisher nicht bestimmen. Vermutlich bewegt er sich bereits mehrere Milliarden Jahre durch die Galaxie und stammt aus der sogenannten dicken Scheibe, einem aus älteren Sternen bestehenden Strukturelement der Milchstraße, wie es bei der europäischen Raumfahrtbehörde Esa heißt.

Was passiert nun?

3I/ATLAS durchfliegt unser Sonnensystem – und das rasend schnell mit bis zu etwa 250.000 Kilometern pro Stunde, der höchsten bisher für einen Sonnensystembesucher verzeichneten Geschwindigkeit. Zum Vergleich: Die Erde bewegt sich auf ihrer Bahn um die Sonne mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von etwas über 100.000 Kilometern pro Stunde. Am nächsten soll der von Gas und Staub umhüllte Komet unserem Planeten am 19. Dezember kommen. Bald darauf wird er der Esa zufolge in den Tiefen des Weltalls verschwinden – und nie zurückkehren.

Kann ich den Kometen sehen?

Das bloße Auge oder ein Fernglas reichen dafür nicht. Weltraumenthusiasten konnten 3I/Atlas zuletzt noch mit einem mittelgroßen Teleskop tief im Osten im Morgenhimmel sehen. Doch der Esa zufolge geht man davon aus, dass 3I/Atlas etwas an Strahlkraft verlieren wird. Ein größeres Teleskop könnte dann nötig sein. Die besten Chancen gibt es an entlegenen Orten mit wenig Lichtverschmutzung. Die gute Nachricht: "In diesen Wochen wird der Komet eine höhere Position vor Sonnenaufgang erreichen, was die Beobachtung komfortabler macht." Sternwarten und astronomische Einrichtungen bieten verschiedene Beobachtungsmöglichkeiten an.

Wird es im Dezember gefährlich?

Nein. Wenn der Komet uns am 19. Dezember am nächsten kommt, wird er sich auf der anderen Seite der Sonne befinden – in einer Entfernung von 270 Millionen Kilometern. Zum Vergleich: Die mittlere Distanz von der Erde zur Sonne beträgt etwa 150 Millionen Kilometer. Die Esa versichert: Auch für andere Planeten in unserem Sonnensystem ist der weitgereiste Gast harmlos.

Hera mit ihren zwei Cube Sats

Hera-Mission Hunderttausende Asteroiden kreisen nahe der Erdumlaufbahn. Was tun, wenn einer davon auf uns zurast?

Einschläge großer Asteroiden sind selten, aber unausweichlich. Um künftige Katastrophen abzuwenden, durchmustern Forschende den Himmel genauer als je zuvor. Sie schmieden Notfallpläne für die Vereinten Nationen und erproben, wie sich Gefährder aus dem All ablenken lassen. Ihr nächster großer Wurf: Die europäische Sonde "Hera", die am 7. Oktober gestartet ist

Was ist so spannend an 3I/Atlas?

"Interstellare Kometen sind echte Außenstehende, die Hinweise über die Bildung von Welten tragen, die weit jenseits unserer eigenen liegen", heißt es von der Esa. Astrophysiker Chris Lintott erklärt: "Dies ist ein Objekt aus einem Teil der Galaxie, den wir noch nie aus der Nähe gesehen haben."

Außerdem scheint sich 3I/Atlas deutlich von seinen zwei Vorgängern zu unterscheiden. Laut dem Astronomie-Forschungszentrum NOIRLab in Tucson (USA) ist er mit einem Durchmesser von geschätzt 20 Kilometern deutlich größer als die bisher beobachteten Gäste aus der Tiefe des Weltraums. Auch bewege er sich auf einer deutlich gestreckteren Bahn.

3I/Atlas könnte der älteste je beobachtete Komet sein: Forschende der britischen Universität Oxford gehen davon aus, dass er möglicherweise über sieben Milliarden Jahre alt ist – und damit mehr als drei Milliarden Jahre älter als unser Sonnensystem.

Wie selten sind interstellare Kometen?

Bisher ist nicht klar, ob solche Besucher selten sind – oder schwer zu erfassen. "Es gibt da einen Verdacht", sagte Astronom Rainer Kresken vom Planetary Defence Office der Esa in Darmstadt. "Nämlich, dass schon ziemlich viele von solchen Objekten beobachtet worden sind. Aber unter der Annahme, dass die in einer Umlaufbahn um die Sonne sind, hat man das gar nicht richtig weiter verfolgt." Interstellare Gäste könnten also häufig da gewesen und auch gesehen, aber nicht als exotische Besucher erkannt worden sein.