Nordlichter: Nur Geduld

Wer Nordlichter fotografieren möchte, kommt um ein paar technische Grundvorrausetzungen nicht herum. Ein Stativ ist unerlässlich, denn Sie arbeiten mit langen Belichtungszeiten. Auch eine Fernbedienung ist sinnvoll, aber kein Muss. Zur Not geht auch der Selbstauslöser. Beim Objektiv bevorzuge ich eine Weitwinkellinse. Und natürlich sollte man mit den manuellen Einstellungen seiner Kamera umgehen können. Meine Daumenregel: eine möglichst offene Blende (f/2.8 – f/3.5), ISO zwischen 800-1600 und eine Belichtungszeit zwischen 6-15 Sekunden. Aber hier gilt es, viel zu experimentieren. Prüfen Sie, ob Ihre Bilder „rauschen“ und korrigieren Sie dann zum Beispiel die ISO-Zahl nach unten. Generell ist mein wichtigster Rat: Probieren Sie einfach eine Menge aus, und haben sie Geduld. Ich mache in der Regel 200 bis 300 Aufnahmen in einer Nacht, und davon finde ich oft nur 15 bis 20 Bilder gelungen. Natürlich streben wir Fotografen immer nach dem perfekten Bild, obwohl wir eigentlich wissen, dass wir es nie bekommen werden. Doch am meisten Spaß macht ja ohnehin die Suche danach.

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Wellen: Kennen Sie die Gezeiten

Das Meer ist aufgrund seiner ständigen Bewegungen ein dynamisches Fotomotiv. Mit langen Belichtungszeiten bekommt man oft wunderschöne Fotos, aber wenn das Meer sehr stürmisch ist, sind schnelle Verschlusszeiten eine interessante Alternative. Der Ozean hatte schon immer einen starken Einfluss auf mich – einen Großteil meiner Kindheit verbrachte ich am Strand. Dadurch entstand auch mein Projekt "Sirens", eine Bildreihe mit kurz belichteten Sturmwellen. "Sedna" - das Bild, das Sie oben sehen - ist ein Foto dieser Reihe. Ich nutze eine Canon 5D SR mit einem 70-200mm-Objektiv und fotografiere mit einer Belichtungszeit von 1/1000 und einer kleinen Blende, um die Bewegung der Wellen förmlich einzufrieren. So entstehen bizarre Formen. Während eines Sturms muss ich meine Aufnahmen aus der Hand heraus fotografieren. Im Gegensatz zu den friedlichen Langzeitbelichtungen ist diese Arbeitsweise sehr schnell und aufregend. Meine drei wichtigsten Tipps für die Wellenfotografie: 1. Schauen Sie sich vorher genau an, wie Wind und Gezeiten auf den geplanten Aufnahmestandort einwirken. Die Zeiten von Ebbe und Flut genau zu kennen, ist nicht nur für die eigene Sicherheit wichtig, die Gezeiten beeinflussen auch die Höhe der Wellen. 2. Wenn Ihre Kamera und Ihre Objektive nicht vollständig wasserfest sind, benötigen Sie unbedingt eine wasserdichte Hülle. Nutzten Sie eine Sonnenblende, um Gischt auf dem Objektiv zu vermeiden. 3. Behalten Sie das Meer immer Auge und beobachten Sie, wie sich die Wellen entwickeln. Notfalls muss es eben eine längere Brennweite sein. Kein Foto ist es wert, sein Leben aufs Spiel zu setzen.

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Spiegelungen: Besser in die Knie gehen

Im Alltag begegnen uns ständig Spiegelungen auf unterschiedlichen Oberflächen. In der Natur stellt Wasser die häufigste Form einer reflektierenden Fläche dar und bietet sich perfekt an, Motive noch interessanter darzustellen. Auf diesem Bild ist der Pragser Wildsee (Lago di Braies) in den frühen Morgenstunden zu sehen. Mit einem Weitwinkelobjektiv aufgenommen, spiegelt sich das Bootshaus mit Bergkulisse im See. Dabei muss es oft kein ganzer See sein, selbst kleine Pfützen reichen aus, um Spiegelungen für die Bildgestaltung nutzen zu können. Bei fließenden Gewässern werden gerne unterschiedliche Filter genutzt, lange Belichtungszeiten, um so Bewegung zu erzeugen oder Reflexionen zu verringern. Bei gewünschten Spiegelungen jedoch ist es wichtig, dass das Wasser möglichst ruhig und frei von zu starken Wellen ist, damit das reflektierte Motiv nicht gebrochen wird. Leichte Wellen können jedoch auch sinnvoll in die Bildgestaltung einbezogen werden. Eine weitere wichtige Rolle spielt die Aufnahmeposition, denn bei niedrigerer Position mit zunehmender Nähe zur reflektierenden Fläche kann eine stärkere Dynamik und Dramatik entstehen. Übrigens: Statistisch gesehen, erlebt man in den Morgen- und Abendstunden oft weniger Windbewegung als tagsüber, weshalb diese Tageszeiten sich besonders gut eignen.

