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  • Seebad Sandown, Isle of Wight

Zur Galerie Photochrome zeigen die Britischen Inseln um 1900 in Farbe
Am Strand vor dem Kursaal im Seebad Sandown sorgen überdachte Wagen dafür, dass Badegäste ungestört und sittsam ihre Badekleidung anziehen und im Meer baden gehen können. 
Seebad Sandown, Isle of Wight
Am Strand vor dem Kursaal im Seebad Sandown sorgen überdachte Wagen dafür, dass Badegäste ungestört und sittsam ihre Badekleidung anziehen und im Meer baden gehen können. 
© Photovintagefrance / former Marc Walter collection / TASCHEN Verlag
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In den 1780er-Jahren entwickelte sich Blackpool von einem abgelegenen Dorf zu einem stillen Badeort, der zunächst noch von wohlhabenden Kurgästen besucht wurde. Mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz 1846 öffnete sich Blackpool einem ganz anderen Publikum, das aus dem industriellen Kernland Lancashires kam. Drei Vergnügungspiers, elektrische Beleuchtung und der französisch inspirierte und 158 Meter große Blackpool Tower machten den Badeort zu einem attraktiven Ausflugsziel. Ab 1900 zog es vor allem die nordenglische Arbeiterklasse in die Küstenstadt. 
Photochrome sind keine Farbfotos, wie wir sie heute kennen. Es handelt sich um nachträglich kolorierte Fotos, die beispielsweise als Souvenir unter Urlaubern beliebt waren. Denn während persönliche Reisefotografie dank der 1888 entwickelten Kodak-Kamera bereits möglich war, gab es dennoch weiterhin die Nachfrage nach kommerziell hergestellten Fotografien. Beliebt waren beispielsweise Bilder von britischen Touristenattraktionen, die dann neben schwarz-weißen Fotos im Familienalbum ihren Platz fanden. Da die kommerziellen Photochrome die Welt für ihre zeitgenössischen Betrachter in lebhaften und naturgetreuen Farben abbildeten, entwickelte sich das Konzept um 1900 schnell zum Verkaufsschlager. 
Wo heute Autos und rote Doppeldeckerbusse fahren, tummelten sich früher Kutschen: Den meisten ist Picadilly Circus wohl wegen der riesigen, um eine Häuserecke gebogenen LED-Displays und leuchtenden Schriftzügen bekannt, die beispielsweise in Filmen wie "Bridget Jones's Diary" prominent im Hintergrund vorkommen. Seit den 1980er-Jahren dürfen Unternehmen nur noch an dieser Häuserfassade am Circus Werbeflächen anbringen. 1900 wiederum wurde die allererste Reklametafel auf dem Dach des London Pavillion installiert – diese warb für die Biersorte Spaten. Auch der Eros-Brunnen ist bis heute der charakteristische Mittelpunkt des Platzes. 
Während der Großen Hungersnot (1845 bis 1852) starben in Irland eine Million Menschen, und ebenso viele verließen in den folgenden Jahrzehnten die Insel. Diese traurigen Umstände für die irische Bevölkerung hatten jedoch keine Auswirkung auf die Insel als attraktives Reiseziel. Kaum war die Hungersnot vorbei, begannen Eisenbahngesellschaften bereits 1852 mit preiswerten "irischen Touristentickets" zu werben. Die Fahrkarten beinhalteten die Anreise von einem Bahnhof auf der britischen Hauptinsel über die Irische See nach Dublin sowie die Fahrt zu weiteren Zielen außerhalb. Trotz der Nähe zum übrigen Großbritannien galt die "Grüne Insel" damals als exotisches Reiseziel. Angepriesen wurde vor allem die Schönheit der sagenumwobenen Landschaft. Bekannte Sehenswürdigkeiten waren etwa die Seen von Killarney und die Küste von Antrim. 
Am Strand vor dem Kursaal im Seebad Sandown sorgen überdachte Wagen dafür, dass Badegäste ungestört und sittsam ihre Badekleidung anziehen und im Meer baden gehen können. 
Sightseeing auf der Themse: Auch um 1900 erkundeten Touristen London bereits vom Fluss aus. Dafür konnten sie entweder eine Fahrt auf einem Vergnügungsdampfer buchen oder selbst ins Ruderboot steigen. Dabei passierten sie Wahrzeichen wie die mächtige Tower Bridge (nicht zu verwechseln mit der London Bridge). Diese wurde zwischen 1886 und 1894 gebaut, um die Verbindung zwischen dem Zentrum von London und dem East End zu verbessern. Obwohl es sich um eine fortschrittliche Hängebrücke mit zwei beweglichen Klappen handelte, hielt man sie im neogotischen Stil. Optisch sollte sie so zum nahe gelegenen Tower of London passen – manche kritisierten die Fassade jedoch als unpassend für die modernen mechanischen Funktionen im Inneren.
