Astrohighlights im Februar Unser vernachlässigter Schwesterplanet: Die Geheimnisse der Venus

Planet Venus unterhalb der Mondsichel
Zweimal im Jahr schiebt sich der Mond (Sichel) zwischen Erde und Venus (weißer Punkt). Dann bedeckt der Trabant den Schwesterplaneten kurzzeitig oder kommt ihm, wie hier, am Nachtimmel ganz nahe
© Saurabh Sirohiya / ZUMA Press Wire / picture alliance
Passend zum Valentinstag erscheint die Venus wieder am Abendhimmel. Mariana Wagner vom Planetarium Hamburg erzählt ihre wechselvolle Geschichte

Als Abendstern leuchtet die Venus Anfang Februar noch unauffällig am Firmament. Mit den Wochen wird sie sich aber zum auffälligsten aller frei sichtbaren Sterne und Planeten entwickeln, zum hellsten Himmelskörper am Nachthimmel neben dem Mond, denn ihre dicke Atmosphäre aus Schwefelsäurewolken reflektiert fast 70 Prozent des Sonnenlichts. 

Forschende der NASA vermuten, dass die Venus einst ein lebensfreundlicher Planet gewesen sein könnte – und das für einen Zeitraum von drei Milliarden Jahren. Ihre Modelle legen nahe, dass auf der Venus ein mildes Klima herrschte, flüssiges Wasser und sogar Ozeane vorhanden gewesen sein könnten. Eine zweite Erde sozusagen. Die Dichte, Größe und Masse der Venus ähneln denen der Erde. Doch eine rätselhafte Katastrophe soll unseren inneren Nachbarplaneten vor etwa 700 Millionen in eine Treibhaushölle verwandelt haben, die auch eine Erforschung durch die Weltraumagenturen erschwert.

Vom möglichen Zwilling der Erde zum kosmischen Inferno

Die dramatische Veränderung der Venus wurde wahrscheinlich durch den Ausstoß einer enormen Menge an Kohlendioxid und Wasserdampf verursacht. Da diese Gase innerhalb kurzer Zeit freigesetzt wurden, konnten sie nicht wieder vom Gestein des Planeten aufgenommen werden und veränderten die Atmosphäre unserer Nachbarwelt. Infolgedessen heizte sich die Venus extrem stark auf und wurde zu dem lebensfeindlichen Ort, der sie heute ist: Sie ist von einer 20 Kilometer dicken Wolkenschicht aus Schwefelsäure umgeben, und ihre Atmosphäre besteht zu 96 Prozent aus Kohlendioxid. Auf ihrer Oberfläche herrschen Temperaturen von rund 450 Grad Celsius. Dazu kommt ein Druck wie in 1000 Meter Meerestiefe.

Dr. Mariana Wagner ist Astrophysikerin sowie Musikproduzentin und arbeitet im Planetarium Hamburg. Für GEO beschreibt sie monatlich, welche Highlights uns am Sternenhimmel erwarten
Dr. Mariana Wagner ist Astrophysikerin sowie Musikproduzentin und arbeitet im Planetarium Hamburg. Für GEO beschreibt sie monatlich, welche Highlights uns am Sternenhimmel erwarten
© Wolfgang Köhler

Doch nicht nur die mögliche dramatische Vergangenheit der Venus, auch ihr Wesen als kosmischer Himmelskörper ist spannend. Denn sie dreht sich nicht wie alle anderen Planeten in Richtung ihrer Sonnenumrundung. Würden wir uns bei klarer Sicht auf der Venus befinden, könnten wir den Sonnenaufgang im Westen und den Sonnenuntergang im Osten beobachten. Und noch etwas macht die Venus besonders: Ein Venustag dauert länger als ein Venusjahr. Denn sie rotiert irrsinnig langsam um die eigene Achse und braucht für eine komplette 360-Grad-Drehung länger als für eine Sonnenumrundung. Und so dauert ein Tag auf der Venus 243 Erdentage – ein Jahr hingegen nur 225 Tage.