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Schnee: Je kürzer der Tag, desto besser das Licht

Ich liebe es, Winterlandschaften zu fotografieren, dann wirkt die Natur so unverfälscht und rein. Die kalte Jahreszeit hat etwas Magisches an sich, insbesondere, wenn alles unter einer dicken Schneeschicht begraben wird. Kaum spektakuläre Landstrichte verwandeln sich in eine unwirkliche Szenerie und werden zum Paradies für Fotografen – so auch der finnische Riisitunturi National Park, wo dieses Bild entstanden ist. Wer im nördlichen Polarkreis während der Wintermonate fotografieren will, sollte seinen Trip zwischen Anfang Dezember und Ende Februar einplanen, wenn die Sonne nur für wenige Stunden am Himmel steht. Denn erst wenn die Tage besonders kurz sind, zeigt sich das ständig wechselnde Licht des Norden in seinen außergewöhnlichsten Facetten. Außerdem liebe ich als Fotografin die kurzen Wintertage, weil man den Sonnenaufgang und -untergang binnen weniger Stunden einfangen kann. Und noch ein Tipp: Wer die Winterlandschaften in Finnland fotografieren will, sollte sich auf Temperaturen von -15 bis -35 Grad einstellen. Die Thermokleidung und ausreichend warme Getränke sind also eine Grundvoraussetzung.

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Milchstraße: Wann, wo und wie

Zeitpunkt: Für die Fotografie der Milchstraße gilt es zu wissen, wo und wann die Milchstraße überhaupt zu finden ist. Wenn der Astro-Fotograf von der Milchstraße spricht, dann meint er in der Regel den farbenfrohen Teil des sogenannten galaktischen Zentrums (GZ), also die Stelle, an der das Band der Milchstraße am dichtesten scheint. Dieses kann man, da wir mit unserem Heimatplaneten selbst ein Teil der Milchstraße sind, nicht immer und überall gleich gut sehen bzw. fotografieren. Das galaktische Zentrum liegt von der Erde aus gesehen im Sternbild Schütze. Von Mitteleuropa aus betrachtet, befindet es sich in den Nächten von Frühling bis Herbst oberhalb des Horizonts – im Lauf der Monate zunächst im Südosten, dann im Süden und schließlich im Südwesten. Im Winter hingegen liegt das galaktischen Zentrum von der Nordhalbkugel aus gesehen in der Nacht immer unterhalb des Horizonts, und man kann in dieser Zeit nur das lichtschwache Band der sogenannten Wintermilchstraße beobachten. Die günstigsten Bedingungen für die Milchstraßen-Fotografie herrschen übrigens in der Woche um den Neumond, denn in dieser Zeit stört das Licht des Mondes nicht. Standort: Um die Milchstraße möglichst detailreich fotografieren zu können, sollte man sich eine Stelle suchen, an der die leider fast überall in Europa vorhandene Lichtverschmutzung gering ist. Sehr gut gelingt das noch im dünnbesiedelten Alpenraum, wo auch das hier gezeigte Bild entstanden ist. Weiterer Vorteil von Hochlagen: Hier trüben weniger Luftpartikel die Sicht. Technik: Um den gesamten Milchstraßenbogen zu fotografieren, benötigt man neben einer DSLR- oder DSLM-Kamera, einem lichtstarken Objektiv und einem stabilen Stativ noch einen Panoramakopf, da hierzu mehrere Bilder nebeneinander aufgezeichnet und später mit einer Panoramasoftware zusammengebaut werden müssen. Achtung: Das ist ohne große Fehler nur möglich, wenn die Kamera auf einem Panoramakopf im Nodalpunkt fixiert wird. Aber auch mit nur einem Einzelbild kann man wunderschöne Bild aus Milchstraße und Landschaft komponieren. Hierfür sollte man jedoch darauf Acht geben, nicht die kritische Belichtungszeit für die Sterne zu überschreiten. Andernfalls wird man ohne weitere Hilfsmittel (Astronachführung) auf Grund der Erdrotation statt Sternen (als Punkte) nur Sternenstrichspuren sehen. Die kritische Belichtungszeit kann man grob nach der 500er-Regel berechnen, sie lautet: 500 : (Brennweite x Cropfaktor) = maximal mögliche Belichtungszeit in Sekunden.