Lisdoonvarna entwickelte sich aufgrund seines heilenden Mineralwassers und der pittoresken Landschaft zum beliebten Urlaubsziel im 19. Jahrhundert. Mit der Entdeckung der Thermalquellen wuchs auch die Stadt. Zur Blütezeit reisten Tausende Gäste jährlich an, um die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Quellwassers zu genießen, indem sie es tranken oder darin badeten. 
Lake Windermere ist mit einer Länge von etwa 18 Kilometern der größte See Englands, wenn auch nicht der Britischen Inseln. Er liegt im Lake District ("Seenbezirk") im Nordwesten Englands zwischen Edinburgh und Liverpool. Die Region ist bis heute ein beliebtes Reiseziel, bekannt für schmale Gletscherseen und schroffe Berggipfel. Heute ist der Lake District ein Nationalpark und Teil das UNESCO-Weltkulturerbes. Nach der Eröffnung der Bahnlinie 1847 erwarb sich der Lake Windermere seinen Ruf als besonderes Schmuckstück im Lake District – was sich mit der Veröffentlichung von Gedichten William Wordsworths im Jahr 1850 verfestigte. Sie feiern den Blick von den Hügeln über Lake Windermere als ein Universum, das "die schönsten Formen der Natur vereint".
Heute handelt es sich beim Giant's Causeway ("Straße der Riesen") an der nordirischen Küste um eine UNESCO-Weltkulturerbestätte. Die gleichmäßig geformten Steinformationen oder Basaltsäulen sind etwa 60 Millionen Jahre alt und übersähen die Landschaft bis in den Atlantik hinein – als wären sie Trittsteine für Riesen. Bereits um 1900 handelte es sich um ein attraktives Ausflugsziel für Touristen.
Belfast wurde Mittelpunkt der Industriellen Revolution in Irland. Als es 1888 den Status einer Stadt erhielt, kam ein Großteil seines Wohlstandes aus der Leinenproduktion, der Tabakverarbeitung und dem Schiffbau. Während die Einwohnerzahl in Irland insgesamt nach der großen Hungersnot in den 1840er-Jahren wegen der vielen Auswanderer sank, zogen zugleich viele Menschen nach Belfast, und seine Bevölkerung wuchs im späten 19. Jahrhundert stark an. 
Die besondere Meereshöhle auf der unbewohnten Hebrideninsel Staffa wurde 1772 entdeckt und nach dem Sagenhelden Fingal benannt. Als Sehenswürdigkeit wurde sie Teil der romantischen Fantasie des 19. Jahrhunderts. 1829 war der Komponist Felix Mendelssohn bei seinem Besuch so beeindruckt von der von hohen Basaltsäulen gesäumten Grotte, dass sie ihn zur Ouvertüre "Die Hebriden" inspirierte. Sein Werk trug dazu bei, dass Fingal's Cave ("Fingalshöhle") auch zum Reiseziel anderer berühmter Persönlichkeiten wie Jules Verne und Robert Louis Stevenson wurde. 
Als Reiseziele waren Wales und die Isle of Man aufgrund ihres keltischen Erbes von heimischer Exotik geprägt. Bevor Wales 1284 zwangsweise in den englischen Nationalstaat eingebunden wurde, war es eine Föderation unabhängiger Fürstentümer. Wer um 1900 dorthin reiste, entdeckte eine mit Burgen übersäte Landschaft, die von Eroberung, Besiedelung und Vertreibung durch die Engländer geprägt war. Dennoch blieb ein ausgeprägter Sinn für die walisische kulturelle Identität erhalten, der mehreren Jahrhunderten englischer Kolonisierung standhielt und im 19. Jahrhundert wieder aufblühte.
Bei Ebbe ist sie zu Fuß erreichbar, bei Flut kommt man nur per Boot auf die Gezeiteninsel Sankt Michael's Mount an der Südwestspitze Englands. Unter den englischen Grafschaften hat Cornwall die längste Küstenlinie. Begrenzt wird sie vom Ärmelkanal im Süden und dem Atlantik im Norden und Westen. Die Landschaft dort ist von zerklüfteten Klippen und der rauen See gekennzeichnet. 
Die Schönheit und die reiche Geschichte der Britischen Inseln hatten den internationalen Touristen um 1900 viel zu bieten. Mehr als 800 Photochrome ermöglichen in dem Bildband "British Isles 1900. A Portrait in Colour" (608 Seiten, erschienen im TASCHEN Verlag) einen detaillierten Blick auf die wilden Landschaften, gepflegten Rasenflächen, pulsierenden Städte und den ländlichen Charme Großbritanniens vor dem Ersten Weltkrieg.
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27. Februar 2021,00:15
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