Spuren von Leben

Die dicke Wolkendecke der Venus machte sie zu einem beliebten Forschungsobjekt. Außerdem kann sie uns mit 38.000.000 Kilometern so nah wie kein anderer Planet kommen. Nicht ohne Grund gab es bereits gut 30 gelungene Missionen unterschiedlicher Nationen zu unserem Nachbarplaneten. Manche Sonden erreichten die Venus bereits innerhalb von vier Monaten. Erwartungsgemäß gingen Landefähren jedoch aufgrund der extremen Bedingungen schon nach kurzer Zeit kaputt. Aus der Umlaufbahn hingegen ließ sich die Oberfläche der Venus per Radar durch die Wolken kartieren, und sogar Fotos der Oberfläche konnten erstellt werden.

Diese Aufnahme, mit speziellen Geräten erstellt und am Computer montiert, zeigt die heiße Oberfläche der Venus. Dort herrschen Temperaturen um die 450 Grad Celsius. In der Realität verschleiern Wolken und eine dichte, trübe Atmosphäre die Sicht

Exobiologie Die Venus: Gibt es hier wohl Leben?

Forschende wollen in der Atmosphäre der Venus das Gas Phosphan entdeckt haben, das biologischen Ursprungs sein könnte. Doch die vermeintliche Sensation entpuppt sich als Lehrstück über die Tücken der Exobiologie

In den oberen Luftschichten der Venus herrscht ein geringerer Druck bei gemäßigten Temperaturen. Hier ist es gelungen, organische Verbindungen zu finden. Wobei dies nicht bedeutet, dass es dort auch Leben gibt. 

Von wegen nur der Mars

Die aktuelle Artemis-Mission der NASA plant den langfristigen Aufbau einer Mondstation, die einen wichtigen Schritt zu einer ersten bemannten Mission zum Mars darstellt. Unser roter Nachbar ist das primäre Ziel für mögliche Weltraumreisen abseits vom Mond. Denn er befindet sich der Erde relativ nah, weist erdähnliche Merkmale auf, und wir hoffen, vielleicht Spuren mikrobiellen Lebens auf ihm zu finden. Doch die Venus wird nicht vernachlässigt. Für die späten 2020er- und frühen 2030er-Jahre planen mehrere internationale Raumfahrtbehörden und private Organisationen neue Venusmissionen, um ihre Atmosphäre und Oberfläche sowie potenzielle Spuren von Leben zu erforschen. 

Noch in diesem Jahr soll der "Venus Life Finder" eine kleine Sonde in die Atmosphäre der Venus transportieren, die dort nach organischen Molekülen suchen wird. Für die bereits häufiger aufgeschobene Mission arbeitet das private Raumfahrtunternehmen Rocket Lab mit dem Massachusetts Institute of Technology zusammen. Doch auch die NASA hat unseren inneren Nachbarplaneten im Blick. So wird die DAVINCI-Mission der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde voraussichtlich 2030 die tieferen Schichten der Venus-Atmosphäre bis zur Oberfläche des Planeten untersuchen. Zusammen mit der frühestens 2031 stattfindenden VERITAS-Mission ist es das erste Mal seit den 1990er-Jahren, dass wieder Raumfahrzeuge der NASA die Venus erforschen. 

Die Europäische Raumfahrtagentur wird unseren "Schwesterplaneten" ebenfalls in den frühen 2030-Jahren ins Visier nehmen. Im Fokus steht die Frage, warum sich die Venus und die Erde so unterschiedlich entwickelt haben. Schließlich könnte die Venus der beschriebene lebensfreundliche Planet gewesen sein, bis sie einen unkontrollierbaren Treibhauseffekt entwickelte. 

All diese Projekte starten eine neue Ära der Venus-Erkundung und schenken unserer "Schwester im All" die Aufmerksamkeit, die sie verdient.