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Nebel: Fotografie für Frühaufsteher

Besonders stimmungsvolle Nebelbilder erzielt man am besten in den frühen Morgenstunden. Zum Beispiel im Wald, wenn das erste Sonnenlicht durch die Bäume bricht und Strahlen hervorzaubert. Aber auch ein Berggipfel ist ein idealer Standort, wenn das Tal bedeckt ist und der Nebel wie ein Meer wirkt, aus dem nur noch die Bergspitzen hervorragen. Für perfekte Nebelbilder empfehle ich immer ein Stativ, da im Morgengrauen eine längere Belichtungszeit notwendig ist. Auch das Bild, das Sie hier sehen, ist im Morgennebel entstanden - und zwar am Königsee bei Berchtesgaden. Der Nebel war zunächst so dich, dass der See kaum zu orten war. Am Ufer entlang Richtung Malerwinkel machte ich einen Spaziergang, und plötzlich begann sich der Nebel zu lichten, und das Wasser wurde nach und nach freigegeben. Die Schifffahrt war schon im Gange und die Boote tauchten auf. Am Aussichtspunkt angekommen, sah ich, wie das Boot sich seinen Weg durch den Königssee bahnte, der Nebelwand entgegen. Als würde dahinter eine unbekannte Welt liegen.

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Wasser: Planung ist alles

Die Fotografie am Meer zeichnet sich vor allem durch die sich ständig ändernden Bedingungen aus. Nicht nur das Wetter, sondern auch die Gezeiten spielen eine große Rolle. Deshalb bedarf es, um Fotos wie dieses hier vom Praia da Adraga aufzunehmen, vor allem eines: Vorbereitung. Neben den Zeiten für Sonnenaufgang und Untergang, die man mit Apps wie Photographer‘s Ephemersis prüfen kann, ist es wichtig, die Gezeiten zu kennen. Tides4Fishing ist dafür eine exzellente Ressource. Zudem ist Scouting wichtig: Wie hoch steigt das Wasser bei Flut? Welche Motive gibt das Meer bei Ebbe preis? Diese Fragen lassen sich vor der Aufnahme klären. Am Praia da Adraga lieferte die einsetzende Ebbe ideale Bedingungen. Nach der Flut war der Strand frei von Fußspuren. Zudem wurden nach und nach mehr Felsen freigelegt. Die Dynamik im Bild entsteht dadurch, dass ich auf eine Welle gewartet habe, die den Fels im Vordergrund umspülte. Beim Zurückfließen des Wassers habe ich dann ausgelöst.

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Gewitter: Meteorologie-Kenntnisse helfen

Ein Gewitter oder sogar einen Tornado vor die Linse zu bekommen, ist nicht ganz einfach. Grundlegend helfen dabei Kenntnisse in der Gewittervorhersage und allgemeine Grundlagen der Meteorologie. In der klassischen Landschaftsfotografie ist Ort und Zeitpunkt der Aufnahme in der Regel bekannt. Bei der Extremwetterfotografie ist diese Planung nicht möglich. Daher werden am Tag, an dem Gewitter erwartet werden, Wetterkarten, Satellitenbilder und Regenradar beobachtet. Sobald ein Gewitter "geboren wurde", beginnt die Verfolgung. Dabei werden permanent Straßenkarten studiert, um in die beste Position relativ zum Unwetter zu gelangen. Einmal angekommen, sucht man sich einen geeigneten Bildausschnitt und fotografiert los. Das Gewitter bewegt sich weiter, und so sitzt man schnell wieder im Auto, bis eine geeignete und sichere Position erreicht ist. Dieses Spiel mit den bedrohlichen Wolken kann sich über viele Stunden mehrmals wiederholen. Mit etwas Glück und Geduld sind die Lichtverhältnisse im Zusammenspiel mit dem Motiv während der Jagd optimal, und das gewünschte Foto ist gemacht.

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Alpenglühen: Umdrehen nicht vergessen

Zu den beeindruckendsten Naturschauspielen gehört sicherlich das sogenannte Alpenglühen. Um zu verstehen, wie die Sonne die Berge zum Glühen bringt, ist es hilfreich, der Entstehung von Morgen- und Abendrot nachzugehen. Dabei ist die Tageszeit entscheidend, denn wer bei einer Wanderung im Gebirge zur Mittagszeit auf ein Alpenglühen hofft, wird vergeblich darauf warten. Auf diesem Bild ist das Alpenglühen einer Gipfelreihe in den Dolomiten zu sehen, welches im Winter bei Sonnenaufgang mit einem Teleobjektiv aufgenommen wurde. Physikalisch betrachtet, reduziert sich das gesamte Schauspiel auf die unterschiedlichen Wellenlängen der elektromagnetischen Strahlung, wobei das Licht in der Atmosphäre gestreut und je nach Tageszeit in unterschiedlichen Farbtönen sichtbar wird. Aufgrund des stärker gestreuten Lichts bei tief stehender Sonne, glühen die Berge in verschiedenen Rottönen. Wer diesen Moment einfangen möchte, sollte beim Bestaunen des Sonnenauf- oder -untergangs also nicht vergessen, in die entgegengesetzte Richtung zu blicken, wo das Schauspiel des Alpenglühens stattfindet. Die Sonne strahlt dabei im flachen Winkel auf höherstehende Objekte – wie zum Beispiel Berge – und lässt sie für kurze Zeit aufleuchten. Vereinfacht gesagt, ist das Alpenglühen lediglich die Reflexion der auf- und untergehenden Sonne und der damit verbundenen Himmelsröte.

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