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Meeresbiologie Rätselhaftes Verhalten: Fische reiben sich gern an Haien

Haie werden oft von Fischen begleitet – und manchmal als Scheuerpfahl benutzt
Haie werden oft von Fischen begleitet – und manchmal als Scheuerpfahl benutzt
© wildestanimal / Adobe Stock
Manche Fischarten begleiten die großen Jäger – und benutzen sie sogar als Scheuerpfahl. Das leichtsinnig anmutende Verhalten haben Forschende jetzt in einer Studie untersucht

Als die Meeresforscherin Lacey Williams in Südafrika einen Weißen Hai beobachtete, wurde sie zufällig Zeugin einer merkwürdigen Begegnung: Als der Jäger sich einem Schwarm Großer Gabelmakrelen näherte, flüchteten die Fische nicht, sondern schwammen sogar auf den massigen Hai zu – und fingen an, sich an seiner Schwanzflosse zu reiben wie an einem Scheuerpfahl.

Einmal auf dieses Verhalten aufmerksam geworden, beobachtete Williams solche Begegnungen immer wieder. Und sah sich mit "tonnenweise Fragen" konfrontiert. Schließlich erscheint es auf den ersten Blick widersinnig, dass sich potenzielle Beute an ihren potenziellen Fressfeind heranmacht, um sich an ihm zu scheuern.

Mit ihrer Kollegin Alexandra Anstett sammelte sie nun Beobachtungen von Tauchern und wertete für ihre in der Zeitschrift Ecology erschienene Studie Drohnenvideos und Fotos aus. Schließlich umfasste die Liste 47 Begegnungen aus drei Ozeanen mit acht verschiedenen Hai-Spezies, an denen sich zwölf Arten von Fischen rieben. In einem Fall hatten Taucher sogar beobachten können, wie sich Seidenhaie an einem – wesentlich größeren – Walhai scheuerten.

Manchmal war es nur ein einzelner Fisch, der sich rieb, mal waren es hundert oder mehr. Auch die Dauer variierte erheblich: von wenigen Sekunden bis zu mehreren Minuten.

Warum greifen die Haie nicht an?

Dass manche der Haie versuchten, sich ihrer lästigen Verfolger zu entledigen, statt sich einen von ihnen zu schnappen, erklären die Forscherinnen so: Haie vermeiden es in der Regel, gesunde Fische zu jagen. "Es könnte einfach eine Sache der Energieeinsparung sein", sagte Williams dem Scientific American.

Was, auf der anderen Seite, die Fische dazu bringt, Hautkontakt ausgerechnet bei gefährlichen Jägern zu suchen, bleibt vorerst unklar. Bekannt war bislang nur, dass sich viele Meereslebewesen, darunter auch Haie, an Sandboden oder Felsen scheuern. Mutmaßlich, um Parasiten loszuwerden.

Eine weitere mögliche Erklärung fügt der an der Studie nicht beteiligte Verhaltensforscher Jonathan Balcombe im Scientific American hinzu: Es könnte sein, dass die Tiere es einfach toll finden, sich an der schleifpapierartigen Haut der Haie zu reiben. Schließlich gebe es mittlerweile wissenschaftliche Belege dafür, dass Berührungen auch Fischen guttun.


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