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Podcast Das Gehirn im Bauch: Wie der Darm unsere Laune beeinflusst

Unser Darm sendet über Nervenstränge und Botenstoffe ständig Signale an unser Denkorgan – und beeinflusst unser Befinden wie auch unsere Entscheidungen
Unser Darm sendet über Nervenstränge und Botenstoffe ständig Signale an unser Denkorgan – und beeinflusst unser Befinden wie auch unsere Entscheidungen
© VectorMine / Shutterstock
Unser Verdauungsorgan sendet über Nervenstränge und Botenstoffe beständig Signale an unser Denkorgan – und beeinflusst unser Befinden wie auch unsere Entscheidungen. In dieser Folge geht es darum, wie dieses »Bauchhirn« arbeitet, und welche Macht es ausübt. Und: Wie ein Reizdarm unsere Stimmung verdirbt. Welche Nahrungsmittel wir reichlich essen sollten, um unser Wohlgefühl zu heben. Könnte die Einnahme von bestimmten Darmmikroben womöglich sogar gegen Depressionen helfen?

Eine neue Folge von "Gesunder Darm" erscheint jeden zweiten Mittwoch bei AudioNowSpotifyApple und Deezer. Natürlich können Sie den Podcast auch direkt auf GEO.de hören:

Das Gehirn im Bauch

Dass Kopf und Bauch zusammenhängen, lehrt den Laien bereits die Erfahrung: Fast jeder hat schon einmal „Schmetterlinge im Bauch“ verspürt, mit einer Entscheidung gerungen, die ihm „schwer im Magen“ lag, oder seinen „Ärger heruntergeschluckt“.

Umgekehrt scheint auch der Bauch auf die Psyche einzuwirken, etwa wenn wir uns noch Stunden danach über ein köstliches Mahl freuen, wenn ein Gericht Erinnerungen aus der Kindheit heraufbeschwört – oder wenn beißender Hunger unsere Stimmung trübt.

Die Forschung hat diese Erkenntnisse allerdings lange nicht ernst genommen. Allzu dominant war insbesondere in der westlichen Medizin die Vorstellung, dass allein das Gehirn den Körper regiert – und alle anderen Organe nur dessen Funktionieren dienen.

Erst vor einigen Jahren ist diese Annahme ins Wanken geraten, als Wissenschaftler entdeckten, dass der Darm eine komplexe Chemiefabrik ist, die gut zwei Dutzend Nervenbotenstoffe herstellt, Substanzen, die auch im Gehirn gebildet werden und dort etwa für Wohlgefühl sorgen. Überdies stellte sich heraus, dass die Wände des Darms 100 bis 200 Millionen Nervenzellen enthalten. Manche Forscher sprechen gar von einer Art „zweitem Gehirn“ im Bauch.

Die Nervenzellen im Darm sind in der Lage, die Verdauung vom Magen abwärts völlig autonom zu steuern. Sie koordinieren die Infektabwehr, geben Befehle an die Muskeln, sich zu kontrahieren und so das Gegessene weiterzuschieben, oder starten ein Notfallprogramm, wenn sich gefährliche Stoffe im Nahrungsbrei befinden. Am erstaunlichsten aber ist: Zwischen den Nervensystemen bestehen neuronale Schnellstraßen, die große Teile des Darms und das Denkorgan direkt miteinander verbinden und zum Austausch von Informationen dienen.

Und offenbar fließen die Daten vor allem in eine Richtung: Bis zu 90 Prozent der Informationen strömen vom Bauch zum Gehirn. Dort werden sie unter anderem in jenen Regionen verarbeitet, die Gefühle beeinflussen. Diese Entdeckung hat das Bild vom Darms gründlich verändert. Denn damit ist bewiesen, dass er viel mehr ist als nur ein Verdauungsorgan – nämlich das Sprachrohr unseres Bauches, ein Flüsterer aus der Körpermitte

Text: Redaktion

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