Aus dem All droht Gefahr: Tausende von Gesteinsbrocken schwirren in so großer Nähe zur Erde durch die Galaxis, dass Asteroidenjäger der Weltraumagenturen und der UN-Organisation "International Asteroid Warning Network" genau ihre Flugbahn verfolgen. Wie aber ließe sich, wenn tatsächlich einmal ein größerer Asteroid auf die Erde zurasen sollte, eine verheerende Kollision verhindern?
Ein Team um den Physiker Gunther Kletetschka von der University of Alaska Fairbanks hat dazu ein neues Konzept entwickelt, das auf den ersten Blick wirkt wie aus einem Science-Fiction-Film ausgeliehen: Eine Raumsonde könnte potenzielle "Planetenkiller" mit einem Magneten vom Kurs abbringen.
Bei der internationalen "Lunar and Planetary Science Conference" in Texas stellte Kletetschka das "NOVA"-System ("Non-contact Orbital Velocity Adjustment") erstmals vor. Der Kern der Idee: Fast alle Asteroiden enthalten Metalle wie Eisen und Nickel, die auf Magnetfelder reagieren. Eine speziell entwickelte Raumsonde könnte sich einem solchen Geschoss nähern und mit einem nuklear betriebenen Elektromagneten über mehrere Monate hinweg darauf einwirken. Das erzeugte Magnetfeld wäre mit einem Tesla rund 10.000-mal stärker als das der Erde – und sollte den Kurs des Objekts entscheidend verändern.
Das Magnetfeld soll Felsgeschossen einen entscheidenden Stups geben
Da viele kleinere Weltraumgeschosse zudem als "Rubble Piles" vor allem aus lose zusammen gehaltenen Felsen bestehen, müsste das NOVA-System womöglich nicht einmal den gesamten Asteroiden bewegen. Meistens, so die Berechnung des Forschungsteams, würde es schon genügen, die metallhaltigen Fragmente mit der Magnetkraft aus dem Gestein zu lösen. Der Rückstoß würde den Rest dann auf eine sichere, erdferne Bahn lenken.
Der Vorteil des neuen Konzepts gegenüber einem gezielten, kinetischen Einschlag auf einem Asteroiden: Es erlaubt eine präzise, kontinuierliche Steuerung und vermeidet das Risiko, dass der Felsbrocken unkontrolliert in viele neue zerstörerische Geschosse zersplittert.
Für den 60 Meter großen Asteroiden 2024 YR4, der in Verdacht stand, die Erde im Jahr 2032 treffen zu können, nach jüngsten Prognosen jedoch in rund 400.000 Kilometer Entfernung vorbeifliegen wird, haben die Forschenden ihr Konzept einmal durchgespielt.
Mit Erfolg: Ihren Berechnungen nach hätte der Felsbrocken damit rechtzeitig abgelenkt werden können. Vielleicht also könnte die wilde Science-Fiction-Idee vom Magneten-Raumschiff tatsächlich einmal zur Lebensversicherung unseres Heimatplaneten werden.